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Der Star im Himmel
© Jean-Marc Turmes/Theaterakademie August Everding

Autoren

Peter Jungblut
© Jean-Marc Turmes/Theaterakademie August Everding

Der Star im Himmel

Da räkeln sie sich alle um einen leeren Mikrofon-Ständer und lechzen nach dem Ruhm, gieren nach dem großen Auftritt: Janis Joplin, Kurt Cobain, Amy Winehouse, allesamt Mitglieder im "Club 27", drei unterschiedliche Generationen, alle mit 27 gestorben an Drogen-Exzessen, Einsamkeit, Depressionen, Ausbeutung und Überforderung. Die Choreographin und Regisseurin Katja Wachter lässt die tragischen Musikhelden immer wieder über die Bühne des Münchner Akademietheaters torkeln, ineinander verschlungen, miteinander ringend, ein wahrer Gespenster-Reigen oder Höllentanz.

Ruhm und Rampenlicht

Ruhm und Rampenlicht

Gitarren stürzen in den Tod

Acht Gitarren hängen in der Luft, genau darunter jeweils Kreide-Linien, als ob die Instrumente drauf und dran sind, sich in den Tod zu stürzen und die Polizei schon vorbeugend ihre Umrisse auf den Boden gezeichnet hat. Ein so einfaches wie starkes Bild für das, worum es hier geht: Unter dem Titel "Einfach nur Erfolg" schrieb Felicia Zeller 2005 ein Stück über die Schattenseite des Ruhms. Sie benutzte dafür die teils wirren Tagebucheinträge von Kurt Cobain, dem Sänger, Song-Schreiber und Gitarristen der damals tonangebenden Band "Nirvana", der sich Anfang April 1994 erst eine Überdosis Heroin spritzte und dann erschoss. Ein Elektriker fand ihn drei Tage später in einem Verschlag über der Garage.

Palaver im Tourbus

Palaver im Tourbus

Dämliche Interviews mit einfältigen Journalisten

Der junge Mannheimer Steffen Recks spielt diesen tragischen Rockstar in der Theaterakademie August Everding mit viel Sex-Appeal, meist barfuß und in sehr löchrigen Klamotten. Aber auch alle anderen sind hier Stars oder wollen welche werden und führen vor, wie das so ist im Musikgeschäft. Knallharte Konkurrenz um den Platz am Mikrofon, stundenlange Diskussionen im Tourbus über die Größe der Flyer, über den Zeitpunkt des Auftritts und die Frage, wie groß die Verspätung sein sollte, immer wieder Drogen, dämliche Interviews mit einfältigen Journalisten, grelles Fernsehlicht, kreischende Fans, aber auch anhängliche Bekannte von ganz früher, die eigentlich nur ein Autogramm abgreifen wollen und sich ansonsten null für die Arbeit der Künstler interessieren. Irgendwann werden harte Aufputschmittel probiert, häufiger genommen, schließlich dauerhaft, um über Enttäuschungen und Leerstellen hinweg zu helfen.

Club 27 in Aktion

Club 27 in Aktion

Viel Körpertheater mit beklemmenden Tanz-Szenen

Katja Wachter inszenierte das mit viel akrobatischem Körpertheater, mit beklemmenden Tanz-Szenen. So feiert der Star in irgendeinem Club seinen Geburtstag: Alle sind zugedröhnt, er selbst am meisten, alle langweilen sich, alle heucheln Spaß, alle halten Ausschau nach einer Ecke, in der noch mehr los ist. Beklemmend und ganz ohne Zeigefinger wird gezeigt, warum die Drogen so eine große Rolle spielen in diesem Geschäft: Weil es sonst kaum auszuhalten ist. In rasanten neunzig Minuten fliegen da all die Karrieren vorbei, die voller Hoffnungen beginnen und zu oft im Dreck enden.

Körpertheater: Party ohne Inhalt

Körpertheater: Party ohne Inhalt

Here we are now, entertain us!

Sehr überzeugend, was die zehn Nachwuchs-Schauspieler da vorführen, eben deshalb, weil sie selbst am Anfang ihrer Laufbahnen stehen und ahnen, wie hart es wird, wie unbarmherzig. Das berührt und verstört, insbesondere, als die Mitwirkenden eine stumme Filmhandlung live synchronisieren, in der zwei kaputte Typen in einem verwahrlosten Zimmer koksen. Eine durchweg starke Leistung von Luiza Monteiro, Irina Kurbanova, Aydin Aydin, Oscar Bloch, Sebastian Kremkow, Sandra Julia Reils, Fabio Savodelli, Tamara Romera Ginés, Berit Vander und Steffen Recks. So gesehen ziemlich gruselig, der Text aus der Nirvana-Hymne "Smells like teen spirit": Here we are now, entertain us!

Wieder am 16., 19., 20., 22. und 23. Februar im Akademietheater am Prinzregentenplatz der Theaterakademie August Everding.