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Nach dem Wirbel um seine Kritik an der Corona-Politik wollte der Schauspieler im Klinikum Essen arbeiten, um sich dort selbst ein Bild zu machen. Doch Klinikchef Jochen A. Werner lehnte ab: Eine Inszenierung "wie im Bergdoktor" sei "undenkbar".

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Jan Josef Liefers darf doch nicht im Krankenhaus arbeiten

Nach dem Wirbel um seine Kritik an der Corona-Politik wollte der Schauspieler im Klinikum Essen arbeiten, um sich dort selbst ein Bild zu machen. Doch Klinikchef Jochen A. Werner lehnte ab: Eine Inszenierung "wie im Bergdoktor" sei "undenkbar".

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Von
  • Peter Jungblut

Die Aufmerksamkeit war riesengroß, das Echo äußerst geteilt: Rund fünfzig prominente Schauspieler hatten sich im Netz unter #allesdichtmachen zu Wort gemeldet und teils sarkastisch, teils ironisch die Lockdown-Politik aufs Korn genommen. Dafür gab es einen veritablen Shitstorm aus Politik und Medien, Beifall dagegen von Querdenkern und aus der AfD. Die Essener Notärztin Carola Holzner ("Doc Caro") forderte die Schauspieler, darunter Jan Josef Liefers, daraufhin auf, sich mal persönlich ein Bild in den Kliniken zu machen: #allemalneschichtmachen. Der Tatort-Star ließ sich nicht lange bitten und meldete sich prompt "zum Dienst".

Arzt: Liefers kann "bei uns in keiner Schicht mitspielen"

Es sei zwar eine "löbliche Geste" des Schauspielers, so der Essener Mediziner Jochen A. Werner, im Krankenhaus die Zustände auf den Intensivstationen persönlich in Augenschein zu nehmen, doch natürlich werde Liefers "bei uns in keiner Schicht mitspielen": "Eine Schicht ist im Krankenhaus nicht von den Kranken zu trennen, und ich denke, dass sich die Kranken, die sich bei uns in Obhut begeben, nicht in dieses Thema verwickeln lassen wollen. Das gehört sich einfach nicht." Dafür werde der Tatort-Star sicher Verständnis haben: "Wer bis heute nicht begriffen hat, was in Krankenhäusern geleistet wird, der würde es auch ohnehin nicht in einer Schicht feststellen. Für uns ist das definitiv kein Thema."

"Man muss sehr aufpassen, dass Medieninteresse nicht mit Patienteninteresse in Konflikt kommt", so der Leiter der Universitätsklinik im Podcast-Gespräch mit der DUP Plattform für Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Liefers, der als Gerichtsmediziner im Münsteraner "Tatort" populär ist, hatte sich in einem Streitgespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der "Zeit" bereit erklärt, tatsächlich einen Tag in einer Klinik zuzuschauen. Daraus wird jetzt nun wohl nichts, zumindest nicht in Essen.

Gottschalk verteidigt Liefers

Unterdessen hat der Moderator und Entertainer Thomas Gottschalk die Teilnehmer an der umstrittenen Protestaktion #allesdichtmachen verteidigt. In der ARD-Talksendung "maischberger. die woche" sagte er: "Das sind alles ernsthafte Menschen. Da gehört Jan Josef dazu. Dieser Mann wollte das Beste. Der wollte einen Beitrag leisten, dass die Dinge besser werden." Liefers habe sich von offensichtlich anderen Menschen etwas einreden lassen, "was nicht verständlich" gewesen sei. Gottschalk beklagte wie viele andere die Art und Weise, wie in Deutschland öffentliche Diskussionen geführt werden: "Es ist in diesem Lande jede Diskursfähigkeit verloren gegangen. Das ist eine gewisse Tragik."

Ähnlich hatte sich auch der WDR-Intendant Tom Buhrow geäußert und eine "weit verbreitete Gereiztheit" festgestellt, wonach es zu "hasserfüllten Polarisierungen" komme, die dazu führten, dass manche "wirklich die Position des anderen fast vernichten" wollten. Er mache sich große Sorgen und glaube, dass "die Demokratie und auch unser Gemeinwesen dadurch wirklich" litten.

Kritik an Forderung nach Tätigkeitsverbot für Liefers

Der scheidende Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, sagte zu #allesdichtmachen: "Da war nicht alles glücklich an dieser Aktion." Er sah jedoch "überhaupt keinen Anlass", etwa Sanktionen gegen beteiligte Schauspieler zu verhängen, was sich auf die Forderung des WDR-Rundfunkrats Garrelt Duin (SPD) bezog, der per Twitter eine Art Betätigungsverbot für Liefers verlangt hatte. Allerdings hatte Duin diesen Tweet wenige Stunden später zurückgezogen und selbst als unsinnig bezeichnet.

Auch die Initiatoren der "Woche der Meinungsfreiheit", die Anfang Mai beginnt, wandten sich gegen Duins ursprüngliche Forderung, die ARD solle die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Jan Josef Liefers wegen dessen Beteiligung an der umstrittenen Schauspieler-Kampagne #allesdichtmachen einstellen. Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte dazu: "Das ist unfassbar. Hier soll jemand eingeschüchtert werden, weil er seine Meinung gesagt hat." Die Meinungsfreiheit sei überhaupt immer mehr bedroht. Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, nannte das alles "verrückt", die Leiterin des Interkulturellen Zentrums Heidelberg, Jagoda Marinic, wandte sich gegen die Forderung nach "Berufsverboten".

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