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„Höre mich!“ – Gipfel-Treffen in St. Matthäus | BR24

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„Höre mich!“ – Gipfel-Treffen in St. Matthäus

Sie loben und klagen, bitten um Hilfe, Trost oder Frieden. Sechs prominente Autoren/Innen lasen die Gegenwart in den über 2000 Jahre alten Psalmen – mit eigenen exklusiven Texten und im Gespräch mit Landesbischof Bedford-Strohm. Von Cornelia Zetzsche

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Gebet als Literatur?

Ist die Bibel als Sprachkunstwerk literarisch zu lesen? Das war eine der Fragen, die beim großen Psalmen-Abend in St. Matthäus München von sechs namhaften Schriftstellern kontrovers diskutiert wurde.

„Die Luther-Bibel ist keine Bibel, sondern eine Übersetzung! Luther ist der virtuoseste Übersetzer ins Deutsche, aber es ist eine Übersetzung, kein Original!“

erinnerte der Büchner-Preisträger und katholische Theologe Arnold Stadler.

„Mich begeistert, als Nicht-Christin, dieser Stil. Ich lese es als literarischen Text“,

bekannte Gila Lustiger, die jüdische Erzählerin aus Paris.

Lodernder Abgrund

„Die Bibel wird interessanter, je stärker man in ihr wurmisiert. Die große Gewalt der Bibel geht davon aus, dass zwischen den Sätzen ein Abgrund lodert. Deshalb habe ich immer etwas Zahnweh, wenn ich höre, dass das alles Literatur ist. Die Literatur fordert niemals dazu auf, ändere dein Leben, aber die Bibel tut es in höchstem Maße!“

Ein spannendes Autoren-Gespräch mit Sibylle Lewitscharoff, der Büchner-Preisträgerin und Religionswissenschaftlerin und allen anderen. Das Herzstück aber waren ihre exklusiven Texte zum Psalter. In „radioTexte“ am Sonntagmorgen sind zwei zu hören: Feridun Zaimoglu erzählt in einem Poem von bedrohten Christen im Orient, Sibylle Lewitscharoff reagierte auf die Rachepsalmen:

„Mich packt dieses Geschrei. Angesichts solcher Leiden befällt mich der Gedanke, gibt es Gott überhaupt?“

fragte sie mit Blick auf Psalm 140, der den Feinden „feurige Kohlen“. Und Landesbischof Bedford-Strohm bilanzierte die Lesungen:

„Das ging ans Herz.“