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Katholische Kooperation: Wer hat, dem wird gegeben | BR24

© BR / Simon Berninger

Katholiken in Indien

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    Katholische Kooperation: Wer hat, dem wird gegeben

    Im Nordosten Indiens hat die katholische Kirche viele Priester, aber wenig Geld. In Deutschland ist es andersherum. Es hat sich etabliert: Ein in Deutschland tätiger indischer Priester gibt einen Teil seines Gehalts an sein Heimatbistum ab.

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    Sie sind eine absolute Minderheit in einem mehrheitlich hinduistischen Land – die Katholiken in Indien. Und doch kann der Süden des Subkontinents auf eine lange christliche Tradition zurückblicken: Immerhin soll der Apostel Thomas in der Kathedrale von Chennai am Golf von Bengalen im Süden Indiens begraben liegen.

    Missionar aus Bamberg brachte Christentum nach Nordindien

    In den Nordosten des Landes kam der Katholizismus hingegen erst im 19. Jahrhundert – dank eines Missionars aus dem Erzbistum Bamberg. Sein Name: Otto Hopfenmüller. "Er war ein sehr begabter Mensch", erzählt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. "Er hat in kürzester Zeit die liturgischen Texte in die hiesige Sprache übersetzt. Bamberg hat als Diözese hier in der Erzdiözese Shillong schon immer geholfen, zum Beispiel beim Ausbau des Seminars mit finanziellen Mitteln."

    Gemeint ist das Oriens College, das gemeinsame Priesterseminar der 15 Diözesen in Indiens Nordosten. Dort hat der Bamberger Erzbischof im Februar Station gemacht bei einer gemeinsamen Reise mit dem katholischen Hilfswerk Missio München. Im wirtschaftlich hinterherhinkenden Nordosten von Indien sind die Katholiken auf finanzielle Hilfe kirchlicher Hilfswerke und ausländischer Bistümer angewiesen. Bislang zeigen sich die reicheren Bistümer des Südens nicht solidarisch mit den jungen Diözesen des Nordostens.

    Geldmangel – aber Priesterüberfluss

    Von der finanziellen Hilfe, die aus deutschen Kirchenkreisen nach Indien fließt, kann die Kirche aber auch hierzulande profitieren. Denn während die katholische Kirche in Indien mit Geldnöten zu kämpfen hat, kann sie sich über steigende Priesterzahlen freuen. Und gerade der Priester-Nachwuchs lässt in den deutschen Diözesen zu wünschen übrig. Eine Win-win-Situation?

    Im Oriens College bereiten sich derzeit 86 Seminaristen auf den Priesterberuf vor. Diese seien aber für die heimische Kirche, sagt Regens Kuriakose Poovathumkudy, Leiter des Priesterseminars: "Wir konzentrieren uns ganz auf die hiesigen Bedingungen und bereiten die Seminaristen auf einen Dienst in unseren Diözesen vor. Deshalb ist die Arbeit außerhalb von Indien auch kein Thema im Seminar."

    Indische Priester geben Teil des Gehalts an ihren Bischof

    Stattdessen liegt der Fokus etwa auf einem Priesterleben in katholisch gewordenen Stammesvölkern. Mancher indische Bischof verzichtet aber auch im Nordosten Indiens gerne auf den einen oder anderen seiner Priester. Für die Bischöfe zahlt sich das nämlich aus: In der Regel gibt jeder Priester, der von Indien nach Deutschland geht, einen Teil seines Gehalts an seinen Heimatbischof ab. So auch in Bamberg, sagt Erzbischof Ludwig Schick: "Wir zahlen die Gehälter entsprechend unseren Gehaltstabellen. Und die hierher kommenden Priester geben zehn Prozent oder 15 Prozent davon an ihre Diözesen ab."

    Weltmissionssonntag im Oktober

    Die Kirche in Indien mag zwar allmählich personell besser aufgestellt sein – finanziell sieht es ganz anders aus. Deshalb steht der Nord-Osten Indiens im Oktober auch im Mittelpunkt des Weltmissionssonntags. Die Kirche dort ist auf Hilfswerke wie Missio oder Unterstützung aus dem Vatikan angewiesen.

    Da kommt es manchem indischen Bischof freilich gelegen, wenn er dank der Abgaben eines entsandten Priesters den einen oder anderen Zugewinn erhält.