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Hitzige Debatte: Bringen Trumps Memoiren 100 Millionen Dollar? | BR24

© Chris Kleponis/Picture Alliance

Im Regen: Donald Trump am Veterans Day

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    Hitzige Debatte: Bringen Trumps Memoiren 100 Millionen Dollar?

    Noch will er sich nicht geschlagen geben, aber hinter den Kulissen wird schon eifrig spekuliert, was Trump verdienen wird, wenn er erst mal seine Lebenserinnerungen vermarktet. Es könnte neue Rekorde geben, obwohl er selbst kein Buchliebhaber ist.

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    Zu den vielen abträglichen Anekdoten, die über Donald Trump im Umlauf sind, gehört die Vermutung seines einstigen Ghostwriters Tony Schwartz, der Noch-Präsident habe seit seiner Volljährigkeit kein einziges Buch von Anfang bis zum Ende gelesen. Jedenfalls will Schwartz während seiner Zusammenarbeit mit dem damaligen Immobilien-Tycoon in 18 Monaten niemals ein Buch auf Trumps Schreibtisch oder sonst wo in dessen Wohnung gesehen haben. So hat es der Journalist bereits im Juli 2016 dem "New Yorker" erzählt, und immerhin hatte Schwartz im Frühjahr 1991 für Trump dessen erfolgreichstes Buch verfasst, "Die Kunst des Erfolges" und während der Arbeit daran direkten Zugang zum heutigen Präsidenten. Im Nachhinein machte sich der Ghostwriter allerdings über die geringe Aufmerksamkeitsspanne Trumps lustig und unkte, "Der Soziopath" wäre der treffendere Titel für das Werk gewesen.

    Obamas mussten sich mit 65 Millionen "bescheiden"

    Wie auch immer: Trump könnte schon bald sämtliche Rekorde für die Memoiren von Ex-Präsidenten brechen, so das ihm nahestehende Boulevardblatt "New York Post". Dort war zu lesen, dass Trump derzeit mit Buch- und Fernseh-Anfragen geradezu "bombardiert" werde. Von mutmaßlichen Gesamteinnahmen bis zu 100 Millionen Dollar hätten Eingeweihte aus dem Weißen Haus angeblich berichtet. Allerdings erscheint diese Summe Verlagsprofis doch etwas hoch gegriffen, hatten die Obamas für ihre Lebenserinnerungen doch gerade mal gut sechzig Millionen Dollar erlöst, Bill Clinton seinerzeit fünfzehn und George W. Bush nur zehn Millionen Dollar.

    © dpa-Bildfunk

    Teure Memoiren?

    Obamas "A Promised Land" wird am 17. November erscheinen und die Messlatte für Trump vermutlich hoch legen, was Auflage und Verkaufszahlen betrifft. Gegenüber der amerikanischen Nachrichtenagentur AP bezweifelten Verleger, dass Trump international eine ähnliche Ausstrahlung hat wie sein Vorgänger, und Spitzen-Honorare rechnen sich nur beim weltweiten Verkauf von Übersetzungsrechten. Allerdings sagte Daisy Blackwell Hutton vom Verlag "Center Street": "Ganz egal, was sie für politische Ansichten haben, jeder Amerikaner hat das Erdbeben in Washington miterlebt. Es werden noch jahrelang Bücher über Trumps Präsidentschaft und die konservative Wende erscheinen."

    Flut von Trump-Büchern zu erwarten

    Schon jetzt ist für nächstes Jahr eine wahre Springflut von Trump-Büchern zu erwarten. Jonathan Martin und Alex Burns von der "New York Times" haben den Präsidenten im Wahlkampf begleitet und planen einen Insider-Report. Brad Parscale, ein früherer Wahlkampfmanager von Trump, schreibt an seinen Memoiren und zahlreiche Ex-Mitarbeiter aus dem Weißen Haus dürften ihre Erfahrungen ebenfalls versilbern wollen.

    Ob siebzig Millionen Wähler auch ähnlich viele Buchkäufer bedeuten ist sehr fraglich, aber der britische "Guardian" witzelte schon, falls Trump keinen Verlag finde, könne er sein Werk ja wie sein Sohn Donald jr. einfach in Eigenverantwortung veröffentlichen. Allerdings passierte dem Junior dabei im vergangenen Juli ein kleines Malheur: Im Untertitel von "Liberal Privilege" hatte sich ein Grammatikfehler eingeschlichen, der den Autor zum Gespött machte.

    Vielleicht will Trump lieber telefonieren

    Die Geschichte hat Trump in gewisser Weise auf seiner Seite: Adrian Zackheim, Verleger von "Sentinel", will beobachtet haben, dass Bücher von rechten Autoren viel populärer sind, solange ein Demokrat im Weißen Haus regiert, wie er AP verriet: "Das ist fast schon eine wissenschaftliche Tatsache." Allerdings kann es durchaus sein, dass Trump gar nicht die Absicht hat, irgendetwas zu Papier zu bringen oder bringen zu lassen, so der "Atlantic". Vielmehr werde der Präsident nach seinem Abschied wohl ständig mit Radio- und Fernsehstationen telefonieren, Joe Biden über Twitter die Hölle heiß machen und womöglich sogar einen eigenen Sender gründen, um dann 2024 abermals anzutreten.

    Trump selbst übt allerdings für seine Verhältnisse schon an der literarischen "Langform", seine Twitter-Meldungen werden immer wortreicher. Zuletzt schrieb er: "Ein Typ namens Al Schmidt, ein Bevollmächtigter und sogenannter Republikaner (dem Namen nach) in Philadelphia, wird von den Fake-News-Medien ganz groß dazu benutzt, immer wieder zu erklären, wie sauber die Wahl in Philadelphia gelaufen ist. Er weigert sich auf den Berg von Korruption und Unaufrichtigkeit zu schauen. Wir gewinnen!" Twitter ergänzte diese Nachricht um den bei Trumps Äußerungen inzwischen üblichen Warnhinweis, die Aussage sei strittig. Bei einem Buch dürfte gerade das jedoch ungemein verkaufsfördernd sein.

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