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Islam in Bayern: Eine Religion kommt aus dem Hinterhof | BR24

© picture-alliance/dpa

Moschee im oberbayerischen Penzberg

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    Islam in Bayern: Eine Religion kommt aus dem Hinterhof

    Muslime gehören spätestens seit der ersten Gastarbeitergeneration fest zu Bayern. In der religiösen Landschaft finden sie jedoch nur schwer Platz. Ihren Glauben leben die meisten Muslime in sogenannten Hinterhofmoscheen. Noch.

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    Lange glaubte niemand, dass die Muslime, die als Gastarbeiter nach Bayern kamen, längerfristig in Deutschland bleiben würden. Deswegen war auch das religiöse Leben der Muslime lange provisorisch. Muslime beteten in Dachgeschossen, Fabrikräumen und Privatwohnungen. Das tun sie teilweise heute noch. Allerdings ist das muslimische Leben in Bayern auch stark in Bewegung. Die muslimische Vielfalt ist groß: Neue Muslime kommen als Studierende, als Flüchtlinge, als Arbeiter. Deutsche konvertieren zum Islam. Sie alle nehmen Einfluss darauf, wie der Islam in Deutschland gelebt wird. Und so verändert sich auch die Moscheenlandschaft ständig.

    Hinterhofmoscheen: unabhängig, aber arm

    © BR/ Nabila Abdel-Aziz

    Mitten im Gewerbegebiet: die bosnische Moschee in Rosenheim

    Einige Moscheen werden von großen sunnitischen Verbänden geprägt, die oft politisch und finanziell vom Ausland abhängig sind. Ein bekannter Verband: DITIB, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, deren Imame von der türkischen Religionsbehörde entsendet und bezahlt werden. Ein großer Teil der bayerischen Moscheen ist hingegen unabhängig - aber dadurch oft finanziell am Rande des Möglichen. Viele sind baufällig und personell unterbesetzt. Beides scheint nicht nachhaltig zu sein. Mit diesem Dilemma mussten sich zahlreiche muslimische Gemeinden in den letzten Jahren beschäftigen. Deshalb hat sich eines seit den 1960er Jahren nicht verändert: Ein Großteil der Moscheen in Deutschland sind noch immer sogenannte Hinterhofmoscheen.

    Ohne Kuppel und ohne Minarett: die bosnische Gemeinde in Rosenheim

    Eine von ihnen steht allerdings nicht in einem Rosenheimer Hinterhof, sondern mitten im Gewerbegebiet. Die Gemeinde ist klein und vereint durch die gemeinsame Ethnie und Sprache, das Bosnische. Die Gemeindemitglieder verstehen sich als Europäer und suchen den Austausch mit dem Rest der Gesellschaft: Sie nehmen am Rosenheimer Friedensmarsch teil, laden Pfarrer zu sich in die Moschee ein, geben eine deutsch-bosnische Zeitschrift heraus. In dieser Gemeinde zeigt sich, was in ganz Bayern im Gange ist, dass sich auch in den kleinen unabhängigen Gemeinden wie der Dzemat Rosenheim etwas verändert. Ältere Gemeindevorsteher werden von jüngeren abgelöst. Und die wollen Dinge anders machen, in der Moschee und im Kontakt mit anderen Religionen in der Nachbarschaft. Aber die Gemeindemitglieder stoßen auch auf die Probleme, mit denen ein Großteil der Moscheen in Deutschland zu tun hat: Das Gewerbegebiet haben sie sich nicht ausgesucht - nur wollte nirgendwo sonst jemand Räume an sie vermieten.

    Beispiel Penzberg: eine Moschee schafft Heimat

    Eine Gemeinde in Bayern, die es aus dem Hinterhof heraus geschafft hat, ist die Moschee im oberbayerischen Penzberg. 1994 taten sich Türken und Bosnier zusammen, um einen Gebetsraum einzurichten. Heute sprechen die Penzberger von „ihrer Moschee“. Und sie ist alles andere als ein Fremdkörper in ihrer Stadt. Bei den meisten öffentlichen Veranstaltungen ist inzwischen nicht nur jeweils ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer dabei, sondern auch der Imam der Gemeinde.

    Islam - versteckt im Hinterhof oder sichtbar im Stadtbild?

    Viele Menschen reagieren auf die versteckten Hinterhofmoscheen mit Skepsis. Aber auch wenn muslimisches Leben im Stadtbild als Moschee sichtbar wird - vielleicht sogar mit Minarett und Kuppel - tritt häufig Widerstand auf. Die bayerischen Muslime haben derzeit viele Herausforderungen zu meistern: Wie können Gemeinden gleichzeitig unabhängig und finanziell gut aufgestellt sein? Wie schafft man Orte, an denen Muslime ein spirituelles Zuhause finden und die gleichzeitig dafür geeignet sind, den Dialog mit dem Rest der Gesellschaft zu befördern? Und was kann gegen extremistische Tendenzen innerhalb der islamischen Community getan werden? Sowie gegen den pauschalen Islam-Hass von Rechten, die das Recht der Muslime auf eigene Gotteshäuser grundsätzlich hinterfragen? "Klassische" Islamverbände verlieren an Einfluss, neue Arten des muslimischen Gemeindelebens entwickeln sich: In welche Richtung es geht, ist noch nicht klar. Aber in zehn Jahren wird vieles anders sein.

    Die ganze Sendung können Sie hier im Podcast anhören.

    Sendung

    Evangelische Perspektiven

    Autor
    • Nabila Abdel Aziz
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