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US-Politfilm "Irresistible": Wilde Wahlschlacht in Wisconsin | BR24

© Bild: Daniel McFadden / Audio: BR

Eine Bürgermeisterwahl in Wisconsin erweckt erst die Aufmerksamkeit eines demokratischen Top-Campaigners und dann der ganzen USA. Jon Stewarts Polit-Satire "Irresistible - Unwiderstehlich".

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US-Politfilm "Irresistible": Wilde Wahlschlacht in Wisconsin

Wenn das keine schöne Filmidee ist: Die Propaganda-Apparate von Demokraten und Republikanern gehen mal nicht in Washington aufeinander los, sondern bei einer Egal-Wahl in der Provinz. Unaufregend-sympathische Politsatire - mit unerwartetem Ausgang.

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Gemächlich erzählt ist dieser Film, ihm haftet etwas angenehm Nostalgisches an. Das monierten manche der amerikanischen Kritiker und gaben "Irresistible" keine besonders guten Bewertungen. Und ja, damit treffen sie schon einen Punkt, denn tatsächlich verlieren Regie und Montage manchmal den Rhythmus.

Andererseits, und das wird dabei übersehen, nähert sich der Film auf sehr vergnügliche und einfühlsame Weise dem ländlichen Amerika, das in Sachen Lebensgefühl nun mal ein deutlich langsameres Tempo vorgibt als all die wilden Großstädte.

Vor Wahlen ergibt es natürlich Sinn, dorthin zu blicken, wo – so heißt es immer wieder – das eigentliche Herz Amerikas schlägt. Etwa in Wisconsin, dem Bundesstaat, der zu den 13 notorischen Swing States gerechnet wird, jener Gruppe von Staaten, die nicht eindeutig demokratisch oder republikanisch wählen. Mal so, mal anders.

Vietnam-Veteran, Christ – und Demokrat

In "Irresistible" nun hat der Top-Stratege des demokratischen Nationalkomitees, Gary Zimmer (Steve Carell) zufällig ein Handy-Video gesehen, in dem der Farmer Jack Hastings (augenzwinkernd minimalistisch dargestellt von Chris Cooper) vor einer Gemeindeversammlung für die Rechte der illegalen Arbeiter seiner Stadt eintritt. Flammend spricht er von Solidarität und Menschlichkeit.

Der Wahlkampfmanager informiert sich kurz und stellt fest: Jack Hastings hat in Vietnam gekämpft, er ist ein verwitweter Farmer, dazu noch Christ – und damit das Idealbild eines klassischen Konservativen. Mit ziemlicher Sicherheit also ein Wähler der Republikaner. Wenn man diesen Mann jetzt für die Demokraten gewinnen könnte, würde das in einem Swing State vielleicht den Ausschlag geben und den Wahlsieg sichern. Das flache Land wird bei den nächsten Wahlen entscheidend sein.

In dem Städtchen Deerlaken, das seit Menschengedenken republikanisch wählt, soll Jack Hastings nun also als demokratischer Kandidat für das Bürgermeisteramt kandidieren. Der Amtsinhaber, ein Republikaner, hält dagegen. Dieses politische Duell genießt bald das Aufsehen der gesamten Nation. Es gibt Debatten, vor Ort richten die Parteien immer größere Wahlkampfbüros ein.

© Daniel McFadden

Die US-Politik, das große Haifischbecken - selbst in Deerlaken, Wisconsin

Unauffälliger Stil, freundliche Grundhaltung

„Irresistible - Unwiderstehlich“ ist nach dem Journalisten-Drama „Rosewater“ Jon Stewarts zweite Regiearbeit. Der ehemalige „Daily Show“-Moderator und Kult-Kabarettist ist keiner, der formal auffällig arbeitet. Sein Stil hat etwas Fernsehhaftes, aber Personal und Dialoge sind gut und die Schauspieler weiß Stewart inspiriert zu führen. Der Film will nicht als ätzende Satire gefallen, sondern sympathisiert mit seinen Protagonisten, auch mit den Politprofis. Stewart verzichtet auf billige Lacher und entwickelt tatsächlich ein Gefühl dafür, wie das Land tickt und eben auch wählen könnte.

Ergänzt wird das mit ironischen Seitenblicken auf die Mechanismen des Politbetriebs und die gefährliche neue Rolle der sozialen Medien. Dass die sogenannten Provinzler viel schlauer sind als gedacht, bestimmt dann den abenteuerlichen Twist am Ende. Wer die Wahl tatsächlich gewinnt, sei hier nicht verraten. Der kleine Ort Deerlaken profitiert auf alle Fälle.

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