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Große Begeisterung über die Akustik des neuen Münchner Konzertsaals: Klangexperte Yasuhisa Toyota ist hingerissen, Chefdirigent Valery Gergiev schwärmt vom leisen Rauschen der Isar. Am 8. Oktober soll das Haus feierlich eröffnet werden.

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"Insel der Glückseligen": So klingt die neue Isarphilharmonie

Große Begeisterung über die Akustik des neuen Münchner Konzertsaals: Klangexperte Yasuhisa Toyota ist hingerissen, Chefdirigent Valery Gergiev schwärmt vom leisen Rauschen der Isar. Am 8. Oktober soll das Haus feierlich eröffnet werden.

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Von
  • Peter Jungblut

Er wolle sein Gefühl in einem Wort ausdrücken, so der japanische Akustiker Yasuhisa Toyota nach der allerersten Ton-Probe der Münchner Philharmoniker im neuen Saal: "Ich war so glücklich!" Zwar gebe es immer noch ein paar Kleinigkeiten zu verbessern, so der weltweit gefragte Fachmann auf die Frage des BR, aber insgesamt sei alles nahezu perfekt: "Das ist ein längerer Prozess, den wir gerade erst begonnen haben, aber grundsätzlich sind wir rundherum zufrieden." Und Toyota muss es wissen, schließlich hat er seit 1975 Erfahrung mit erstklassigen Sälen, darunter dem Musikzentrum von Helsinki, dem Konzerthaus in Kopenhagen, der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und der Suntory Hall in Tokio.

"Niemand sitzt zu weit weg"

Ähnlich begeistert zeigte sich Chefdirigent Valery Gergiev: "In schwierigen Zeiten wurde dieses Projekt nicht abgebrochen, sondern erfolgreich abgeschlossen, obwohl viele nicht so richtig daran glaubten." Was die Akustik betreffe, sei er nach seinem ersten Eindruck ausgesprochen zufrieden. Die Orchesteraufstellung wurde drei, vier Mal verändert, bis alle Beteiligten die beste Lösung gefunden hätten: "Niemand unter den Musikern sitzt zu weit weg vom Geschehen, selbst wenn wir ein sehr großes Orchester mit Musik von Gustav Mahler oder Schostakowitsch haben."

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Valery Gergiev (links), Akustiker Yasuhisa Toyota, Gasteig-Chef Max Wagner

Er sei tief beeindruckt vom Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, so Gergiev, weil der sein Wort gehalten und niemals an dem Vorhaben gezweifelt habe. In seinen dreißig Berufsjahren habe er an vielen Konzerthaus-Eröffnungen teilgenommen, so der Maestro: "Ich bin sehr stolz, dass wir in München nun ein derart bequemes Haus bekommen haben, in dem wir uns heimisch fühlen können. Und ich glaube, dieses Gefühl hatten wir eine Minute, nachdem wir begonnen hatten zu spielen." Das geschehe in der Welt nicht so häufig, schon gar nicht 2021.

"Eine wahre Insel der Schönheit"

Er habe vier, fünf Örtlichkeiten für den neuen Konzertsaal in München besichtigt, so Gergiev, aber ihm sei sofort klar gewesen, dass nur der jetzige Standort unweit der Isar im Münchner Süden in Frage komme: "So nah am Fluss, so nah an der Natur, dass Sie das Wasser plätschern hören können, das ist ein großes Glück und eine Wohltat. Ich hoffe, die Musikliebhaber kommen nicht nur hier hin, um ein Konzert zu besuchen, sondern auch, um die Natur zu genießen." Es gebe so viele schöne Orte in München, aber dieser sei voller "Schönheit, Luxus, Aufmunterung", eine wahre "Insel". Das sei der Unterschied zu Konzertsälen zwischen irgendwelchen Büro- oder Industriegebäuden.

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Noch viel Arbeit im Foyer

Solo-Klarinettistin Alexandra Gruber sagte, das Orchester sei auf einer wahren "Insel der Glückseligen" mit dem neuen Saal: "Es war für uns unglaublich, in weniger als drei Jahren vom ersten Strich auf dem Papier bis zum Einzug in diesen Saal, das ist unfassbar." Am gestrigen Nachmittag habe es bei der ersten Probe förmlich "geschnackelt", genauso müsse die Aufstellung sein, die Gergiev mit den Kollegen gefunden habe: "Es klang warm, transparent, wie Kammermusik im großen Saal. Das ist ein Luxus, den wir unglaublich zu schätzen wissen." Und auf die etwas verfängliche Frage vom BR, ob die Akustik besser sei als im viel kritisierten Gasteig-Kulturzentrum, antwortet Gruber diplomatisch: "Es ist anders. Man hört sich natürlich besser, man sitzt komprimierter."

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Noch ist nicht alles fertig

Die Musikfans wird im neuen Saal wenig ablenken: Weil die Wände schwarz getäfelt sind und auch sonst wenig bis gar kein Zierrat zu sehen ist, richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit automatisch auf das Geschehen auf dem Podium. Der erste Raumeindruck ist rundum positiv: Ein in jeder Hinsicht zweckmäßiger, aber keineswegs "nüchterner" Bau. Was überzeugt: Die Übersichtlichkeit, die klare Raumaufteilung, der Verzicht auf Spielereien und modische Accessoires. Vor allem will diese Isarphilharmonie nicht demonstrativ Zeichen setzen, wie etwa die Hamburger Elbphilharmonie. Wer an der Isar entlangschlendert, könnte sie beim Blick zwischen den Bäumen glatt übersehen. Vielleicht ist es diese harmonische Einbeziehung in die Natur, die Gergiev so schwärmerisch lobte.

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Blick vom Orchester in den Saal

Etwa 1.800 Zuschauer werden Platz finden, wenn das Gebäude am 8. Oktober eröffnet wird. Die Öffentlichkeit wird einen Tag später erstmals Gelegenheit haben, den Klang der Isarphilharmonie zu überprüfen, bei einem Konzert mit Werken von Ludwig van Beethoven, Maurice Rabel, Henri Dutilleux und des französischen Organisten Thierry Escaich. Letzterer hat ein Auftragswerk komponiert, "Arising Dances". Die Insider werden übrigens künftig wohl von "HP8" sprechen, wenn sie den neuen Konzertsaal meinen: Hans-Preißinger-Straße 8.

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Glückliches Orchester

Im künftigen Foyer allerdings und auch backstage sieht noch nicht alles so aus, als ob in zwei Wochen die Gäste kommen könnten: Dort hängen die Kabel aus der Decke, der Boden ist noch voller Stolperfallen, aber Baufachleute haben ja dafür einen ganz anderen Blick als Laien. Und selbst, wenn bis zur Eröffnung rundherum noch vieles in Arbeit sein sollte und auf den Außenanlagen die Bagger fahren, das wird die Begeisterung der Klassikfans wohl kaum schmälern, denn im Saal selbst scheint tatsächlich alles weitgehend fertig zu sein.

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