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Jetzt doch: Wie die Kirchen in Bayern Ostern feiern | BR24

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Bildrechte: picture alliance / dpa | Felix Kästle

Österlicher Eierschmuck vor einer Kirche.

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Jetzt doch: Wie die Kirchen in Bayern Ostern feiern

Nach Protesten der Kirchen und dem Rückzieher der Politik ist nichts mehr zu lesen vom anfänglichen Wunsch der Bundesregierung, an Ostern auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Bayerns Kirchen planen wieder Gottesdienste mit anwesenden Gläubigen.

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Von
  • Simon Berninger

Erst wurde die angekündigte "Osterruhe" für Gründonnerstag und Karsamstag nach Protesten der Wirtschaft zurückgenommen - jetzt ist auch vom Wunsch der Bundesregierung, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, nichts mehr zu lesen. Der Passus wurde stillschweigend gestrichen. Zu deutlich war das Unverständnis der Kirchen, warum deren Hygienemaßnahmen ausgerechnet an den höchsten christlichen Feiertagen nicht ausreichen sollten.

Einigung im Osterstreit

In Bayern berieten sich am Mittwochabend das bayerischen Innenministerium, die Staatskanzlei und Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen. Danach hieß es von Regierungsseite, alles sei einvernehmlich gelaufen. Doch das Ergebnis lässt anderes vermuten. Gläubige dürfen zu Ostern in die Kirchen, auf eine Empfehlung, das nicht zu tun, wird verzichtet.

Die Evangelische Landeskirche in Bayern teilte mit, ihr Online-Angebot an Gottesdiensten für die Ostertage noch weiter aufzustocken. Anders als an Weihnachten schreibt die Landeskirche ihren Kirchengemeinden keine generelle Anmeldepflicht für Präsenzgottesdienste vor. Dies sei nur für Gottesdienste verpflichtend, "bei denen Besucherzahlen zu erwarten sind, die zur Auslastung der Kapazitäten führen".

Evangelische Gottesdienste im Freien

Der Kirchenkreis Augsburg und Schwaben empfiehlt allen Verantwortlichen, die bei den angebotenen Gottesdiensten mitwirken, sich zuvor testen zu lassen - und bietet die Erstattung für die Kosten an. Das Dekanat Schweinfurt verweist derweil darauf, dass viele Gottesdienste in der Osternacht und an Ostersonntag im Freien stattfänden, obgleich rechtlich nicht zwischen Gottesdiensten im Innenraum und im Freien unterschieden wird. "Dort, wo eine Teilnehmendenzahl von über 200 angenommen wird, ist Kontakt mit den Ordnungsbehörden aufzunehmen", heißt es auf der Homepage der evangelischen Landeskirche.

In Nürnberg haben das Amt für Gemeindedienst und das Gottesdienst-Institut derweil ein besonderes "Zeichen der Nähe" für ältere und alte Menschen in Kirchengemeinden und Einrichtungen entwickelt. Ein "Osternest" enthält unter anderem die Gottesdienst-CD "Ostern daheim", damit Gläubige auch zu Hause Ostern feiern können.

Verstärktes Online-Angebot, aber weiterhin Messen vor Ort

Auch die katholischen Bistümer in Bayern wollen einerseits online aufrüsten, andererseits an Präsenzgottesdiensten festhalten - unter Rücksicht auf die jeweilige Corona-Lage vor Ort. "Es ist selbstverständlich, dass wir mit unseren bewährten Schutzkonzepten das Infektionsrisiko weiterhin so gering wie möglich halten", so der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx in einer Pressemitteilung.

Im Erzbistum München-Freising entfällt allerdings die traditionelle Fußwaschung an Gründonnerstag . Auf der Homepage des Erzbistums werden die Ostermessen mit Kardinal Reinhard Marx aus dem Liebfrauendom gestreamt.

Bistum Würzburg fordert Gemeinden zu Vorab-Anmeldungen auf

Das Bistum Würzburg forderte seine Gemeinden auf, ein Anmeldeverfahren einzuführen, sollten sie mit mehr Gläubigen rechnen, als durch die Abstandsregeln erlaubt sind. Bei der Terminierung der Feiern sei darauf zu achten, dass dabei etwaige nächtliche Ausgangssperren eingehalten würden. Denn die Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr in Regionen mit einer Inzidenz über 100 gilt in Bayern auch für Gottesdienste, sodass die Osternachtfeiern am Karsamstag in Hotspot-Regionen entsprechend früher enden müssen.

Im Erzbistum Bamberg müssen sich die Gottesdienstbesucher im Vorhinein zu den Kar- und Ostergottesdiensten anmelden. Wie das konkret aussieht, bleibt den Kirchengemeinden überlassen. Sollte in Kommunen der Inzidenzwert von 100 überschritten werden und die Notbremse mit Ausgangssperren greifen, werde vor Ort darüber entschieden, die Gottesdienste in der Osternacht vorzuverlegen, sagte Erzbischof Ludwig Schick im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

Vorverlegungen der Osternacht

Das Bistum Augsburg rechnet wegen der voraussichtlich dann immer noch geltenden Ausgangssperre schon heute damit, dass die Osternacht am Karsamstag im Augsburger Dom um 19.30 Uhr gefeiert wird. "Diejenigen, denen der Besuch eines präsentischen Gottesdienstes nicht möglich ist, möchte ich ermutigen, die vielfältigen Angebote im Radio und Fernsehen sowie per Livestream zu nutzen", teilte Bischof Bertram Meier mit. Mit Ausnahme des Ostermontags würden alle Gottesdienste live auf der Homepage des Bistums und der Facebook-Seite übertragen.

Im Bistum Regensburg laufen derzeit noch die Beratungen nach der definitiven Zusicherung der Staatsregierung, dass Gottesdienste grundsätzlich gefeiert werden können. Näheres will das Bistum mitteilen, "sobald die Maßgaben des Freistaates intern beraten worden sind", heißt es auf der Bistums-Homepage. Die Gottesdienste an Gründonnerstag, Karfreitag und in der Osternacht (bereits um 19 Uhr) sind bereits jetzt als Livestream angekündigt.

Erleichtert über die Einigung mit der Politik zeigt sich auch Passaus Bischof Stefan Oster. Die Oster-Botschaft, der "Sieg des Lebens über das Lei­den und den Tod", sei "gera­de in die­ser Pan­demie-Zeit so her­aus­ra­gend wich­tig – vor allem für einen gläu­bi­gen Men­schen".

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