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Einen "vorauseilenden Pessimismus" soll es nicht geben, dafür die Hoffnung auf "volle Auslastung". Dennoch geben sich die Festspiele vorsichtig und wollen nur zwei Opern neu herausbringen. Auch dabei: Sopranistin Anna Netrebko als "Tosca".

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Hoffnung auf Normalität: So planen die Salzburger Festspiele

Einen "vorauseilenden Pessimismus" soll es nicht geben, dafür die Hoffnung auf "volle Auslastung". Dennoch geben sich die Festspiele vorsichtig und wollen nur zwei Opern neu herausbringen. Auch dabei: Sopranistin Anna Netrebko als "Tosca".

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Von
  • Peter Jungblut

Das hörte sich doch etwas an wie das sprichwörtliche „Pfeifen im Walde“: Die Salzburger Festspiele hoffen im nächsten Sommer tatsächlich auf eine hundertprozentige Auslastung und kündigten ein "volles Programm ohne vorauseilenden Pessimismus" an. Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler sprach sich selbst Mut zu und verwies darauf, dass die "Voraussagen für den Sommer ja sehr gut“ seien, was die weitere Entwicklung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie angehe: "Wir müssen und wollen gerade jetzt ein Zeichen der Hoffnung setzen. Und wir bleiben bei jener Strategie, die wir im Frühjahr begonnen haben. Wir wollen unter dem Vorrang der Gesundheit künstlerisch Sinnvolles zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen bieten. Das ist uns 2020 gelungen, das streben wir für 2021 an."

Die vergangenen Festspiele seien "in jeder Beziehung geglückt", so Rabl-Stadler, und eine Art "Eisbrecher" für andere Festivals gewesen. Bis zu 1000 Zuschauer durften im Großen Festspielhaus Platz nehmen, das nach dem "Schachbrettmuster" besetzt wurde, also mit jeweils freien Sitzen direkt neben, vor und hinter jedem Besucher. Bemerkenswert: Viele Kartenkäufer, die dann doch nicht anreisen konnten, sei es, weil die Vorstellungen abgesagt wurden oder wegen der Reisebeschränkungen, verzichteten auf die Erstattung. Dadurch konnten die Festspiele Einnahmen in Höhe von 500.000 Euro als Spenden verbuchen.

Intendant Markus Hinterhäuser nannte die letzte Saison einen der "schönsten Festspielsommer" und sprach von einer "Begeisterungsgemeinschaft" unter den Künstlern, die wegen der vielen anderweitigen Absagen für ihre Auftritte überaus dankbar gewesen seien: "Ich glaube, dass da etwas entstanden ist, worüber wir sagen können, dass wir ein Zeichen gesetzt haben."

"Verschiebebahnhof" geht weiter

Allerdings, so Hinterhäuser, habe es in den vergangenen Wochen eine "gewisse Neutralisierung" dieser Stimmung gegeben. Mit einem Zitat des österreichischen Dichters Robert Musil bemerkte er: "Wir haben viele Möglichkeiten, aber wir haben jetzt auch eine Wirklichkeit, die zu Pragmatismus zwingt." Hinterhäuser rechnet mit "massiven Auswirkungen" der Pandemie auf die Festspiele auch noch in "zwei und drei Jahren". Geärgert habe er sich über ein "Unwort", worunter er die Bezeichnung "abgespeckt", bezogen auf das letzte Festspiel-Programm, versteht. Vielmehr sei es "modifiziert" gewesen, es habe einen "Prozess des Subtrahierens" gegeben. Leider gehe der "Verschiebebahnhof" von Premieren auch weiter.

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Der österreichische Bundespräsident mit der Führungscrew der Festspiele

Im kommenden Sommer soll es sechs szenische Opern geben, darunter zwei Wiederaufnahmen der letzten Saison, Mozarts "Cosi fan tutte" und die "Elektra" von Richard Strauss. Beide Premieren waren positiv aufgenommen worden, wobei die wegen der Pandemie stark gekürzte "Cosi fan tutte" in der Regie von Christof Loy vor allem wegen der herausragenden Dirigenten-Leistung der Nürnberger Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz Schlagzeilen machte. Wegen der größeren Sitzabstände war die eigentlich intime Oper im Großen Festspielhaus gezeigt worden, nächstes Jahr soll sie ins deutlich kleinere "Haus für Mozart" umziehen.

Anna Netrebko als "Tosca"

Nur zwei Opern sollen 2021 in Salzburg neu produziert werden: Mozarts „Don Giovanni“ in der Regie von Romeo Castellucci, mit dem die Festspiele auch eröffnet werden sollen, sowie die sperrige Oper "Intolleranza 1960" von Luigi Nono, dirigiert von Ingo Metzmacher und in der Regie des belgischen Theatermachers Jan Lauwers. Darüberhinaus wird es eine "Tosca" mit Superstar Anna Netrebko geben, in einer umstrittenen Inszenierung von Michael Sturminger von den Osterfestspielen 2018, und ein Händel-Oratorium in der Regie von Robert Carsen, "Il Trionfo del Tempo e del Desinganno" (Der Triumph der Zeit und der Wahrheit), ein Werk, das bei den nächsten Pfingstfestspielen Premiere haben soll und in den Sommer übernommen wird.

Hinterhäuser ist die Luigi Nono-Premiere ein besonderes Anliegen: "Weil wir wirklich die Auseinandersetzung suchen wollen über die Frage, was ist Toleranz, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Miteinandersein." Konzertant wird es "Fausts Verdammnis" von Hector Berlioz geben und ein modernes Werk, "Neither" von Morton Feldman aus dem Jahr 1977 nach einem Gedicht von Samuel Beckett.

"Fester Glauben an Normal-Bedingungen"

Der eigentlich vorgesehene "Boris Godunow" von Boris Mussorgsky wird auf 2022 oder sogar 2024 verschoben, und auch Mozarts „Zauberflöte“ wird es frühestens 2022 geben. Es sei „wirtschaftlich nicht vertretbar“, diesen Hit schon in der nächsten Saison anzubieten, so Hinterhäuser. Die Festspiele seien nämlich, anders als häufig berichtet werde, "extrem vom Kartenverkauf abhängig" und "kein hochsubventioniertes Festival": "Wir werden in unserem festen Glauben, dass die Festspiele unter normalen Bedingungen stattfinden, hoffentlich 100 Prozent Platzauslastung haben." Offensichtlich glauben die Macher aber selbst nicht so richtig an diese zuversichtliche Prognose, sonst hätten sie nicht so betont vorsichtig geplant.

Der populäre "Jedermann" auf dem Domplatz wird nächstes Jahr nicht neu inszeniert, aber neu besetzt: In der Titelrolle wird der fernsehbekannte Lars Eidinger zu sehen sein, Verena Altenberger ist die neue "Buhlschaft" an seiner Seite. Karin Henkels Shakespeare-Adaption "Richard The Kid & The King" macht dann am 25. Juli den Premierenauftakt im Schauspiel, dem sich am 7. August "Das Bergwerk zu Falun" des "Jedermann"-Schöpfers Hugo von Hofmannsthal in der Deutung von Jossi Wieler anschließt. Burgtheater-Chef Martin Kusej inszenierte Schillers "Maria Stuart" auf der Perner-Insel in Hallein am 14. August.

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