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Japan in Würzburg: 25 Jahre Siebold-Museum mit Sonderausstellung | BR24

© Jochen Wobser / BR-Mainfranken

Es ist einzigartig in der deutschen Museumslandschaft: das Würzburger Siebold-Museum zu Ehren von Forscher Philipp Franz von Siebold. In diesem Jahr feiert das Museum 25-jähriges Jubiläum - und zwar mit einer Sonderausstellung.

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Japan in Würzburg: 25 Jahre Siebold-Museum mit Sonderausstellung

Es ist einzigartig in der deutschen Museumslandschaft: das Würzburger Siebold-Museum zu Ehren von Forscher Philipp Franz von Siebold. In diesem Jahr feiert das Museum 25-jähriges Jubiläum – und zwar mit einer Sonderausstellung.

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"Wir präsentieren Stücke, die wir lange nicht oder noch nie zuvor gezeigt haben", sagt der Vorsitzende der Siebold-Gesellschaft, Wolfgang Klein-Langner. Das Siebold-Museum in Würzburg hat allen Grund zum feiern: Vor 25 Jahren, am 3. Juli 1995, wurde das einzigartige Museum eröffnet.

Sonderausstellung zum 25-jährigen Jubiläum

Die geplante Jubiläumsfeier muss wegen der Corona-Pandemie zwar ausfallen, aber die Ehrenamtlichen der Siebold-Gesellschaft eröffnen am Jubiläumstag eine Sonderausstellung mit Schätzen aus dem Museumsdepot. Im BR-Interview erklärt Klein-Langner: "Das ist ein Querschnitt, mit dem wir den Menschen zeigen wollen: Was ist denn eigentlich Japan, was ist Siebold? Uns interessiert diese Beziehung zwischen Japan und Deutschland in Form eines echten Kulturaustauschs."

Kimonos, Porzellan und ein goldener Buddha

Die Ausstellung im 1. Stock des Museums umfasst etwa Kimonos, Porzellan oder einen überdimensionalen japanischen Stoffdrachen. Ein Höhepunkt ist eine goldene Buddha-Statue, die Heinrich von Siebold, zweiter Sohn des Japanforschers Philipp Franz von Siebold, um das Jahr 1870 von Japan nach Wien brachte. Für Wolfgang Klein-Langner von der Siebold-Gesellschaft ist Philipp Franz von Siebold "der letzte Universalgelehrte auf dem Gebiet der Naturwissenschaften".

Alternative für abgesagte Jubiläumsfeier

Die ursprünglich geplante Jubiläumsfeier zum 25. Geburtstag musste Klein-Langner wegen der Corona-Pandemie absagen. "Das schmerzt uns natürlich sehr, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Im Oktober steht das 35-jährige Jubiläum der Siebold-Gesellschaft an, dann solle umso größer gefeiert werden, so Klein-Langner. Mit Ende des Jubiläumsjahres will sich der 80-Jährige dann nach mehr als drei Jahrzehnten aus dem aktiven Kreis der Siebold-Gesellschaft zurückziehen. "Es ist dann für meine Frau und mich an der Zeit, dieses Baby in die Freiheit zu entlassen. Dann müssen andere ran", meint Klein-Langner.

© BR/ Jochen Wobser

Goldene Buddha-Statue im Siebold-Museum

Philipp Franz von Siebold: Arzt und Naturforscher

Philipp Franz von Siebold ist bekannt als Arzt, Naturforscher und Japan-Reisender. Er studierte in seiner Heimatstadt Würzburg Medizin und ging 1822 als Armeearzt nach Japan – als einer der ersten Europäer, die das bis dahin hermetisch abgeschlossene Inselreich bereisten. Sieben Jahre dauerte der erste Aufenthalt, später folgte eine zweite Japanreise.

Siebold in Japan bekannt

In Japan hat Siebold bis heute einen hohen Bekanntheitsgrad. Dem Würzburger ist in Nagasaki ein bekanntes Museum gewidmet. Siebold führte westliche Wissenschaften und Heilkunst in Japan ein und gilt als ein Mittler der Kulturen. Im Gegenzug brachte Siebold von seinen Expeditionen als erster Europäer Pflanzensamen und Setzlinge von Funkien, Magnolien oder Hortensien mit in die Heimat, ebenso Gegenstände und vor allem ein enormes Wissen über ein bis dato unbekanntes und rätselhaftes Land.

Jährlich tausend Besucher aus Japan

Für japanische Touristen hat sich das Würzburger Siebold-Museum zu einem gewissen Anlaufpunkt entwickelt. Jedes Jahr kommen etwa tausend Japaner ins Museum, laut Klein-Langner vor allem Einzelreisende oder junge Paare. "Die Hoffnung der Anfangsjahre, dass hier Busse voller japanischer Touristen ankommen, hat sich nicht bewahrheitet. Die haben auf ihren Deutschlandreisen zu den touristischen Höhepunkten zu wenig Zeit." Durchschnittlich habe das Museum etwa 5.000 Besucher jährlich. Auch aus Holland, wo es in der Stadt Leiden ein Siebold-Haus gibt, kämen viele Touristen, sagt Klein-Langner.

© BR/ Jochen Wobser

Wolfgang Klein-Langner, Vorsitzender der Siebold-Gesellschaft, im Museum

So kam es überhaupt erst zum Siebold-Museum

Überhaupt möglich gemacht wurde das Museum nur durch eine Spende aus Japan Anfang der 1990er: Klein-Langner kannte den damaligen Schatzmeister der Sasakawa-Stiftung, die für das Projekt eine Summe von einer Million D-Mark zur Verfügung stellte. "Ich dachte damals erst, ich hätte mich verhört, als ich diese Zahl hörte", erinnert sich Klein-Langner. "Für meinen Antrag über die Summe hatte ich mir dann eine Ausrede zurechtgelegt, falls ich wirklich eine Null zuviel angegeben hätte." Als die Fördersumme gesichert war, stellte die Stadt Würzburg die ehemalige Direktionsvilla auf dem Bürgerbräu-Gelände für das Museum zur Verfügung. Die Siebold-Gesellschaft organisierte bei weiteren Spendern in Deutschland und Japan dann weitere Millionen für die umfassende Sanierung des maroden Gebäudes.

Wenige Besucher wegen Corona

Die Corona-Pandemie habe hier zuletzt aber einen deutlichen Einbruch gebracht, der durch einheimische Besucher nicht aufgefangen werde. "Was das einheimische Publikum betrifft, so gilt offenbar immer noch die Einstellung: Da brauche ich nicht hingehen, das ist morgen auch noch da. Da würden wir uns schon über etwas mehr Wertschätzung aus der Heimat freuen", sagt Klein-Langner.

Von der Aufwertung des Bürgerbräu-Areals, das sich in den vergangenen Jahren zu einem Kreativ- und Kulturquartier gewandelt hat, könne das Museum kaum profitieren. Finanziell komme das Museum "über die Runden".

Ehrenamtliche Arbeit, Zuschüsse und Schenkungen

Von der Stadt Würzburg bekommt das Museum einen jährlichen Zuschuss von 35.000 Euro, um die Fixkosten zu decken. Die eigentliche Kulturarbeit stemmt das ehrenamtliche Team der Siebold-Gesellschaft aber alleine: wechselnde Sonderausstellungen, eine durch Schenkungen ständig wachsende Dauerausstellung sowie zahlreiche Veranstaltungen von der Teezeremonie über Holzmasken-Schnitzen bis zu japanischen Konzerten.

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