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Humanitäre Katastrophe: Der Syrienkrieg in dem Film "Für Sama" | BR24

© Audio: Bayern 2/ Bild: Filmperlen

Der Dokumentarfilm "Für Sama" über den Krieg in Syrien erobert die deutschen Kinos.

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Humanitäre Katastrophe: Der Syrienkrieg in dem Film "Für Sama"

Ein erschütterndes Bild der Not in Aleppo zeichnet ein Dokumentarfilm, den die syrische Journalistin Waad al-Kateab gemeinsam mit dem Briten Edward Watts realisiert hat. "Für Sama" war für den Oscar nominiert, jetzt erobert er die deutschen Kinos.

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Manchmal muss man sich regelrecht zwingen, hinzuschauen. Der oscarnominierte und mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnete Dokumentarfilm "Für Sama" zeigt Bilder, die verstören und erschüttern. Per Kopfschuss exekutierte Syrer, die aus einem Fluss gezogen und in einer nicht enden wollenden Reihe ans Ufer gelegt werden. Zwei über und über mit Staub bedeckte Jungen, die ihren kleinen Bruder nach einem Bombenangriff in das letzte Krankenhaus von Aleppo tragen und dabei zusehen müssen, wie Ärzte den Kampf um dessen Leben verlieren. Eine schwerverletzte hochschwangere Frau, deren Baby per Not-Kaiserschnitt auf die Welt gebracht wird und dessen lebloser Körper minutenlang massiert wird. Wie kaum ein anderer Film führt "Für Sama" das Elend des Kriegs in Syrien vor Augen und zeigt das Leid der Zivilbevölkerung, ihr Leben zwischen Verzweiflung und stillem Hoffen.

© Filmperlen

Sama in den Trümmern von Aleppo

Liebeserklärung an die eigene Tochter

Dass diese ungeschönten und extrem persönlichen Einblicke in ein kriegsgebeuteltes Land jetzt ihren Weg auf die Leinwand finden, ist dem unerschütterlichen Willen der jungen Filmemacherin Waad al-Kateab zu verdanken. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat die ehemalige Wirtschaftsstudentin den Alltag in ihrer Heimatstadt Aleppo dokumentiert.

Als 2012 der Arabische Frühling beginnt, ist Waad al-Kateab 18 Jahre alt. Mit ihrem Handy filmt sie ihre protestierenden Kommilitonen auf dem Campus, das aufmarschierende Militär und die ersten blutigen Zusammenstöße zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Aber "Für Sama" ist nicht chronologisch erzählt. Als Erzählerin aus dem Off springt al-Kateab in der Zeit vor und zurück. Denn vor allem ist ihre Dokumentation eine Liebeserklärung an ihre Heimat, an ihren Mann und an ihre Tochter Sama, die im Januar 2016 in der Rebellenhochburg Aleppo zur Welt kommt. "Mein erstes Kind, Sama. Ihr Name bedeutet Himmel. Der Himmel, ihn lieben wir. Ihn wollen wir wieder haben, ohne Luftstreitkräfte, ohne Bomben", sagt Waad al-Kateab im Interview.

© picture alliance / Photoshot

Nominiert für den Oscar: Waad Al-Kateab (L), Hamza Al-Kateab (R) und Sama Al-Kateab

Blutiger Alltag

Die Filmemacherin schwankt zwischen Angst und Trotz, zwischen Weitermachen und Aufgeben. Sie verliert Freunde und rettet Fremde, freut sich über frisch gefallenen Schnee und weint über die Skrupellosigkeit des Assad-Regimes, das selbst Krankenhäuser bombardiert. "Für Sama" zeigt nur einen Bruchteil dessen, was Waad al-Kateab zwischen 2012 und 2016 mit ihrer Kamera dokumentiert hat. Mehrere hundert Stunden Rohmaterial schmuggelte sie aus Syrien, als die Familie schließlich fliehen musste.

Die breite Öffentlichkeit wird diese Aufnahmen wohl nie sehen. Aber al-Kateab hat sichergestellt, dass sie eines Tages als Beweismaterial vor Gericht gegen Assad verwendet werden können. Ob es jemals so weit kommt, weiß niemand. Dass der Handlungsbedarf größer ist denn je, zeigen die aktuellen Nachrichtenbilder aus Idlib. "Für Sama" lässt erahnen, wie es den Menschen dort geht. Er gibt den Leidtragenden des Syrienkrieges ein Gesicht.

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