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Immer weniger Kirchenasyl: Zu hohe Belastung für Gemeinden? | BR24

© BR/ Julia Mumelter

Die Himmelfahrtskirche in München Sendling

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    Immer weniger Kirchenasyl: Zu hohe Belastung für Gemeinden?

    Rund 100 Menschen sind derzeit in Bayern im Kirchenasyl. Doch Kirchenasyl ist seit dem Sommer für Gemeinden eine echte Belastungsprobe geworden. Denn für sogenannte „Dublin Fälle“ kann der Aufenthalt im Kirchenasyl bis zu 18 Monate dauern.

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    Seit einem Beschluss der Innenministerkonferenz im August 2018 gibt es neue Regeln für das Kirchenasyl: Für sogenannte "Dublin Fälle", also Flüchtlinge, die über andere EU-Länder nach Deutschland gekommen sind und deshalb in Deutschland kein Bleiberecht haben, kann der Aufenthalt im Kirchenasyl bis zu 18 Monate dauern – statt wie bisher sechs Monate.

    Belastungsprobe für Kirchengemeinden

    Die neue Regelung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird zu einer Belastungsprobe diejenigen Kirchengemeinden, die Asyl gewähren, so wie die Himmelfahrtskirche im Münchner Stadtteil Sendling. Hier befinden sich zurzeit zwei Frauen Kirchenasyl.

    Uwe Hagenberg, der Beauftragte für Kirchenasyl in der Himmelfahrtskirche Sendling, sieht auch die Asylsuchenden in einer neuen Situation: "Es ist ein kleines Zimmer mit Stockbett, das wir für die beiden Frauen haben, die sich nicht kennen und trotzdem miteinander auskommen müssen. Das ist dann schon eine Herausforderung für 18 Monate."

    Auch für die Gemeinde selbst hat das Folgen, so Uwe Hagenberg: "Die Zahl der Menschen, die wir unterstützen können, wird drastisch weniger durch die Neuregelung." Dennoch will man hier, in der Münchner Himmelfahrtskirche, weiterhin Hilfesuchenden Schutz gewähren.

    Notfalls gerichtliche Schritte gegen Neuregelung

    Das BAMF sieht diese Entwicklung positiv. So heißt es in einer schriftlich Stellungnahme auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks: "Die Evaluierung der Entwicklung der Kirchenasylfälle in den letzten Jahren ergab, dass eine Änderung der Praxis notwendig ist, damit Sinn und Zweck des vereinbarten Verfahrens erreicht werden. (…) in bestimmten Fallkonstellationen ist die 18-monatige Überstellungsfrist zugrunde zu legen."

    Stephan Theo Reichel, Geschäftsführer des Kirchenasyl-Vereins "matteo", will gegen die Neuregelung notfalls auch gerichtlich vorgehen: "Wir üben jetzt auch politischen Druck aufs BAMF aus. Diese Regelung wird nicht haltbar sein. Trotzdem hat es schon dazu geführt, dass die Kirchenasylplätze eher zurück gehen, weil die Leute die Regelung missverstehen und denken, sie müssten das jetzt immer so machen und sagen, sie können 18 Monate nicht leisten."

    Reichel fordert, die Kirchengemeinden sollten sich nicht abschrecken lassen und weiter Kirchenasyl gewähren.

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    • Julia Mumelter
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