© BR

Lucy und Kika Wilke vor ihrem Zirkuswagen

Luxus bedeutet für Kika Wilke nicht nur Strom und Wasser im eigenen Wagen zu haben und wenig Miete zu bezahlen. Luxus ist für sie auch ein Leben unmittelbar mit den Elementen. Ihr Zirkuswagen ist umgeben von Bäumen. Kika Wilke ist fasziniert davon, die Natur hautnah mitzubekommen, wenn der Regen oder der Hagel aufs Dach prasselt.

"Ich mag es, wenn ein Sturm aufkommt. Es weht die Blätter durch, dann weiß ich, es kommt gleich ein Gewitter. Ich glaube, dass mir das deshalb so gut gefällt, weil man darauf evolutionär vorbreitet ist. Das war, was man als Mensch hunderttausende von Jahren als Umgebung hatte." Kika Wilke

Früher war Kika Wilke Lehrerin. Vor 15 Jahren ist sie erblindet. Trotzdem möchte sie nicht woanders wohnen als im Zirkuswagen, in ihrem kleinen Biotop, das sie sich als legalen Wagenplatz für ihre Familie und ihre Musikerfreunde einst erkämpft hatte. Die Mitbewohner haben gewechselt, die Grundidee ist geblieben.

Zirkuswagen als Biotop in der Großstadt

„Dass man mit Freunden zusammenleben kann“, sagt Kika Wilke: „Man besucht sich, ist abends am Feuer zusammen oder man lässt sich eine Weile in Ruhe“. Auch ihre Tochter Lucy hat 23 Jahre lang hier gelebt. „Als Kind ist es wunderbar hier, viele Kinder haben mich besucht, es hat allen gut gefallen hier“ erzählt sie. Lucy Wilke ist Künstlerin, ausgebildete Sängerin und Schauspielerin. Als Kleinkind ist sie an Muskelatrophie erkrankt und sitzt im Rollstuhl. Sie ist froh, dass ihre Mutter von hier nie weggegangen ist.

"Gerade mit einer Behinderung wäre ich in einer Wohnung viel isolierter gewesen. Es waren immer Leute zu Besuch, die Kunst machen, da habe ich viel mitbekommen. Das war ein guter Nährboden, um Dinge auszuprobieren." Lucy Wilke

Im Wagen läuft nichts auf Knopfdruck

Die Leben im Wagen ist ein ständiges Improvisieren. „Es kann immer mal sein, dass irgendwas undicht wird und kaputtgeht“, sagt Kika Wilke. Für sie ist es wichtig, Freunde zu haben, die ihr unter die Arme greifen. Ihr Kompostklo ist voll ökologisch, doch auch bei Wind und Wetter muss sie ihren Wagen verlassen und zur Toilette über den Platz laufen.

"Es ist auf jeden Fall abhärtend. Ich bin im Warmen, dann geh ich raus, es ist kalt, dann geh ich wieder ins Warme. Das stört mich überhaupt nicht. Ich glaube auch, dass das mein Immunsystem aufgepeppt hat, sodass ich fast nie eine Erkältung habe." Kika Wilke

In eine normale Wohnung möchte Kika Wilke nicht ziehen: „Vielleicht bin ich durch die vielen Jahre wie ein Tierchen, dass ich nicht mehr in den Käfig will.“

Autoren

Constanze Hegetusch

Sendung

STATIONEN vom 10.10.2018 - 17:00 Uhr