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Höcke-Porträts auf Klo-Papier: Kunstaktion vor Thüringer Landtag | BR24

© Michael Reichel/dpa

Michael Fischer-Art mit Höcke-Porträts auf Klopapier

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    Höcke-Porträts auf Klo-Papier: Kunstaktion vor Thüringer Landtag

    Der Leipziger Künstler Michael Fischer-Art ließ 999 Rollen Toilettenpapier mit dem Bild von AfD-Politiker Björn Höcke bedrucken und stapelte einige dieser Rollen direkt vor dem Erfurter Landtag auf, das sei "zulässig" hieß es aus dem Parlament.

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    Er selbst bezeichnet seinen Stil gern als "marktwirtschaftlichen Realismus", was für seinen Humor und ein gewisses satirisches Selbstverständnis spricht. Der 1969 in Leipzig geborene Künstler Michael Fischer-Art, der im sächsischen Borna arbeitet, ist für seine grellbunten Wandgemälde ebenso bekannt wie für gelegentliche Ausflüge in die Porträtmalerei. So ließ er es sich nicht nehmen, Prominente wie Gerhard Schröder und Angela Merkel zu malen, schreckte aber auch vor der Verschönerung von Flutschutz-Mauern, Plattenbauten und Rennautos, sowie dem Design von Herren-Oberhemden mit Modell-Namen wie "Covid" und "Banküberfall" nicht zurück. Jetzt sorgte der umtriebige und alles andere als medienscheue Maler mit einer Aktion in Erfurt für Schlagzeilen. Die Demokratie bekomme durch die AfD "Verdauungsstörungen", heißt es auf den 999 Klopapier-Rollen, die Fischer-Art herstellen ließ, jeweils garniert mit dem Bild von AfD-Politiker Björn Höcke. Der Künstler bezeichnete das als "gewaltfreien, aber trotzdem bösen" Protest.

    Künstler schickt "Gruß zurück"

    "Herr Höcke war vor kurzem in Grimma, nicht so weit weg von meiner Fabrik in Borna", so Fischer-Art gegenüber Journalisten: "Da hat er also die Grenze von Thüringen nach Sachsen überschritten und ich dachte, ich schicke ihm heute einen Gruß zurück." Höcke hatte am 28. August bei einer AfD-Kundgebung in Grimma unter anderem zur Teilnahme an der Demonstration gegen die Corona-Politik in Berlin aufgerufen. Bei der Produktion der jetzt vorgestellten Toilettenartikel gab es übrigens Probleme, so Fischer-Art. Eine erste Lieferung von der Druckerei aus Polen sei "spurlos" verschwunden, so dass eine zweite Ladung nötig wurde, die dann unter "strenger Bewachung" transportiert worden sei. Passanten am Erfurter Landtag bekamen jeweils kostenlos einige Blätter ausgehändigt.

    © Michael Reichel/dpa

    Michael Fischer-Art vor dem Landtag

    Fischer-Art, der seit 2018 in einer ehemaligen Brikettfabrik in Borna südlich von Leipzig arbeitet, bezeichnete Höcke und die AfD als "fremdenfeindlich". Ausdrücklich verwies der Künstler darauf, dass er "kreativ und friedlich" gegen die AfD auftreten wolle, "nicht wie in Leipzig", ein Hinweis auf die dortigen, teilweise gewalttätigen Demonstrationen nach der Räumung eines besetzten Hauses. Die Landtagsverwaltung in Erfurt hatte gegen Fischer-Arts Kunstaktion nichts einzuwenden, es gebe schließlich "keine Bannmeile" rund um das Parlament, so ein Sprecher.

    Vorliebe für große Formate

    Fischer-Art arbeitete zeitweise als Krankenpfleger in der Psychiatrie, als Hausmeister und Maurer, bevor er sich ganz auf die Malerei verlegte. Lange lebte er in den Leipziger Stadtteilen Gohlis und Markkleeberg, bevor er sich in Borna ein Atelier mit 550 Quadratmetern einrichtete. Große Formate sind denn auch seit langem Fischer-Arts Spezialität, am liebsten bearbeitet er mehrstöckige Fassaden. Dabei nutzt er grundsätzlich überwiegend leuchtende Farben, wie bei seinem Wandbild "Friedliche Revolution", das bis zum Abriss des Gebäudes am Leipziger Brühl zu sehen war.

    © Michael Reichel/dpa

    Zum Abreißen: Klopapier mit Anti-AfD-Design

    Zu den jüngsten Ausstellungen von Fischer-Art gehört eine Schau in Gera, wo er in einer Sparkassen-Filiale ein Luxusauto zeigte, das er "quietschbunt" bemalt hatte. Der Wagen soll Ende des Jahres für einen guten Zweck versteigert werden. Auch James-Bond-Darsteller Daniel Craig prangte in Gera an der Wand, von Fischer-Art dekorativ vor einer Explosion abgebildet. In Hoyerswerda brachte der Künstler im vergangenen November "eine Tonne Farbe" an einem Plattenbau an, um die Giebelfassade etwas freundlicher zu gestalten. Zur Begründung sagte Fischer-Art damals, die Buntheit seiner Werke ziele darauf ab, seine "nicht ganz so glückliche Kindheit" wieder in Ordnung zu bringen.

    Übrigens zählt der Maler zu den leidenschaftlichsten Sammlern von Spielzeug-Autos. Er soll mehr als 8000 Stück gesammelt haben, davon fanden 1800 Platz in einer beleuchteten Vitrine.

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