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Wiederauferstehung des Soul: Das neue Album von Aaron Frazer | BR24

© Audio: BR / Bild: Alysse Gafkjen (http://aaronfrazermusic.com)

Die Wiederauferstehung des Souls von und mit Aaron Frazer.

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Wiederauferstehung des Soul: Das neue Album von Aaron Frazer

Bekannt geworden ist Aaron Frazer als Schlagzeuger, Sänger und Songschreiber der amerikanischen Retro-Soul-Band Durand Jones & The Indications. Jetzt hat er ein fantastisches Soloalbum veröffentlicht, produziert von Dan Auerbach von den Black Keys.

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Von
  • Bernhard Jugel

Würde man einen Musikexperten raten lassen, aus welcher Zeit das neue Album von Aaron Frazer stammen könnte, würde er wahrscheinlich auf die frühen 1970er und vielleicht auf verschollene Aufnahmen von Curtis Mayfield tippen – wegen der virtuosen Falsettstimme und der lässigen Funk-Arrangements mit Flöte und Hammondorgel.

In Wirklichkeit läutet das Album "Introducing… Aaron Frazer" das Pop-Jahr 2021 ein und schließt bei genauerem Hinhören trotz vieler nostalgischer Klänge immer wieder auch an die Gegenwart an.

Soul als Seelenbalsam in schwierigen Zeiten

Soul war ja schon immer Seelenbalsam in schwierigen Zeiten. Von daher kommt das Soloalbum von Aaron Frazer inmitten der zweiten Welle der Corona-Pandemie genau zur rechten Zeit. Die Songs trösten in der Not und feiern die Macht der Liebe, sie erzählen aber auch von Drogenmissbrauch ("Done Lyin'") und Trennungsschmerz ("Can't Leave It Alone").

Dan Auerbach, als Sänger und Gitarrist der Black Keys zu internationalem Ruhm gekommen und mittlerweile einer der gefragtesten Produzenten der US-Indie-Szene, war von Aaron Frazer schon bei der ersten Begegnung begeistert: "Er ist unglaublich talentiert. Wie kann man nur gleichzeitig so toll Schlagzeug spielen und singen?!", so der Produzent. Überhaupt liebe er Falsettgesang: "Das hat etwas so Verletzliches an sich."

Studioband mit lebenden Legenden

Dan Auerback hat die zwölf Songs des Albums in nur einer Woche in seinem Studio in Nashville aufgenommen, mit Aaron Frazer als Leadsänger und Schlagzeuger und einer extra zusammengestellten Studioband mit Musikern aus dem Umfeld des Retro-Soul-Labels Daptone und Mitgliedern der legendären "Memphis Boys", die früher mit Aretha Franklin oder Dusty Springfield aufgenommen haben.

Auerbach selbst war als Gitarrist an den Sessions beteiligt und steuert gelegentlich backing vocals bei. "Die Musiker hatten nie vorher in dieser Besetzung zusammengespielt," so Dan Auerbach, "deswegen hört sich alles recht frisch an. Ich wollte kein bloßes Retro-Album mit Aaron machen, es sollte sein Ding werden, sollte einen eigenen Klang haben."

Revival von Soul und Funk

Dan Auerbach scheint derzeit so etwas wie ein Mentor für Aaron Frazer zu sein. Er hat alle Songs zusammen mit ihm geschrieben und für einzelne Lieder auch noch erfahrene Songwriter der alten Schule mit ins Boot geholt – etwa den schon 80-jährigen Lawrence Russel Brown, Autor von Nummer-1-Hits wie "Knock Three Times" oder "Tie a Yellow Ribbon Round the Ole Oak Tree", hier an der wunderschönen Midtempo-Ballade "You Don’t Wanna Be My Baby" beteiligt.

Trotz der Kollaborationen sind die Songs von Aaron Frazer sehr persönlich, spiegeln tief empfundene Gefühle und eine meist positive Weltsicht: "Viele dieser Lieder sind geprägt von meiner gegenwärtigen Beziehung," sagt Aaron Frazer, "der besten und solidesten, die ich je hatte." Sein Soloalbum wäre allerdings mit 'solide' nur sehr unzureichend beschrieben. Es ist ein bunter Strauß überraschend abwechslungsreicher Songs – mal bluesig und balladesk, mal quirlig und überschwänglich: ein grandioses Debüt, das Soul und Funk im Pop-Jahr 2021 zu neuer Aufmerksamkeit verhelfen wird.

"Introducing… Aaron Frazer" ist bei Dead Oceans / Cargo Records erschienen.

© Cover: Aaron Frazer / Collage: BR

Das Cover des neuen Albums von Aaron Frazer

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