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© Staatstheater Nürnberg/Ludwig Olah
Bildrechte: Staatstheater Nürnberg/Ludwig Olah

Das Orchester der Staatsphilharmonie Nürnberg will klimaneutral werden. Das spiegelt sich auch im Programm. Unterstützt von Joana Mallwitz

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Initiative Staatsphilharmonie Nürnberg wird CO2 neutral

Bis 2040 soll Bayern klimaneutral werden. Die Musikerinnen und Musiker der Staatsphilharmonie Nürnberg tragen dazu schon ihren Teil bei: Sie haben eine Initiative gegründet, um CO2 neutral zu werden – und nehmen dabei ihr Publikum mit.

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Von
  • Anja Bühling
  • Simone Schülein

Bilanzieren, Reduzieren und Kompensieren – das sind die drei Schritte mit denen die Initiative "Das Staatstheater Nürnberg wird CO2 neutral" ihr Ziel angeht. Musikerinnen und Musiker des Orchesters haben die Initiative ergriffen. Zum einen, weil ihnen das Thema Klimawandel auf den Nägeln brennt, wie einer der Initiatoren, der Bass-Klarinettist Martin Möhler, im BR-Interview erzählt. Zum anderen, weil die Künstler in der Corona-Zeit mit einer gähnenden Leere konfrontiert waren, die sie auch dank der Initiative aktiv und sinnstiftend überbrücken konnten.

Anstehende Opernhaus-Sanierung "ein Glücksfall"

Zunächst wurden die CO2-Emissionen des Orchesters genau analysiert. Etwa die Emissionen bei den Arbeitswegen und Reisen, in der Kantine und im Opernhaus selbst. Dabei wurde deutlich, dass das Gebäude mit Beleuchtung, Klimatisierung und all seiner Technik einer der größten Emissions-Faktoren ist. Deshalb wollen sich die Musikerinnen und Musiker mit Unterstützung der Theaterleitung spartenübergreifend zu einer Nachhaltigkeits AG zusammentun und so auch bei der anstehenden Sanierung des Hauses gemeinsam Ideen einbringen, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Insofern sei die anstehende Sanierung ein Glücksfall, so Möhler, weil man noch Ideen einbringen könne, die über das nötige Minimum hinausgingen.

Unterstützung für vier Projektpartner aus dem Klimaschutz

Weil aber nicht alle Emissionen reduziert werden können, haben sich die Künstler dazu entschlossen, zu kompensieren. Dazu haben sie sich vier völlig unterschiedliche Projekte als Partner ausgesucht, die sich mit Klimaschutz befassen. Mit ihnen kooperieren sie, fördern sie öffentlichkeitswirksam und bringen sie auch auf die Bühne: ein Wiederbewaldungsprojekt in Pegnitz; eine Organisation, die sich um die Wiedervernässung von Mooren kümmert; den Bodenfruchtbarkeitsfonds der Biostiftung der Schweiz, der um den Bodensee aktiv ist; ein Ofenmacher-Projekt in Nepal, bei dem es darum geht, offene Feuerstellen in Häusern durch gesündere und CO2-ärmere Öfen zu ersetzen.

© BR/Schülein, Simone
Bildrechte: dpa-Bildfunk

Klimaschutz im Kulturbetrieb: Wie die Nürnberger Staatsphilharmonie CO2-neutral werden will. Bayern 2-Moderatorin Simone Schülein spricht mit dem Bassklarinettisten und Initiatoren Martin Möhler von der Staatsoper Nürnberg.

Unterstützung vom Förderverein und von Joana Mallwitz

Die Initiative wurde aus dem Orchester heraus ins Leben gerufen und auch alle Kompensationszahlungen werden von den Musikerinnen und Musikern getragen, wobei sie sehr vom Förderverein des Orchesters unterstützt werden. Von Anfang an hat auch Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz das Projekt gefördert. Sie habe wie ein "Katalysator und Dünger gewirkt, um im Bild zu bleiben", sagt Möhler und habe eine unglaubliche Reichweite für die Initiative geschaffen. "Da haben wir gemerkt, dass wir tatsächlich etwas bewirken können, und das hat uns immer weiter beflügelt."

Auftaktveranstaltung "Wenn Musik auf fruchtbaren Boden fällt"

Am Montag, den 26. Juli, ab 19.30 Uhr, kommt es nun im Opernhaus zur Auftaktveranstaltung der Initiative. Das Konzert steht unter dem Titel: "Wenn Musik auf fruchtbaren Boden fällt". Mit an Bord ist der Bodenfruchtbarkeitsfonds der Biostiftung der Schweiz. Der beschäftigt sich mit Humusanreicherung und Bewahrung von Ackerböden rund um den Bodensee. Humusboden sei der größte terrestrische CO2 Speicher, so Möhler, und dass solche Informationen nicht allen bekannt seien, dessen sei sich das Orchester bewusst.

Ein Abend mit dem Sound des Bodens und Beethoven

An dem Abend gibt es viel Ungewohntes bei einem Konzert: Neben kurzen Impulsbeiträgen zu dem Thema, wollen die Musizierenden "den Boden hörbar machen". Und zwar mit Geräuschen und Musik eines Projekts von Sounding Soil, die Mikrofone in den Boden stecken: "Dann können wir tatsächlich die Unterschiede hören: Wie hört sich ein lebendiger Boden an aus einer Biolandwirtschaft und wie hört sich ein Boden einer konventionellen Landwirtschaft an", verspricht Musiker Möhler.

Außerdem will das Orchester das Experiment wagen, gemeinsam so einen singenden, klingenden Boden entstehen zu lassen. Abgerundet soll der Abend mit Beethovens 6. Sinfonie in Kammermusikfassung "Die Ankunft auf dem Lande" werden. Möhler freut sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen auf jeden Fall auf das Neuland und das Experiment und auf viele Zuschauer, die sich dem Experiment stellen.

Künstlerische Schützenhilfe für den Klimaschutz

Weitere Abende mit den Partnern sollen folgen. So ist für Februar ein Konzert mit dem Moorprojekt in Planung. "Hier holen wir uns den Gruselfaktor sozusagen auf die Bühne“, kündigt Möhler an. Das Kammerkonzert findet für den Förderverein der Freunde der Staatsphilharmonie statt und neben Musik sind Lesungen, eine Ausstellung des Bund Naturschutzes aus Feucht sowie ein Vortrag geplant. Denn zum Ansatz der Initiative gehört nicht nur das Orchester klimaneutral umzubauen, sondern auch seine Reichweite dazu zu nutzen, für den Klimaschutz in all seinen Facetten beim Publikum – künstlerisch – zu werben.

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