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Till Brönner

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    Jazzer Till Brönner kritisiert Umgang mit "#allesdichtmachen"

    Rückendeckung für Stars wie Ulrich Tukur und Jan Josef Liefers: Es sei ein "absurder Verdacht", dass sie politisch "abgedriftet" seien, so der prominente Jazz-Trompeter. Die Kritik an der Satire-Aktion müsse "menschlich erschrecken".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Die Aufregung ebbt nicht ab: Der satirische Protest von rund fünfzig Schauspielern gegen die Corona-Politik der Bundesregierung unter dem Hashtag #allesdichtmachen sorgt für anhaltenden Streit und immer neue Schlagzeilen. "Für demokratische Grautöne war offenbar kein Platz mehr und die Clips allein blieben die Pointe auch ein wenig schuldig, wenn wir ehrlich sind", sagte der prominente Jazz-Trompeter Till Brönner zur Aktion, verteidigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) jedoch die Teilnehmer: "Man kann Menschen wie Ulrich Tukur oder Jan-Josef Liefers nicht unterstellen, dass sie alle abgedriftet sind, sondern darf durchaus neugierig sein, warum gerade sie mit von der Partie waren." Die Welle der Kritik habe jedenfalls ein Ausmaß angenommen, dass "menschlich erschrecken muss und nicht mal vor Morddrohungen" zurückschrecke.

    "Erdrutsch für Kultur blieb aus"

    Brönner, der am 6. Mai fünfzig wird, hielt es für einen "absurden Verdacht", dass #allesdichtmachen die Corona-Toten verhöhnen wollte. Der Musiker zeigte sich enttäuscht darüber, wie wenig er mit seinem Engagement gegen den Kultur-Lockdown erreicht habe. Er hatte am 27. Oktober vergangenen Jahres in einem Youtube-Video ("Zur Lage") die Lage der Branche in düstersten Farben geschildert und dringend Hilfen für die Kultur angemahnt: "Ich wurde ins 'Heute Journal' und zu Anne Will eingeladen, wurde im Kulturausschuss des Bundestags als Sachverständiger gehört. Der Erdrutsch für die Kultur blieb aber ganz klar aus."

    Unterdessen werden immer neue Details über #allesdichtmachen bekannt und es wird weiterhin viel spekuliert, oft ohne konkrete Quellenangaben und Bestätigungen seitens der Beteiligten. So schreibt der Berliner "Tagesspiegel", es "verdichteten sich die Hinweise", dass der Schauspieler Moritz Bleibtreu zunächst in die Vorbereitungen von #allesdichtmachen einbezogen war, "angeblich" auf Druck eines Werbepartners dann jedoch kein Video beigesteuert habe.

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    Bildrechte: Britta Pedersen/Picture Alliance

    Kida Khodr Ramadan

    Schauspieler Kida Khodr Ramadan ("Greyzone - No Way Out", "4 Blocks") hat unterdessen #allesdichtmachen in der aktuellen "Zeit" getadelt: "Ich finde das eine Unverschämtheit, die Leute drehen staffelweise Serien und gehen in irgendwelche TV-Spielshows – und dann meckern sie rum? Man muss Geduld haben, Junge, wir sind ja nicht im Gefängnis!" Sein Schwiegervater sei an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben, so der sechsfache Vater Ramadan: "Da sterben Menschen draußen, denen müssen wir Respekt geben. Ich habe dieses Drecksvirus von Anfang an respektiert. Meine kleine Tochter ist mein neuer bester Freund, die ist zwei Jahre alt und versteht mich, die kriegt den Lockdown nicht mit und lacht die ganze Welt aus: Was wollt ihr, sagt die, ich bin glücklich." Während der Pandemie habe er sich auf das Schreiben von Drehbüchern verlegt und entwerfe selber Filmstoffe.

    "Wirklich viel zu kritisieren"

    In der "Berliner Zeitung" zeigte der Notfallsanitäter Jan Schad dagegen Verständnis für #allesdichtmachen und stellte klar, dass "die Gegner der #allesdichtmachen-Kampagne keineswegs für alle Mitarbeiter des Gesundheitssystems" sprächen, es gebe nämlich "wirklich viel zu kritisieren", "sachliche Einwände" würden zur "Geschwurbel degradiert". Die Reaktionen auf die Schauspieler-Aktion seien "teilweise unfassbar". Der Geschäftsführer des Klinikums Saarbrücken, Christian Braun, schrieb in der "Saarbrücker Zeitung", Intensivstationen seien "kein Laufsteg" und nahm damit Bezug auf die Forderung der Essener Ärztin Carola Holzner, die gefordert hatte, die Kritiker der Corona-Politik sollten "#allemalneschichtmachen". Doch das hatte auch schon der Essener Klinikchef Jochen A. Werner abgelehnt.

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