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Interreligiöse Allianz stellt Werte-Charta vor | BR24

© dpa/ picture alliance

Die Sheikh Zayed Grand Mosque in Abu Dhabi: Scheich Abdallah Bin Bayyah initiierte hier das "Forum für Frieden in muslimischen Gesellschaften".

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    Interreligiöse Allianz stellt Werte-Charta vor

    Eine Allianz verschiedenster Weltanschauungen will den interreligiösen Austausch fördern. Mit einer Charta will sie sich bei der UN unter anderem dafür einsetzen, dass muslimisch geprägte Länder Religionsfreiheit praktizieren und schützen.

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    Imam Abdullah hält in der Moschee seines Heimatdorfs gerade das Mittagsgebet, als er draußen Schreie hört. Er tritt vor die Tür und sieht, wie Christen, die im selben Dorf wohnen, um ihr Leben rennen. Kämpfer der islamischen Terror-Miliz Boko Haram verfolgen sie. Der Imam bietet den 262 Christen spontan Schutz in seiner Moschee an. Als die Terroristen sie wenig später stürmen wollen, stellt sich der Imam ihnen in den Weg und sagte: "Wenn ihr diese Christen töten wollt, müsst ihr mich zuerst töten." Die Terroristen ziehen ab.

    Minister Yeni Osinbajo berichtet aus seiner Heimat Nigeria: Dort leben Christen und Muslime seit vielen Generationen friedlich zusammen. Doch in jüngster Zeit terrorisieren islamistische Attentäter die Bevölkerung. Sie versuchen, die Religionen gegeneinander auszuspielen und das Volk zu spalten, klagt der Nigerianer.

    Extremismus und Aggression entgegenwirken

    Minister Osinbajo und Imam Abdullah sprachen im Dezember 2019 in den Arabischen Emiraten in Abu Dhabi beim "Forum für Frieden in muslimischen Gesellschaften", das vom islamischen Gelehrten Scheich Abdallah Bin Bayyah initiiert worden war. Das Forum, zu dem rund 1.000 Gäste gekommen waren, lud zu einer historischen Sitzung nach Abu Dhabi ein, bei der Vertreter der Weltreligionen ihre Charta offiziell unterzeichneten.

    Das Dokument, das bei der UNO eingereicht werden soll, besiegelt ihre Absicht, Menschenwürde und Gewissensfreiheit, Toleranz und Solidarität künftig gemeinsam zu fördern und für diesen Zweck eine Allianz der Religionen zu gründen.

    "Es gibt viele Werte, die nicht nur die drei abrahamitischen Religionen verbinden, sondern alle Religionen und sogar nichtreligiöse Menschen." - Scheich Abdallah Bin Bayyah, Initiator des Forums zur Förderung des Friedens in muslimischen Gesellschaften

    Religiös Verantwortliche sollen sich für Frieden einsetzen

    Die Charta soll die Grundlage der Allianz bilden. Darin wird Krieg abgelehnt, Konflikte sollen friedlich gelöst werden, religiös Verantwortliche hätten die Pflicht, sich für Frieden einzusetzen, mit anderen Religionen zu kooperieren und jeder Form von Extremismus und Aggression entgegenzuwirken.

    Die Arabischen Emirate erklärten außerdem das Jahr 2019 zum "Jahr der Toleranz". Dabei wurde Nicht-muslimischen Glaubensgemeinschaften besondere Aufmerksamkeit zuteil. Im Februar 2019 besuchte Papst Franziskus die Emirate und feierte in Abu Dhabi die Messe. Vor ein paar Jahren wäre dieser Besuch noch undenkbar gewesen, meint der katholische Bischof von Abu Dhabi, Paul Hinder.

    "Toleranz bedeutet, den Glauben des jeweils anderen gesetzlich zu schützen und kulturell zu respektieren. Unterschiede sollte man als Bereicherung sehen und nicht als Anlass für Streit." - Charta der Allianz der Werte

    Staat muss Religionsfreiheit aller halten und verteidigen

    Es gehöre zur Verantwortung eines Staates, die Vielfalt der Religionen und die Religionsfreiheit seiner Bürger zu verteidigen. Nur so könne er alle Bürger gleich behandeln, heißt es in der Charta.

    Während Religionsfreiheit in manchen orientalischen Ländern noch ein Traum ist, gilt sie im Europa des 21. Jahrhunderts weithin als selbstverständlich. Doch das war nicht immer so. Religionskriege zwischen den christlichen Konfessionen haben in Europa in der Vergangenheit Hunderttausende Opfer gefordert.