Erstmals nach zweijähriger Pandemie-Pause findet in diesem Jahr wieder der Further Drachenstich statt.

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In Furth im Wald ist wieder Drachenstich-Zeit

In Furth im Wald ist wieder Drachenstich-Zeit

Zwei Jahre lang musste Furth im Wald auf ihren traditionsreichen Drachenstich verzichten. Er war wegen der Pandemie 2020 und 2021 ausgefallen. Heuer gibt es das Festspiel wieder, ganz nach dem Stadtmotto "Furth lebt, solange der Drache stirbt".

Erstmals nach zweijähriger Pandemie-Pause findet in diesem Jahr wieder der Further Drachenstich statt.

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Der Stadtplatz ist umgebaut zur großen Drachenstich-Arena für 1400 Besucher pro Vorstellung. Sie erleben engagierte Laienspieler vom Kind bis zum Greis in phantasievollen Kostümen, bewundern galoppierende Pferde und als Hauptattraktion den fast 16 Meter langen und 11 Tonnen schweren Festspiel-Drachen. Wenn er Feuer spuckt, die Flügel auf 12 Meter ausspannt und markerschütternd brüllt, vergisst man, dass es nur ein "Schreitroboter" ist, der größte der Welt allerdings, und eine absolute Einzelanfertigung.

Immer wieder siegt das Gute

Aber immer am Ende des Stücks stirbt der Further Drache, Inbegriff des Kriegs und des Bösen. Denn der tapfere Further Ritter ersticht ihn – eine 500 Jahre alte Tradition, ohne die Furth im Wald nicht denkbar ist. Alle sind froh, dass die zweijährige Pandemiepause endlich vorbei ist: "Der hat mir so sehr gefehlt", sagt eine Further Bürgerin, "als ich jetzt den Drachen wiedergesehen habe, kamen mir die Tränen."

Keine Corona-Regeln mehr fürs Publikum

Weder Maske noch Test – für die Zuschauer gelten keine Corona-Regeln mehr. Bühne und Sitzreihen sind komplett unter freiem Himmel. Ein paar mehr Vorsichtsmaßnahmen gelten für die mehr als 350 Laienspieler und Helfer. In der Kostümkammer und hinter der Bühne stehen Desinfektionsspender. Jeder behält sein Kostüm nach der Ausgabe die ganze Spielzeit zuhause. Jeder Schauspieler bekommt auch ein eigenes Ansteckmikro. Hinter der Bühne wird Abstand gewahrt und auch beim Schminken gelten besondere Regeln:

"Jeder Spieler hat einen Beutel mit Namen, wo für jeden ein eigener Kajal und Lippenstift drin sind", erklärt Anita Schwägerl, Schneiderin und Maskenbildnerin, "Wir benutzen flüssige Make-Ups, die wir auf unserem Handrücken auftragen, dort aufnehmen und die Leute damit schminken." Nach jeder geschminkten Person desinfiziert sie sich die Hände.

Fast alle Rollen sind doppelbesetzt

Die Hauptrollen beim Drachenstich waren früher schon doppelt besetzt. Seit ein paar Jahren sind es auch viele kleinere Rollen - ganz einfach deshalb, weil die Festspielzeit fast drei Wochen dauert und immer mal ein Spieler krank werden kann. Das bewährt sich jetzt. Falls ein Spieler wegen einer Corona-Infektion ausfallen würde, gibt es Ersatz.

Bürgermeister Sandro Bauer optimistisch

"Wir hatten in den letzten vier bis sechs Wochen eine größere Welle an Infektionen, mich selber hat es im Mai erwischt. Von daher mache ich mir keine großen Sorgen. Es wird in Gottesnamen schon nicht die ganze Gruppe ausfallen." Der Bürgermeister spielt übrigens seit Jahren selbst mit, in der Hauptrolle des "Chamerauers", eines Bösewichts.

Zwei Jahre auf Einsatz gewartet

Besondere Rollen sind Ritterin und Ritter. Sie werden jedes Jahr neu aus den jungen Furthern ausgewählt. Es gilt als große Ehre, diese Rollen zu bekommen. Stefanie Decker, 29 Jahre, Mittelschul-Lehrerin, wartet pandemiebedingt seit ihrer Wahl 2019 auf ihren Einsatz. Sie findet es jetzt ein "Wahnsinnsgefühl", endlich auf der Bühne zu stehen.

Ihr Ritter Simon Fischer, 29, Betriebsleiter in einer Baufirma, hat das Glück, die Rolle, die man sonst nur einmal im Leben spielen darf, ein zweites Mal zu bekommen. Er war schon 2017 Ritter und springt heuer für den eigentlich gewählten Ritter ein, der aus privaten Gründen abgesagt hat, weil er Vater wurde.

Fünfte Jahreszeit in Furth

Rund um das Drachenstich-Festspiel findet heuer wieder alles statt wie immer. Furth im Wald feiert seine fünfte Jahreszeit. Am 13. August wird das Further Volksfest mit Bierzelt und Vergnügungspark eröffnet. Am 14. August zieht der berühmte historische Festzug durch die Stadt, mit Musikgruppen, 200 Pferden, mit dem Drachen und 1200 Mitwirkenden in bunten mittelalterlichen Gewändern.

  • Zum Artikel: "Kulturerbe: Sieg über das Böse beim Further Drachenstich"

Volksfest, Kinder-Drachenstich, Festzug und Cave Gladium

Die Besonderheit heuer: Die Ritterin fährt in einem Prunkwagen mit zehn wunderschönen Tigerschecken-Pferden. Am 20. August dürfen die Further Kinder ihren eigenen Kinder-Drachenstich mit Mini-Drachen aufführen und in den Straßen wird für alle kleinen Besucher ein historisches Kinderfest gefeiert mit zahlreichen Mitmachstationen für Ritter und Burgfräulein. Außerdem schlägt vom 19. bis 21. August wieder das große Mittelalterlager "Cave Gladium" seine Zelte und Buden auf – für alle erwachsenen Mittelalterfans.

500 Jahre – "das älteste Volksschauspiel Deutschlands"

Ursprung des Drachenstichs waren szenische Aufführungen der Legende vom Heiligen Georg, der den Lindwurm und damit das Böse ersticht. Sie waren seit der Gegenreformation in vielen katholischen Regionen anschaulicher Bestandteil der Fronleichnamsprozessionen. Später wurde der barocke Brauch, der immer mehr zur Volksbelustigung verkam, verboten. Aber Furth im Wald hielt daran fest.

In Furth haben Festspiele Tradition

Als es im 19. Jahrhundert auch dem Further Pfarrer zu bunt und derb wurde, machten die Further 1879 ein eigenständiges weltliches Festspiel aus dem Drachenstechen und verlegten es in den Sommer. Es gab verschiedene Schauspielversionen, in den letzten Jahrzehnten immer mit den Hussitenkriegen als historischem Hintergrund.

Drachen im Museum

Seit 2006 gibt es ein neues, deutlich opulenteres Stück. Der Drache wurde über die Jahrhunderte immer wieder gegen einen neuen ausgewechselt. Einige der alten Ungeheuer kann man in der Further Drachenhöhle, einem kleinen Museum, bewundern. Der jetzige High-Tech-Drache wurde 2010 vom Elektronikunternehmen Zollner in Zandt entwickelt und gebaut.

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