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"I Will Survive": Film- und Videoinstallationen von Hito Steyerl | BR24

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Ein massives Infektionsgeschehen im Game-Design, apokalyptische Überschwemmungen, Rechtsruck und Roboter-Trainingslager: In ihren Bildern und Videoinstallationen reflektiert Hito Steyerl seit 30 Jahren unsere Welt. Jetzt zu sehen im Düsseldorfer K21.

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"I Will Survive": Film- und Videoinstallationen von Hito Steyerl

Ein massives Infektionsgeschehen im Game-Design, apokalyptische Überschwemmungen, Rechtsruck und Roboter-Trainingslager: In ihren Bildern und Videoinstallationen reflektiert Hito Steyerl seit 30 Jahren unsere Welt. Jetzt zu sehen im Düsseldorfer K21.

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Von
  • Dorothea Breit

In der Filmcollage "Leere Mitte" reflektiert Hito Steyerl die Geschichte des Areals zwischen Potsdamer Platz und Reichstag in Berlin-Mitte. Der Berliner Kongress 1878 und die Kongokonferenz 1884/85 fanden hier statt, Grenzen auf dem Balkan und in Afrika wurden hier festgelegt, nach 1945 wurde Berlin hier unter den Alliierten aufgeteilt. Zu sehen sind historische Aufnahmen, Filmausschnitte rassistischer Tanzrevuen im schnellen Wechsel mit Bildern von Demonstrationen, Aufmärschen von Neo-Nazis und Interviews mit Opfern rassistischer Übergriffe.

© Hito Steyerl/ Andrew Kreps Gallery New York and Esther Schipper Berlin

Hito Steyerl: How Not to Be Seen´A Fucking Didactic Educational

© Hito Steyerl/ Andrew Kreps Gallery New York Ester Schipper Berlin VG BildKunst Bonn 2020

Hito Steyerl: Mission accomplished Belangiege

© Hito Steyerl/ Andrew Kreps Gallery New York Ester Schipper Berlin VG BildKunst Bonn 2020

Hito Steyerl: Strike

© Hito Steyerl/ Andrew Kreps Gallery New York Ester Schipper Berlin VG BildKunst Bonn 2020

Germany to Germans, foreigners out: Hito Steyerl: This is the Future, 2019

© K21/ Hito Steyerl

Hito Steyerl: This is the Future, 2019

© Foto Achim Kukulies Kunstsammlung NRW 2020 VG BildKunst Bonn

Installationsansicht Hito Steyerl K21

© Foto Achim Kukulies Kunstsammlung NRW 2020 VG BildKunst Bonn

Hito Steyerl im K21 Düsseldorf. Installationsansicht von "SocialSim": Die Videoinstallation versinnbildlicht ein Infektionsgeschehen

Eine große Teamplayerin

Hito Steyerl habe ein großes Team für die Bildbearbeitung, sagt die Kuratorin Doris Krystof: "Das wird immer ausgebuffter und elaborierter. In New York gibt es den Designer Ian Growy, der für Steyerl neue Arbeit maßgeblich die Oberflächengestaltungen und die Effekte der fluoreszierenden Infektionsstrahlen mitentwickelt hat, und auch inhaltlich viel mit eingestiegen ist. Das bewundere ich sehr, diese ganzen ausgewählten Kooperationen, diese Kollaborateure, die sie findet, um ihre Arbeiten zu realisieren."

Die Überblicksschau im Düsseldorfer Ständehaus K21 zeigt eine Auswahl von 20 Film- und Videoinstallationen der Künstlerin und Filmemacherin Hito Steyerl. Von Einkanalprojektionen aus den 1990er-Jahren bis hin zu den neuesten raumfüllenden Drei-Kanal-Projektionen.

"Hell Yeah We Fuck Die"

Es ist laut, die Soundtracks der Werke überlagern sich, Bilder flackern. "Hell Yeah We Fuck Die", "Ja verdammt, wir sterben", ist der Titel einer mehrteiligen Installation. Die Wortblöcke in großen Neonlettern stehen als Sitzgelegenheiten herum. Auf den Filmleinwänden purzeln animierte blaue Roboterfiguren durcheinander. Daneben Bilder eines Roboter-Trainingslagers im Südosten der Türkei. Dort erfand der arabische Ingenieur al-Dschazarī im 12. und 13. Jahrhundert einen Automaten, der heute als Vorläufer des Roboters gilt.

Leichter Einstieg und tiefe Funde

Hito Steyerl fügt in ihren Filmessays stets disparate Bildwelten zusammen: im Internet gefundene oder computergenerierte Bilder und Animationen, eigene Aufnahmen und filmhistorische Zitate. Und mit analytischem Blick legt sie konsequent historische Zusammenhänge und Bezüge offen.

Ob Interesse für Essays, an filmhistorischen Zitaten, oder an KI: Der Zugang zu Hito Steyerls Bildern sei sehr divers, man könne auf verschiedenste Weise einsteigen, sagt Krystof: "Es können sehr witzig gemachte, sehr bunte, plakative, mit toller Musik unterlegte Videoclips sein. Aber wenn man dann Lust hat, tiefer einzusteigen, findet man immer mehr und mehr."

Überwachungstechnologie, Robotik und moderne Kriegs- und Medientechnologien: Die Künstlerin nutzt sie souverän und hinterfragt sie zugleich kritisch in ihren Werken, unter Titeln wie beispielsweise: "Ist das Museum ein Kampffeld?“ Die neueste 3-Kanal-Projektion "SocialSim" ist als eine Art 'Museum der sich selbst entwickelnden Kunstwerke' entstanden. Ein Heer von uniformierten Figuren tanzt über drei Wände, verfolgt von grellen roten Strahlenbündeln, die quer durch den Raum über die Besucher hinweg strahlen. Eine Live-Simulation mit Avataren, die aussehen wie Polizisten mit verspiegelten Sonnenbrillen oder wie behelmte uniformierte Soldaten, beinahe wie Hampelmänner.

Orientiert am Game-Design

"Das ist absolut orientiert am Game-Design. Es versinnbildlicht ein zunehmendes Infektionsgeschehen, und das reagiert auf die Einspeisungen nach bestimmten neuen Parametern, die die politische Großwetterlage unserer Zeit bestimmen. Das Rot steht für Infektionen: Jeder rote Strahl – damit infiziert einer den anderen."

"SocialSim", ein anspielungsreiches und zukunftsweisendes Werk, wie alle anderen Arbeiten der Schau. Die setzt bewusst auf Überforderung und rüttelt die Betrachter auf, nachzudenken und sich mit der Komplexität der Gegenwart und der rasanten Entwicklung digitaler Technologien auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung: Hito Steyerl. I Will Survive im Düsseldorfer Ständehaus K21 läuft bis 10. Januar 2021.

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