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John Boltons Abrechnung mit Trump jetzt auch auf Deutsch | BR24

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Der Originaltext machte jede Menge Schlagzeilen, stellte der Ex-Sicherheitsberater seinen Chef Donald Trump doch als inkompetent und skrupellos da. Jetzt ist John Boltons Abrechnung auch in Deutschland erschienen - und liest sich reichlich wirr.

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John Boltons Abrechnung mit Trump jetzt auch auf Deutsch

Der Originaltext machte jede Menge Schlagzeilen, stellte der Ex-Sicherheitsberater seinen Chef Donald Trump doch als inkompetent und skrupellos dar. Jetzt ist John Boltons Abrechnung auch in Deutschland erschienen - und liest sich reichlich wirr.

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Ist er freiwillig gegangen – oder wurde er gefeuert? Hin wie her, nach seinem unrühmlichen Abgang als Nationaler Sicherheitsberater vor knapp einem Jahr genoss John Bolton die kurzfristige Rückkehr auf die nationale Bühne, um seinen Enthüllungs-Report "Der Raum in dem alles geschah" zu bewerben. Und er teilte erwartungsgemäß kräftig aus gegen seinen alten Chef: Trump sei unfähig sein Amt auszuüben. Ihm fehlten Kompetenz und Kompass. Stattdessen ginge es bei allen Entscheidungen nur um ihn und seine Wiederwahl, so Bolton im Sender ABC.

Hat Trump die Chinesen um Wahlkampfhilfe gebeten?

Auf knapp 600 Seiten beschreibt Trumps dritter Nationaler Sicherheitsberater, der schon für die Präsidenten Reagan und Bush I und II arbeitete, minutiös die Vorgänge in den 17 Monaten seiner Amtszeit. Mit so vielen Details, dass der Rezensent der New York Times das Buch für schier unlesbar erklärte. Aufgeblasen durch Boltons Selbstherrlichkeit, unendlich ermüdend und ziemlich wirr. Doch für kurze mediale Erregung reichte es allemal. Etwa weil Bolton behauptet, Trump habe den chinesischen Staatschef Xi Jinping um Hilfe im Wahlkampf gebeten. Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer dementierte das prompt. Doch in einem Interview beim Radiosender NPR insistierte Bolton: Er dürfe zwar den genauen Wortlaut der Unterhaltung nicht wieder holen, aber: "Es gab einen klaren Zusammenhang zwischen größeren Menge an Agrar-Produkten, die die Chinesen kaufen sollten und Trumps Wiederwahl, weil das den Farmern half, deren Stimmen er unbedingt braucht."

© Dwi Anoraganingrum/Picture Alliance

Aufregung bei Trump

Trump sei eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA, Amtsmissbrauch an der Tagesordnung. Verschärfend käme hinzu, dass der Präsident bestimmte Zusammenhänge nicht begreifen wolle - oder könne. So hätte Trump mal gefragt, ob Finnland zu Russland gehöre. Und nie wirklich verstanden, was eigentlich ein Handelsdefizit ist. Oder wie es zur Teilung der koreanischen Halbinsel kam. Obwohl er es ihm immer wieder erklärt habe, so Bolton bei ABC.

Trump wollte Militäreinsätze nicht mittragen

Überhaupt Nordkorea: Da sei es Trump vor allem um einen Foto-Termin mit Kim Jong-un gegangen. Der nordkoreanische Diktator habe die vergangenen zwei Jahre derweil genutzt, um sein Atomprogramm weiter auszubauen. In seiner Amtszeit war Bolton in sicherheitspolitischen Fragen immer wieder mit Trump aneinandergeraten. Etwa weil der Falke Bolton in der Iranpolitik für Militäreinsätze plädierte, die Trump wegen möglicher ziviler Opfer nicht mittragen wollte.

© Dwi Anoraganingrum/Picture Alliance

Patriotismus oder Gehässigkeit?

Das amerikanische Volk müsse all das wissen, vor der Wahl im November, verteidigte der 71-Jährige seine Enthüllungen. Auch damit klar werde: Trump sei ein Irrgang der Geschichte. Donald Trump hatte bis zuletzt versucht, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern – und beschimpft seinen Ex-Berater seither bei Twitter als völlig inkompetenten Lügner. Aber auch bei der Opposition kam Boltons Buch nicht gut an. Die Demokraten nehmen ihm übel, dass er im Impeachment-Verfahren nicht aussagte. Boltons Verteidigung: Die Amtsenthebung sei zum Scheitern verurteilt gewesen. Top-Demokratin Nancy Pelosi sieht die Sache so: "Natürlich ist Donald Trump weder ethisch noch intellektuell in der Lage, das Präsidentenamt auszuüben. Aber das hat John Bolton früher auch nicht gestört. Er hat sein Autorenhonorar über seine Vaterlandsliebe gestellt."

Muss Bolton sein Buch-Honorar zurückzahlen?

Bei Amazon USA ist die Originalfassung "The Room where it happened" knapp zwei Monate nach Erscheinen nur noch auf Platz 47 in der Memoiren-Bestsellerliste. Zwei Millionen Dollar soll Bolton vom Verlag Simon & Schuster bekommen haben. Ob er das Geld behalten darf, ist noch unklar. Die Trump-Regierung wirft ihm Geheimnisverrat vor. Es droht ein Strafverfahren. Und die Rückgabe aller Einnahmen ans Weiße Haus. Diese Entscheidung aber hat das Gericht noch nicht getroffen.

John Bolton: "Der Raum, in dem alles geschah", Verlag Das Neue Berlin, 28 Euro.

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