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Dubai: Blick auf die Skyline

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    "I like it": So entlarvt Böhmermann den Influencer-Hotspot Dubai

    Zahlreiche deutsche Influencer sind an den Persischen Golf ausgewandert und bewerben das vermeintliche Paradies. Laut ZDF-Satiriker Böhmermann zahlen sie dort keine Steuern und unterwerfen sich einer strengen Zensur im "Unrechtsstaat".

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    Von
    • Peter Jungblut

    "Vor siebzig Jahren sah Dubai noch so aus wie Hannover heute: Eine Mitleid erregende Favela mitten im Nirgendwo", so Jan Böhmermann in der neuesten Folge seines "Magazin Royale" im ZDF, doch inzwischen habe sich das gründlich geändert: "Mit Ausbeutung ist Dubai entstanden und mit Ausbeutung läuft der Laden noch heute." Illustriert wurde das mit Fotos von protzigen Polizeifahrzeugen, die dort tatsächlich herumfahren. "Dubai hat vor allem drei Dinge: Den einzigen Wolkenkratzer der Welt, den man auch als Zahnstocher benutzen kann, eine Flagge, die einem immer das Gefühl gibt, dass der Akku gleich alle ist, und sehr, sehr viel Geld. Dubai ist so reich, dass die Polizei Bugatti fährt. Einige fahren auch nur Lamborghini, Ferrari oder Bentley", so Böhmermann.

    Und genau in diesem "Wirklichkeit gewordenen Gaming-PC-Desktop-Hintergrund direkt am Persischen Golf" tummeln sich inzwischen haufenweise deutsche Influencer, die über ihre erfolgreichen Kanäle in den sozialen Medien allerlei Produkte testen und bewerben, darunter der Allgemeinheit kaum bekannte "Stars" der Szene wie Laura Isabella, Prinz Marcus, Karolina Alexandrova, Vanessa Mariposa, Fata Hasanovic, Simon Desue, Fiona Erdmann, Sami Slimani, Georgina Fleur und die "Harrisons". Sie alle haben Millionen von Followern und sind nach Dubai "ausgewandert", in das "neue Paradies der Impf-Society", wie es das Promi-Blatt "Bunte" in einer großen Story betitelte: "Deutschland ist Geschichte".

    "Mit deutscher Reichweite in Dubai steuerfrei verdienen"

    Während die Influencer selbst ihren Umzug in Videos damit erklärten, sie wollten sich "weiterentwickeln" und hätten Ärger mit Gerichtsverfahren in Hamburg gehabt, gaben Böhmermann und sein Team eine andere Antwort: In Dubai gebe es weder Einkommen-, noch Unternehmenssteuern und eine Mehrwertsteuer von fünf Prozent auch erst seit 2018. Es werde also "mit deutscher Reichweite in Dubai Geld verdient, aber keine Steuer gezahlt".

    © Abd Rabbo Amar/Picture Alliance
    Bildrechte: Abd Rabbo Amar/Picture Alliance

    Typisch Dubai: Besucher können sich in der Business-Class-Attrappe knipsen

    Böhmermann nahm sich auch die scharfe Zensur in dem Emirat vor: "Darum kommen deutsche Influencer so gerne nach Dubai, weil der totalitäre Like-Fürst einfach weiß, wie das Insta-Game gespielt wird und wegen der Freiheit, einer Freiheit, die es so wie in Dubai in Deutschland nicht gibt." Wer nämlich von dort aus arbeiten möchte, braucht eine Lizenz des "National Media Council" und muss unterschreiben, dass er sich weder zu religiösen, noch politischen Themen oder über Staatsoberhäupter äußert und stets für ein "positives Image" von Dubai sorgt. Im Gegenzug winken Gratis-Reisen, üppige Gelage auf Staatskosten und ein "Taschengeld". Staatschef Mohammed Bin Rashid Al Maktoum wurde als "ein echter Dichter von Weltrang" bezeichnete, weil er mal einen Lyrikband schrieb, der jedenfalls bei Amazon kein einziges Mal besprochen wurde. Außerdem kaufte er für vier Millionen Euro ein Pferd - und habe es "bis heute nicht gegessen", so der ZDF-Satiriker.

    "Dubai des Nordens" hat auch was zu bieten

    Um Interessierten eine Alternative zu diesem "Unrechtsstaat" anzubieten, in dem "Sklavenarbeit" alltäglich sei, bot Böhmermann eine Influencer-Lizenz für das "Dubai des Nordens" an, nämlich Bremen. Der dortige Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) versprach sogar ein "Tagesticket für den Nahverkehr" und garantiert kein "Kleingedrucktes".

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    Bildrechte: Sven Hoppe/Picture Alliance

    Jan Böhmermann

    Abgesehen von seiner harschen Kritik am vermeintlichen Paradies am Persischen Golf ging Böhmermann auch auf den deutschen Winter ein: "Ich habe Anfang der Woche die Big Five gesehen: Schnee, Graupel, Eisregen, überfrierende Nässe und Gerhard Schröder, wie er Meisen-Knödel aufhängt." Tatsächlich ließ sich der Altkanzler dabei filmen. Und nicht nur das: "Am schlimmsten traf es die Menschen im Ruhrgebiet: Trotz Schnee, trotz Eis wurde das Spiel von Schalke nicht abgesagt." Die allgemeine Stimmung sei schlechter als in der "WhatsApp-Gruppe von Beatrice von Storch": "Liebe Querdenker, liebe AfD, ihr habt recht, es ist draußen nicht wirklich kalt, es wurde in den letzten Tagen nur häufiger gemessen. War das wirklich Schnee oder bloß eine gefährliche britische Regenmutante – wir wissen es nicht!"

    Röttgens Ringlicht zum Valentinstag

    Und einen Tipp für kommenden Sonntag hatte Böhmermann auch parat: "Übermorgen überrascht Norbert Röttgen sein Ringlicht mit fünfzig roten Rosen, denn es ist Valentinstag, der Tag, an dem der Bachelor nach alter Überlieferung in den Himmel aufgefahren ist."

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