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Was bringt der interreligiöse Dialog? | BR24

© Jens Schulze

Im Dialog

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    Was bringt der interreligiöse Dialog?

    Interreligiöser Dialog: Laut der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, ist er ein Präventionsmittel gegen gesellschaftliche Spaltung. Zusammen mit der Eugen-Biser-Stiftung organisierte sie eine Digitalkonferenz dazu.

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    Es sind die regionalen Projekte, die aufhorchen lassen. Wie die Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück: Christliche, muslimische und jüdische Kinder sollen sich beim gemeinsamen Lernen gegenseitig ihre Religionen näherbringen. Das Experiment funktioniert offenbar, die Schule ist so gefragt, dass sie auch schon Anmeldungen abweisen musste. Oder, ein weiteres Beispiel: das Projekt Religionen für biologische Vielfalt in Darmstadt. Interreligiöse Naturschutz-Teams schwärmen aus und tun Gutes für die Umwelt. Projektreferentin Johanna Hessemer sagt: "Der große Profit dabei ist, dass alle an dem gleichen Ziel zusammen arbeiten. Und dadurch treten erst mal im ersten Moment die Unterschiede zwischen den Religionen in den Hintergrund. Und man kann sich schön auf die Gemeinsamkeiten fokussieren. Dann hat man auch weniger Streitthemen, wenn man so sieht okay, wir sind ja gar nicht so unterschiedlich. Und so kann man sich so ganz vorsichtig an den anderen erst einmal annähern, Freundschaften knüpfen und dann weiter darauf aufbauen."

    Kein Bogen um die schwierigen Themen

    Dieses und andere Projekte wurden heute auf der Dialog-Werkstatt vorgestellt. Am virtuellen Tisch saßen eine evangelische Bischöfin, ein katholischer Bischof, der Islamratsvorsitzende und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Es war nicht so, dass man um die schwierigen Themen einen Bogen machte. Es wurde durchaus Klartext geredet, zum Beispiel von Burhan Kesici, Vorsitzender des Islamrats für Deutschland: "Bei uns ist es so, dass wir eine Bandbreite von theologischen Ansichten haben. Und da macht das manchmal keinen Spaß, wenn man sich für die theologische Ansicht eines anderen rechtfertigen muss. Zweitens ist es so, dass wir den Dialog nicht als eine Mission ansehen, wo wir den anderen von unserer Religion überzeugen müssen. Es geht darum, dass man Standpunkte darlegt und vor allem, dass man versucht, den anderen zu verstehen."

    Der Unterschied zwischen dem Islam und extremistischen Strömungen

    Allerdings gibt es in jeder Religion Menschen, die das nicht wollen. Und dafür sogar töten – wie jüngst in Dresden, Wien und Nizza geschehen. Professor Elisabeth Naurath, evangelische Professorin für Religionspädagogik und ebenfalls Teilnehmerin der Dialog-Werkstatt, ist eine klare Unterscheidung wichtig: "Meines Erachtens müssen wir überhaupt keine Angst vor dem Islam haben. Aber wir müssten Angst vor Islamismus haben. Das heißt vor fundamentalistischen Gruppierungen, die sich fälschlicherweise dem Islam zuordnen. Denn der Islam ist eine friedliche Religion und jede Bewegung oder Strömung, die mit Gewalt arbeitet, die mit Hass und Terroranschlägen arbeitet, gehört nicht zu dieser Religion. Und das haben auch führende Vertreter des Islam immer wieder bestätigt. Und so ist auch meine Erfahrung. Aber das sind sozusagen einzelne Gruppierungen, die im Prinzip theologisch überhaupt nichts mit dem Islam zu tun haben."

    Die Begegnung zwischen den Religionen ist heute in Deutschland Alltag

    Diese Unterscheidung schafft aber nicht jeder. Bleibt also die Frage, wie man Menschen für den interreligiösen Dialog gewinnt, die bislang nicht einmal in dessen Nähe gekommen sind und auch nicht kommen wollten. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz: "Ich gebe es nie auf, Orte der Begegnung zu suchen und sie zu finden. Wenn Sie sich unsere Schulen anschauen, dann können wir heute nicht mehr sagen, man begegnet niemandem, der eine andere Religion als das Christentum hat. Wir begegnen uns einander viel häufiger, als wir das vielleicht wahrnehmen und wahrhaben wollen. Und das sind auch nicht nur Dialoge auf einer sehr elitären Ebene, sondern es sind Begegnungen vor Ort."

    Also – nicht aufgeben und vor Ort aktiv werden. Wie die Drei-Religionen-Schule in Osnabrück oder das Projekt Religionen für biologische Vielfalt in Darmstadt.