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© NDR/O-Young Kwon
Bildrechte: NDR/O-Young Kwon

Drehstart: NDR-Tatort "Schattenleben": 17 Prozent der an diesem Film beteiligten Menschen sind BIPoC.

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    "Inclusion Rider" sorgt bei NDR-Tatort für Vielfalt

    "Längst überfällig" findet Tatort-Regisseurin Mia Spengler den Beschluss, in der Unterhaltungsbranche verbindlich für mehr Diversität zu sorgen. Das garantiert jetzt auch hierzulande der "Inclusion Rider", eine Vertragsklausel nach Hollywood-Vorbild.

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    Von
    • Iris Buchheim

    "Alle unsere Kinderbücher handelten von Leuten, die völlig anders waren als wir. Sie waren blond und weiß und lebten in Häusern mit Bäumen drumherum und hatten Hunde, die Spot hießen", erinnert sich Audre Lorde in ihrer Autobiografie "Zami" und ergänzt: "Ich kannte solche Leute ebenso wenig, wie ich Leute kannte, die wie Aschenputtel waren und in Schlössern wohnten." Die 1934 in Harlem, New York City von karibischen Immigranten geborene US-Amerikanerin wird auch hierzulande gerade als große feministische Rassismus-Kritikerin wiederentdeckt. Und das ist kein Zufall.

    Vieles von dem, was Audre Lorde als Schwarze in New York vor und nach der Bürgerrechtsbewegung erlebte und zu Gehör brachte, erleben etliche Deutsche immer noch, hier und jetzt: Nämlich die fast 25 Prozent der Bevölkerung, die einen sogenanntem Migrationshintergrund haben und meist anders wohnen, anders sprechen, anders essen, anderes spielen und anders feiern als die Durchschnittsdeutschen. Aber all das Andere gibt's bislang nur selten zu sehen, zu lesen und zu hören. Das ändert sich gerade. Viele öffentliche Institutionen und Medien setzen alles daran, diverser zu werden, um das, was in unserer Gesellschaft längst Realität ist, angemessen zu spiegeln.

    Der Inclusion-Rider erstmals beim NDR

    Auch der NDR setzt nach Aussage von Fernsehfilmchef Christian Granderath schon "seit vielen Jahren auf Diversität vor der Kamera", generell auf Pluralität. Und so ist der NDR jetzt die erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, die einen "Inclusion Rider" zum Vertragsbestandteil macht. Das ist eine aus der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie stammende Klausel, durch die sich die Produzenten eines Films zur größtmöglichen Vielfalt verpflichten. Den Schauspielerinnen und Schauspielern wird so versichert, dass in dem Film Frauen und Minderheiten ausreichend repräsentiert werden. Die Initiative, den "Inclusion Rider" bei dem geplanten Tatort "Schattenleben" anzuwenden, kam von von Regisseurin Mia Spengler.

    "Die Entscheidung für einen Inclusion Rider von mir und vielen meiner Kolleginnen und Kollegen soll zeigen, dass auch wir als Kreative Verantwortung übernehmen, unsere Branche chancengerecht, inklusiv und pluralistisch zu gestalten. Eine längst überfällige Bewegung", sagt Spengler. So sind 17 Prozent der an diesem "Tatort" beteiligten Menschen BIPoC, also Black, Indigenous und People of Color. 65 Prozent der Headpositionen sind weiblich besetzt.

    Spengler inszeniert den neuen Fall des NDR "Tatort"-Teams nach einem Buch von Nachwuchsautorin Lena Fakler (Nordlichter: "Am Ende der Worte") noch bis zum 27. Mai in Hamburg. Hinter der Kamera steht Zamarin Wahdat, deren Team 2020 einen Oscar für den besten Dokumentar-Kurzfilm erhielt. Das Erste zeigt den "Tatort: Schattenleben" voraussichtlich im Frühjahr 2022.

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