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Ist die Erde Spekulationsobjekt oder Allgemeingut? | BR24

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    Ist die Erde Spekulationsobjekt oder Allgemeingut?

    Die Idee der heiligen Muttererde scheint uns heute fremd. Seit dem Industriezeitalter ist die Erde vor allem weltweites Spekulationsobjekt für die billige Gewinnung von Nahrungs- und Futtermitteln. Dabei galt sie lange Zeit als Allgemeingut.

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    'Pacha Mama', also Mutter Welt – so nennt die Bevölkerung der südamerikanischen Anden die personifizierte Erdmutter, die Leben schenkt und ernährt. Die Überreste dieser matriarchalen Kultur findet man noch heute in den Verfassungen von Bolivien und Ecuador, dort ist der Schutz der Erde fest verankert.

    Boden als Allgemeingut

    Jahrtausende lang galt in vielen Kulturen insbesondere der Boden zu den Allgemeingütern. Auch das deutsche Grundgesetzt sieht vor, dass der Boden der Allgemeinheit dienen soll: Christine Thalgott, Honorarprofessorin für Baurecht an der TU München: "Denken wir an das Grundgesetz, Artikel 14: Grund und Boden sind für den Einzelnen zu erwerben, aber sie müssen auch dem Wohl der Allgemeinheit dienen! Eigentum verpflichtet! Dieses Wohl der Allgemeinheit ist jedoch weitgehendst aus dem Fokus geraten."

    Dass der Allgemeinwille möglicherweise nicht immer auch das Beste für die Allgemeinheit will, sieht Eberhard Sening, der seit fast 20 Jahren Ortsvorsitzender des Bund Naturschutz in Dießen am Ammersee ist, als Problem: "Das größte Hindernis sehe ich darin, dass Gemeinden immer bestrebt sind, den sogenannten Wählerwillen umzusetzen, was auch immer darunter verstanden wird."

    Das Problem: Der Wähler ist nicht immer vernünftig, weil er oft nicht in der Lage ist, die Komplexität der Entscheidung zum Beispiel für oder gegen ein neues Einkaufszentrum am Ortsrand zu erfassen. So wird immer mehr Land zur Konsumzone und steht den Pflanzen und Tieren nicht mehr als Lebensraum zur Verfügung.

    "Wir haben es satt" – Der Wunsch nach gesünderen Agrarmodellen

    "Wir werden auf jeden Fall wegkommen müssen von einer extrem auf fossilen Rohstoffen basierenden Landwirtschaft hin zu einer solaren Agrikultur", so die Leiterin des Referats Internationale Agrarpolitik von der Heinrich-Böll-Stiftung, Christine Chemnitz. Geld sei in der EU ausreichend vorhanden, um diesen Prozess zu gestalten, doch bis jetzt werde dieses Geld völlig falsch eingesetzt. Das Prinzip heißt bisher schlicht: Je mehr Land einer hat, desto mehr Geld bekommt er. Dabei geht es vielmehr um die Förderung ökologisch orientierter klein- und mittelständischer Bauernhöfe.

    Doch der Druck auf die Bauernlobby ist in den letzten Jahren immens gewachsen. Viele tausende Menschen sind auf die Straße gegangen, mit Parolen wie: 'Wir haben es satt'. Da wurde deutlich bekundet, dass die Zivilbevölkerung sich ein gesünderes, auf Vielfalt beruhendes Agrarmodell wünscht.

    Aus Sicht von Christine Chemnitz zeigen die Ökobauern seit Jahren, dass man ohne Gentechnik und Pestizide gut zurechtkommen kann und auch immer mehr Menschen bereit sind, dafür einen höheren Preis zu zahlen. Schließlich geht es um die Erhaltung unserer Lebensgrundlage.

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