BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Intendant Claus Peymann attackiert Berliner Kulturpolitik | BR24

© DPA

Kämpferischer Claus Peymann

Per Mail sharen

    Intendant Claus Peymann attackiert Berliner Kulturpolitik

    "Es bleibt nichts mehr" kommentierte der Chef des traditionsreichen Berliner Ensembles die Kulturpolitik des Berliner Senats. Bürgermeister Michael Müller (SPD) müsse "jetzt handeln", um "soziale Härtefälle" zu verhindern. Von Peter Jungblut.

    Per Mail sharen

    Grund für Claus Peymanns Wutanfall ist der bevorstehende Intendantenwechsel am Berliner Ensemble. Die frühere Wirkungsstätte von Bertolt Brecht wird ab der nächsten Saison von Oliver Reese geleitet, dem bisherigen Intendanten am Schauspiel Frankfurt. Der dann 80-jährige Peymann geht im Sommer 2017 in den Ruhestand.

    Normalerweise nehmen Intendanten, die das Haus wechseln, zahlreiche Mitarbeiter mit. Diese Möglichkeit hat Peymann nicht. Rund 70 Beschäftigte sollen nicht weiter beschäftigt werden, darunter rund 35 Schauspieler. Das sei nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine "soziale Frage", so Peymann. Müller habe einen "kulturpolitischen Trümmerhaufen" angerichtet.

    "Würdelos" und "skandalös"?

    Die Berliner Kulturverwaltung teilte mit, derartige Nichtverlängerungen von Arbeitsverträgen seien "absolut üblich", insbesondere nach langen Amtszeiten. Claus Peymann kam 1999 ans Berliner Ensemble. Andes als die meisten anderen deutschen Theater gehört das Haus nicht zum "Deutschen Bühnenverein", was die Position der Beschäftigten schwächt. Der Umgang mit den Mitarbeitern sei "würdelos" und "skandalös", so Peymann.

    "Ich verlange, dass der Regierende Bürgermeister in seiner Funktion als Sozialdemokrat und Kultursenator dafür sorgt, dass diese Leute nicht kaputtgemacht werden." Claus Peymann

    Die Luft brennt

    In der Berliner Kulturpolitik brennt seit längerem die Luft: Der designierte Chef der Volksbühne, Chris Dercon, ist hoch umstritten und wird von Teilen der Belegschaft abgelehnt. Der bisherige Intendant Frank Castorf äußert sich vor seinem Vertragsende ähnlich kämpferisch wie Claus Peymann und sparte nicht mit Kritik am Senat. Auch um die Berufung von Sasha Waltz an die Spitze des Berliner Staatsballetts 2019 gibt es Krach: Die Tänzer protestierten gegen sie, bereits 4.000 Kulturinteressierte zeigten sich solidarisch.