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Was Maria Lassnig und Martin Kippenberger miteinander verbindet | BR24

© Bayern 2

Von Künstlern und ihrem Körpergefühl handelt die neue Ausstellung "Body Check" im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses. Sie bringt die Arbeiten von Maria Lassnig und Martin Kippenberger zusammen. Zweien, die sich ähnlicher waren, als man denkt.

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Was Maria Lassnig und Martin Kippenberger miteinander verbindet

Von Künstlern und ihrem Körpergefühl handelt die neue Ausstellung "Body Check" im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses. Sie bringt die Arbeiten von Maria Lassnig und Martin Kippenberger zusammen. Zweien, die sich ähnlicher waren, als man denkt.

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Sie haben sich wahrscheinlich nie getroffen. Nie miteinander geredet, obwohl sich ihre Lebenswege zeitweise berührt haben – in Berlin zum Beispiel. Und doch gehen die Gemeinsamkeiten im Werk von Maria Lassnig und von Martin Kippenberger weit über den Titel gebenden "Body Check" hinaus, die Tendenz, über Körperdarstellungen, mit vielen Selbstporträts die künstlerische Befindlichkeit darzustellen. Maria Lassnig sagte zu diesem Verfahren: "Wenn man aufs Körpergefühl achtet, dann muss man sich von Erinnerungen, von der Außenwelt abtrennen, total. Und außerdem ändert sich ja ein Körpergefühl von Sekunde zu Sekunde und von Minute zu Minute und so weiter. Man muss sich überhaupt entschließen, was man da auswählt. Da müsste man wieder eine Erinnerung einschalten."

Mit Humor gegen die Kunstwelt

Bei Martin Kippenberger sprechen die Bilder weniger von einem Weg nach innen, in die eigene Psyche, sondern ganz buchstäblich von seiner Auseinandersetzung mit der Kunstwelt und der Gesellschaft. Veit Loers, ehemaliger Museumsdirektor und jetzt Kurator der Ausstellung "Body Check" im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses, begleitete den Künstler durch seine ganze Karriere, er sagt: "Gerade bei Kippenberger geht es auch um das Schlagen nach außen: Auf die Umwelt, auf die Kunstszene einprügeln. Das ist eigentlich immer noch mit enthalten."

Bei beiden geschieht das mit viel Humor. Maria Lassnig malt sich nackt schwimmend: Über Wasser prostet sie sich selbst mit einem Glas Wein zu, während unter der Wasseroberfläche ein Fisch ihr kräftig in die Wade beißt. Die Kunstwelt ist eben ein Haifischbecken. Oder ihr großartiges Gemälde "Füße" von 1989. Sie blickt von oben auf ihre nackten Zehen und ihre rote Hose.

© Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München/ Maria Lassnig Stiftung

Maria Lassnig: Die Lebensqualität, 2001

Und dann greifen in Strichen skizzierte Hände von außen nach den Füßen, wodurch eine Art "Körperraum" entsteht, ein Volumen der Selbstempfindung: "Wie die Welt aussieht, das sehe ich ja. Aber die Weltsituation kommt hinein ins Bild, nicht als Knochenzugabe", erklärt Maria Lassnig. Und weiter: "Natürlich muss man vergessen, was man schon gesehen hat. Außer man nimmt das dann hinein, was man von sich selber auch sieht: Von der Nasenspitze ab sehe ich das Knie und die Finger und die Fußspitzen. Das kann ich dann auch hineinnehmen in das Bild, was ich sehe."

1992 zeigt sich Kippenberger als nackter 100-Meter-Läufer in Startposition. Wenn man genau hinsieht, befindet sich sein auf dem Boden ruhendes rechtes Knie links vom linken Fuß. Wenn er so loslaufen würde, wäre ein Sturz unumgänglich. Für Veit Loers ist auch das hochsymbolisch: "Kippenberger war überhaupt kein Sportler. Das ist fast schon Ironie, dass er sich dann da zeigt. Aber er startet ja eigentlich in die Kunst hinein."

Extrovertiert vs. Introvertiert

Kippenberger und Lassnig betrachteten die Werke des/der Anderen aus Äquidistanz. Mal übernimmt er ein besonders schreiendes Orange von der Österreicherin. Mal aquarelliert sie 1998 nach Kippenbergers frühem Tod "Ich bin der Nachahmer meiner Epigonen": Zwei Künstlerkörper auf einer Wippe, aber beide immerhin weit über der Stadt und hoch über den Bergen. Ein später Triumph der 34 Jahre älteren Frau über einen auch am lebenslangen Exzess verstorbenen Kollegen.

"Kippenberger sah ja auch zehn Jahre älter aus", sagt Kurator Veit Loers. Er selbst kannte Maria Lassnig zu ihren Lebzeiten bis 2014 nur flüchtig. Jetzt ist ihm beim Hängen der Bilder der entscheidende Unterschied des "Body Checks" der beiden Künstler sofort aufgefallen: "Kippenberger hat schon viel geguckt. Da ist er ganz anders als Maria Lassnig, die sich auch ihre Sachen holt, aber dann ganz konzentriert und in sich hineinkriecht. Die sind einfach da anders. Der eine ist extrovertiert, die andere mehr introvertiert."

© BR / Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München/ Maria Lassnig Stiftung

Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung "Body Check" Gemälde von Maria Lassnig und Martin Kippenberger. Ihr Thema: Die Beschäftigung mit dem eigenen, unperfekten Körper.

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Autor
  • Stefan Mekiska
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