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Versuch in Dresden: Open Air auf Abstand

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    "Irrational": Open-Air-Branche tadelt Bayerns Öffnungs-Strategie

    Maximal 250 Zuschauer sollen im Freistaat an Freiluft-Events teilnehmen dürfen, wenn es die regionale Inzidenz erlaubt. Die Branche hält das für nicht "verhältnismäßig", spricht von einem "Keil zwischen den Kulturgenres".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Bittere und ironische Worte vom Verband für Popkultur in Bayern: Er spricht von einer "Öffnungsirrationalität" der bayerischen Staatsregierung und schreibt in einer Stellungnahme am Dienstag: "Eine Ungleichbehandlung beim Restart-Konzept der Politik lässt Kulturveranstaltende für Sommer-Open-Airs im Regen stehen." Das Kabinett hatte unmittelbar zuvor beschlossen, dass ab kommendem Freitag Theater- und Kinovorführungen unter freiem Himmel möglich sind, falls die regionale Inzidenz unter 100 liegt. Allerdings sollen nicht mehr als 250 Zuschauer teilnehmen dürfen.

    Auf welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen diese Regel beruhe, erläuterten die zuständigen Minister nicht, beschweren sich die Veranstalter und verweisen darauf, dass in bayerischen Staatstheatern teilweise deutlich mehr Publikum zugelassen sei: "Wir hoffen nicht, dass dieses Konzept auf Vorurteilen zwischen Hochkultur und Gemeinkultur basiert. Sollte allen Ernstes jemand glauben, dass sich 500 getestete Menschen bei einer Freiluftaufführung des Kabarettisten Wolfgang Krebs vor einer Bühne weniger diszipliniert verhalten würden, als 700 Konzertbesucher in der Staatsoper?" Das sei nicht "verhältnismäßig", so der Verband.

    Planungszeit für Open Airs wird knapp

    Wenn 250 Personen nach wissenschaftlichen Kriterien das Maximum darstellten, solle dies für alle gelten: "Die jetzige Regelung treibt einen Keil zwischen die Kulturgenres." Das Kunstministerium sei "bedauerlicher Weise" für einen "konstruktiven Dialog" nicht zu gewinnen gewesen. Da Open Airs lange Vorlaufzeiten benötigten, werde es eng: "Liefert die Politik ein faires und ausgewogenes Konzept erst dann, wenn es für die tragfähige Umsetzung Herbst oder Winter wird?"

    Ihre Fans fordern die Festivals dazu auf, sich schnellstmöglich impfen zu lassen. Nur so sei rasch eine "Herdenimmunität" erreichbar: "Was die Kultur im Moment nicht braucht, sind Irrationalität und Bevorzugungen, wie sie von der Politik gerade abgeliefert wurden."

    Kunstminister: "Vorsichtige, aber konsequente Schritte"

    Bayerns Kunstminister Bernd Sibler sprach dagegen in einer Pressemitteilung von "echten Perspektiven" für die Kultur im Freien und sagte dem BR zur Kritik der Veranstalter: "Ich begrüße es natürlich sehr, dass Kulturverbände ihre Mitglieder zum Impfen aufrufen. Impfungen sind ein nachhaltiges Mittel, um der Pandemie wirkungsvoll entgegenzutreten und uns einen Weg zurück zur Normalität zu ebnen. Die Bayerische Staatsregierung hatte und hat die Kunst und Kultur bei den Öffnungsmaßnahmen fest im Blick."

    Nächstes Ziel müsse die Erhöhung der Zuschauerzahlen sein." Ein "Rahmenhygienekonzept" werde derzeit erarbeitet und "in Kürze" veröffentlicht: "Als mit die ersten in Deutschland haben wir kulturelle Veranstaltungen in Innenbereichen wieder ermöglicht. Mit dem heutigen Ministerratsbeschluss sind nun auch Kulturveranstaltungen im Freien wieder möglich. Wir gehen bei den Öffnungen vorsichtige, aber konsequente Schritte. Bei einer weiterhin positiven Entwicklung der Infektionszahlen werden auch weitere Öffnungsschritte möglich sein."

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