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Sinéad O'Connor

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    "Ich bin älter und müde": Sinéad O'Connor beendet Karriere

    Ihr nächstes Album wird ihr letztes: Künftig will die prominente irische Sängerin allenfalls als TV-Moderatorin auftreten, wie sie auf Twitter ankündigte. Sie selbst hält sich für "schwierig" und liebt das Alleinsein, "Feen"-Schmuck und Zigaretten.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Nach eigenen Worten genehmigte sich Sinéad O'Connor einige Whiskeys, bevor sie auf ihrem Twitter-Account am vergangenen Freitag ihren Rückzug vom Musikgeschäft ankündigte, was ihr als bekennender Muslimin womöglich noch Ärger einhandelt. Sie habe "alles" gegeben, so die Sängerin, und es sei angebracht, ihre "Nippel-Quasten" abzulegen: "Ich bin älter geworden und müde." Es werde keine Tour mehr geben und auch keine Promotion-Termine. Das sei keineswegs eine "traurige", sondern eine "ungemein" erfreuliche Meldung: "Ein weiser Krieger weiß, wann er sich zurückziehen sollte." Nach vierzig Jahren sei es an der Zeit, die "Beine hochzulegen" und "ein paar andere Träume zu verwirklichen".

    Jetzt hat sie Zeit fürs Fernsehen

    Bei allen Konzertagenturen, Promotern und Managern entschuldigte sich O'Connor: "Ich vermute, die Bibel hat mir beigebracht, dass ich meine eigene Chefin bin. Ich wollte nicht auf die Erlaubnis von Männern warten, wann ich es öffentlich mache." Außerdem habe sie schon immer die irische Ausgabe des Talentwettbewerbs "The Voice" moderieren wollen. Wenn das Fernsehen interessiert sei, könne es ihre Manager kontaktieren. Auf ihrem letzten Album mit dem Titel "No Veteran Dies Alone", das nächstes Jahr erscheinen soll, will sie einen ihrer Lieblingssongs interpretieren, "Mo Ghille Mear" (Mein galanter Held), ein Volkslied der irischen Katholiken aus dem 18. Jahrhundert, die das Exil von Charles Edward Stuart, besser bekannt als "Bonnie Prince Charlie", in Frankreich betrauerten.

    Sinéad O'Connor hatte 2003 schon einmal angekündigt, ihre Karriere zu beenden. Ihren internationalen Durchbruch feierte sie 1990 mit ihrer Coverversion des Prince-Songs "Nothing Compares 2 You". Mit kontroversen Auftritten und Aussagen erregte O'Connor immer wieder Aufmerksamkeit, zum Beispiel zerriss sie 1992 bei einem Auftritt in der US-Sendung "Saturday Night Live" vor laufenden Kameras ein Bild des Papstes Johannes Paul II., das ihre Mutter im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. O'Connor war nach eigenen Worten von der Mutter schwer misshandelt worden.

    Seit 2018 ist sie Muslimin

    2010 kritisierte sie den Spendenaufruf des irischen Bischofs Denis Brennan zugunsten von Missbrauchsopfern als "unglaublich und dumm": "Wenn Christus hier wäre, würde er den Vatikan niederbrennen und ich würde ihm dabei helfen." 2018 trat die Sängerin zum Islam über und nennt sich seitdem Shuhada’ Sadaqat, was sie als "natürliche Schlussfolgerung jeder Reise eines intelligenten Theologen" bezeichnete. Zuvor hatte sie 2017 ihren Namen bereits in Magda Davitt geändert, um sich vom "Fluch ihrer Eltern" zu befreien. Ihren Twitter-Account hat sie unter das Motto gestellt, es sei kein "Maßstab für Gesundheit", sich einer "durch und durch kranken Gesellschaft gut anzupassen".

    Im Juni dieses Jahres veröffentlichte die 54-Jährige unter dem Titel "Rememberings" ihre Memoiren, wo sie sich dazu bekannte, am liebsten allein zu sein. Die "New York Times" schrieb in ihrer Buchbesprechung, die Künstlerin habe die Pandemie in einem winzigen Dorf auf einem irischen Hügel verbracht, Krimis konsumiert, im Netz "Feen"-Schmuck gekauft und CNN eingeschaltet. In einer Art Treibhaus sitzend und kettenrauchend sehe die "Protestsongs singende Punkerin" aus, als ob sie sich selbst in Glas "versiegelt" habe. Ihr "posttraumatischer Stress" aus Kindertagen habe sich mittlerweile zu einer Platzangst und Öffentlichkeitsscheu ausgeweitet: "Ich war keine furchtbar erfolgreiche Freundin oder Frau. Sagen wir's, wie es ist: Ich bin etwas schwierig."

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