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Interreligiöse Solidarität nach dem Anschlag von Halle | BR24

© dpa-Bildfunk

10.10.2019, Sachsen-Anhalt, Halle: Ein Mann mit einer Israel-Flagge vor der Synagoge.

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    Interreligiöse Solidarität nach dem Anschlag von Halle

    Nach dem antisemitischen Anschlag in Halle kommen heute verschiedene Religionen in München zu einem Friedensgebet zusammen. Christliche und muslimische Vertreter verurteilten den Angriff und bekundeten Mitgefühl und Solidarität.

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    Vor der Synagoge am St.-Jakobs-Platz in München findet heute Abend ein Friedensgebet statt - es steht ganz im Zeichen des antisemitischen Anschlags von Halle. Veranstaltet wird es vom Rat der Religionen in München, dem alle christlichen Kirchen, die israelitische Kultusgemeinde und verschiedene muslimische Verbände angehören. Quer durch alle Glaubensgemeinschaften ist das Entsetzen über den Angriff auf die Synagoge in Halle groß.

    Entsetzen und Sorge

    Charlotte Knobloch spricht von einem Angriff auf das "Zusammenleben in unserem Land". Der Anschlag mit zwei Todesopfern erfülle sie mit "Trauer und Wut", schreibt die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern in einer Mitteilung. Und sie macht die AfD für den Anschlag mitverantwortlich, die "solchen Exzessen mit ihrer Unkultur von Hass und Aufhetzung den Boden bereitet" habe. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zeigte sich entsetzt über die Tat und erhob zugleich schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Dass die Synagoge in Halle an Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, sei skandalös. "Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt."

    Betroffenheit bei Kirchenvertretern und Muslimen

    Christen dürften nicht zulassen, dass Juden ihren Glauben in Angst und Unsicherheit leben müssen, sagte der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

    Seine Solidarität bekundete auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Schriftlich erklärte er: "Wir sind den Juden in unserem Land, unseren Schwestern und Brüdern, gerade in diesen Stunden eng im Gebet verbunden."

    Ihr Mitgefühl und ihre Betroffenheit bekundeten auch viele muslimische Vertreter. Der Penzberger Imam Benjamin Idriz forderte mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus: "Wenn am höchsten jüdischen Feiertag ein Terrorist versucht, in eine Synagoge in Deutschland einzudringen, muss uns das alle noch viel mehr zusammenschweißen", sagt Idriz. Umer Mahik, der für die Ahmadiyya-Gemeinschaft als Imam Leipzig, Erfurt, Dresden und Zwickau betreut, verurteilte auf Twitter die Tat scharf. Auch Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime zeigte sich auf dem Kurznachrichtendienst "tief schockiert".

    Friedensgebet in München als Zeichen für Frieden und Verständigung

    Das bereits seit langem geplante Friedensgebet, das heute Abend vor der Synagoge in München stattfinden soll, bekommt durch die Anschläge von Halle besondere Bedeutung. Juden, Christen, Muslime, Aleviten, Buddhisten und Bahai stehen gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben der Religionen. Einer der Veranstalter vom "Rat der Religionen" sagte: Der Angriff auf eine Synagoge zeige die Notwendigkeit, "dass wir uns für Verständigung einsetzen und für Frieden beten".