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Goethe, Knigge, Herder: Die Namen klingen unverdächtig. Anders als der Orden, dem die großen Denker angehörten, der Bund der Illuminaten. Gegründet wurden die Illuminaten in Ingolstadt. Doch ihr Orden bestand gerade einmal acht Jahre.

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Gegründet in Bayern: Der Geheimbund der Illuminaten

Goethe, Knigge, Herder: Die Namen klingen unverdächtig. Anders als der Orden, dem die großen Denker angehörten, der Bund der Illuminaten. Gegründet wurden die Illuminaten in Ingolstadt. Doch ihr Orden bestand gerade einmal acht Jahre.

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Die Illuminaten sind heute wohl jedem ein Begriff, egal ob er oder sie den gleichnamigen Bestseller von Dan Brown gelesen hat oder nicht. Und auch wenn es viele erstaunt: Der Orden existierte gerade einmal acht Jahre.

Woran liegt es, dass der Geheimbund trotzdem immer noch eine ungebrochene Faszination ausübt?

Ordensgründung 1776 in Ingolstadt

Gegründet wurden die Illuminaten im bayerischen Ingolstadt, sagt Beatrix Schönewald. Die Historikerin leitet das dortige Stadtarchiv. Vor einigen Jahren hat sie sich intensiv mit dem Orden befasst, weil sie im Ingolstädter Stadtmuseum eine Ausstellung über die Illuminaten konzipierte.

Gegründet wurde der Orden vom Juristen und Philosophen Adam Weishaupt 1776. Seine Ideen klingen für moderne Ohren unverfänglich: "Mit Bildung den Menschen zu seinem Besten zu fördern", erklärt Schönewald. "Und das Aufbrechen dieses Bildungssystems hin zu einem freien Willen: Darin war das Neue - aber auch das Schwierige."

Illuminaten im Zeichen der Aufklärung

Es war eine Zeit des Umbruchs, in der die Illuminaten auftraten – ganz im Sinne der Aufklärung, die unter der Berufung auf Verstand und Bildung bestehende Obrigkeitsstrukturen revolutionieren wollte. Daher auch der Name Illuminaten: die Erleuchteten. Weishaupt selbst schrieb:

"Wer also allgemeine Aufklärung verbreitet, verschafft zugleich eben dadurch allgemeine wechselseitige Sicherheit, und allgemeine Aufklärung und Sicherheit machen Fürsten und Staaten entbehrlich. Oder wozu braucht man sie sodann?" Adam Weishaupt, Gründer der Illuminaten

Bayerischer Kurfürst verbietet Geheimbund

Für den damaligen bayerischen Kurfürsten Karl Theodor war das zu viel – per Dekret verbot er die Illuminaten nach nur acht Jahren. Die Mitglieder zogen sich jedoch nicht in den Untergrund zurück, sagt Beatrix Schönewald: "Das Dasein als Orden war beendet, denn die Verfolgung gerade in Bayern war sehr streng."

Ab 1800 gab es den Illuminaten-Eid, mit dem jeder Beamte schwören musste, dass er nicht dem Orden angehört hatte. Doch der Same war gepflanzt und wirkte fort. Mit der just ausgebrochenen Französischen Revolution zeigte sich, dass sich die Aufklärung eben doch durchsetzen sollte - zumindest in Deutschland. Denn in Amerika, wo man Angst vor den Ausläufern der Französischen Revolution hatte, gab es einen idealen Nährboden für Verschwörungstheorien.

Illuminati-Verschwörungstheorien aus Amerika

"Alles Mögliche wurde plötzlich in einen Topf geschmissen und obendrüber der Button Illuminaten geklebt", erzählt der Literaturwissenschaftler Wolfram Frietsch, der sich in einem Buch mit dem Illuminaten-Orden befasst. Und das fasziniere im 21. Jahrhundert wieder auf ganz neue Weise, sagt der Autor, vielleicht mehr denn je, da Verschwörungstheorien wieder hoch im Kurs stehen.

"Dan Brown ist einfach Fantasie"

Mit Dan Browns "Illuminati", worin ein fiktives Ordensmitglied den Vatikan mit einer Antimaterie-Bombe in die Luft sprengen will, haben ihre historischen Paten allerdings wenig zu tun, sagt Beatrix Schönewald. "Das ist das Schwierige, den Besuchern des Museums das zu erläutern: Dass 'Illuminati' von Dan Brown einfach Fantasie war. Und die richtigen Illuminati eigentlich gestandene Männer waren, die ein hehres Ziel hatten!"

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