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"Bis dass der Tod euch scheidet" heißt es im kirchlichen Eheversprechen. Daniela und Björn Schaurer aus Fraunberg im Landkreis Erding mussten sich mit diesem Satz viel früher als gedacht auseinandersetzen.

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Hochzeit am Sterbebett: Liebe über den Tod hinaus

"Bis dass der Tod euch scheidet" heißt es im kirchlichen Eheversprechen. Daniela und Björn Schaurer aus Fraunberg im Landkreis Erding mussten sich mit diesem Satz viel früher als gedacht auseinandersetzen.

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Von
  • Angela Graas

"Lieber Björn, heute ist der 13. März und die meisten Gäste wären heute auch gekommen. Denn ihr habt geplant, dass an dem Tag eure Hochzeit sein soll. Die Glocken wären eigentlich eure Hochzeitsglocken gewesen." Mit diesen Worten beginnt Diakon Christian Pastötter aus Reichenkirchen seine Beerdigungspredigt für Björns Frau Daniela.

Kirchliche Hochzeit lange aufgeschoben

1999 haben sich Björn und Daniela kennen gelernt. In einer Disko in Erding. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Ein halbes Jahr später die standesamtliche Hochzeit. Kirchlich wollen sie auch heiraten. Doch dann kommen die drei Kinder. Zeit und Geld sind knapp. Kurz vor der Silberhochzeit schließlich soll es doch noch stattfinden: das Jawort in der Kirche. Ein großes Fest. Die Besiegelung und Bestätigung ihrer Liebe nach fast 25 Jahren.

Das Schicksal will es anders. 2018 erkrankt Daniela an einem seltenen und aggressiven Lungenkrebs. Die Hochzeit, denken beide, die schaffen sie noch.

Brautkleid schon gekauft

Daniela kauft ein traumhaftes weißes Brautkleid. Es soll eine Überraschung sein. Björn darf es nicht sehen. "Richtig angeschaut habe ich es erst nach ihrem Tod. Das war schwer. Man weiß, wie schön sie darin ausgesehen hätte. Trotz dieser Krankheit. Sie wäre auch ohne Haare eine wunderschöne Braut gewesen.“ Danielas Krankheit, die Chemotherapie, machen ihr immer mehr zu schaffen. Sie nimmt extrem ab, verliert ihre Haare, hat kaum noch Kraft. Irgendwann ist ihr das erste Brautkleid zu schwer. Sie kauft sich ein zweites, leichteres. Das Paar fiebert weiter dem Termin der geplanten Trauung entgegen.

Doch Danielas Zustand verschlechtert sich schneller als gedacht. Die Kinderpflegerin stirbt am 22. Februar 2021. Wenige Tage vor dem geplanten Termin der kirchlichen Trauung. Sie ist 42 Jahre und hinterlässt drei Kinder: Tochter Emilia (16) und die Söhne Eric (24) und Philip (19).

Am Sterbebett ihre Liebe gesegnet

Trotzdem wurde Daniela und Björn ihr großer Herzenswunsch noch erfüllt. Wenn auch ganz anders als geplant. Diakon Christian Pastötter hat das Paar durch die schweren Wochen vor Danielas Tod begleitet. Eigentlich sollte er die beiden im März auch kirchlich trauen.

Als Ende Februar nachts das Telefon bei ihm klingelt, ist es Björn. Daniela liegt im Sterben. Der Diakon fährt direkt ins Hospiz: "Die Gedanken, die ich gehabt habe: Warum ruft mich jetzt die Dani in dem Moment, wo sie spürt, dass sie sterben muss? Dani hat sehr schlecht Luft gekriegt. Ich hab sie dann gefragt: 'Es geht um die Hochzeit, oder?' Da hat sie gesagt 'Ja'."

"Es war für mich schwer, dass ich Worte gefunden habe, die sie formulieren konnte. Ich habe gesagt, dass das Größte, was sie verbindet, die Liebe ist, und ich habe diese Liebe gesegnet. Ich hab die Stola um die Hand gewickelt. Es kam noch ein tiefes 'Ja'. Björn solle sich wieder eine Partnerin suchen, hat Daniela noch gesagt. Was auch immer geschehen wird. Ihre Verbindung wird über den Tod hinausgehen." Diakon Christian Pastötter

Der Beitrag ist zu sehen in STATIONEN am Mittwoch, 16. Juni 2021 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.

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