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Isabelle Huppert ist "Eine Frau mit berauschenden Talenten" | BR24

© Audio: BR / Bild: Neue Visionen Filmverleih

Isabelle Huppert überzeugt in "Eine Frau mit berauschenden Talenten" von Jean-Paul Salomé.

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Isabelle Huppert ist "Eine Frau mit berauschenden Talenten"

Eine Dolmetscherin bei der Pariser Polizei, die eine Drogenfracht an sich bringt, um ihre Finanznöten zu beenden: Der Film von Jean-Paul Salomé bleibt hinter der Buchvorlage zurück, der Kinobesuch lohnt sich trotzdem – wegen Isabelle Huppert.

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Von Gemüse ist die Rede. Von "sieben Kilo" sprechen die Araber, von "herausragender Ware". Patience Portefeuille übersetzt ein von der Pariser Polizei abgehörtes und mitgeschnittenes Gespräch zwischen zwei Dealern. Das ist ihr Job. Die schmächtige, aber energische Frau in den Fünfzigern spricht Arabisch und ist immer mit dabei – bei Verhören, bei Abhöraktionen, auch bei Hausdurchsuchungen und Festnahmen.

Routine der Polizeiarbeit

Während Autorin Hannelore Cayre in dem Ende letzten Jahres erschienenen Bestsellerroman mit dem Titel "Die Alte" das gesamte Leben der Übersetzerin mit feinster Ironie schildert, setzt der Film mit dem arg beliebigen deutschen Titel "Eine Frau mit berauschenden Talenten" eher auf die Darstellung der Polizeiarbeit. Gleich zu Beginn ist Patience Portefeuille bei einer Hausdurchsuchung mit dabei, versucht, sich zwischen den martialisch wirkenden Einsatzkräften des Sonderkommandos eine Schutzweste überzuziehen – und wird dann, als zwei Straftäter überwältigt sind, in die Wohnung geholt. Auf Arabisch erklärt sie ihnen, sie würden jetzt wegen Drogenhandels festgenommen.

Isabelle Huppert spielt mit feinsten Nuancen

Der Film von Jean-Paul Salomé lebt von seiner Hauptdarstellerin mit ihren berauschenden Talenten. Isabelle Huppert spielt die an der Polizeiarbeit und überhaupt am Leben zweifelnde Frau mit feinsten Nuancen – dolmetscht mit seltsam glasigen Blick, greift sich mit der Hand kurz an den Nacken, als wäre sie verspannt, wirkt abwesend, um sich dann gleich wieder mit einem Ruck ins Geschehen einzubringen. Man ist bei und mit ihr, wenn sie schließlich beim Übersetzen ein paar Informationen unterschlägt – und dann eine wertvolle Fracht, die ein paar Dealer auf dem Weg von Spanien nach Paris überstürzt verstecken mussten, mit Hilfe eines alten Drogenhundes und ihrer Chuzpe selbst aufspürt.

Patience Portefeuille schafft die Beute in den Keller ihrer Mietwohnung und vertickt sie schließlich. Sie kennt die Netzwerke und weiß auch, wie man der polizeilichen Beobachtung entgeht. Dabei ist sie nicht gierig oder maßlos: Sie muss ein kurzfristiges Finanzloch stopfen, möchte ihren Lebensabend etwas angenehmer gestalten und ihren beiden Töchtern etwas hinterlassen können.

Schwaches Drehbuch, große Hauptdarstellerin

Es wird viel gesprochen in diesem Film, der in seiner Umsetzung eher wie ein Fernsehformat als wie großes Kino wirkt. Brave Krimiunterhaltung, der ein komplexes oder gar aufregendes visuelles Konzept fehlt. Es gibt kaum Szenen, in denen die Schauplätze frei atmen können, präsent werden, in denen man jenseits von Klischees etwas erfährt über arabische Lebensbereiche oder über die Chinesen, die in Paris still und leise alles aufkaufen.

Patience Portefeuille wohnt zur Miete in einem Haus, das der mysteriösen Madame Fo gehört. Die bleibt, anders als in der Vorlage, eine Randfigur. Gern erinnert man sich an die fantastisch präzise beschriebenen Milieus des Romans, das Drehbuch wirkt dagegen wie ein müder Abklatsch. Zwar hat die Autorin Hannelore Cayre an ihm mitgeschrieben, konnte aber offenbar nicht viel retten. Wer das Buch kennt, wird vermutlich enttäuscht sein von "Der Frau mit den berauschenden Talenten" – allein Isabelle Huppert lohnt den Kinobesuch.

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