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Bildrechte: picture alliance / dpa | Armin Weigel

Die Schauspielerinnen während einer Drehpause zur ARD-Serie "Um Himmels Willen" bei der ersten Staffel 2010.

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    Hinter den Mauern: So geht's wirklich zu im Nonnenkloster

    Jeder kennt sie – die Serie "Um Himmels willen". Nun laufen die letzten Folgen. Aber wie nah sind die TV-Geschichten eigentlich an der Realität? Laufen alle Ordensfrauen in schwarzer Kutte herum? Und gibt es auch mal Zickenkrieg hinter Klostermauern?

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    Von
    • Birgit Rätsch
    • Martin Jarde

    Es gibt sie noch, die alten, ehrwürdigen Klöster in Deutschland, mit einer wunderschönen Kirche, in die sich deshalb auch gerne mal Touristen verirren – das Franziskanerinnenkloster in Oberzell ist so ein Prachtbau. Aber wer glaubt, die Ordensfrauen darin seien ebenso Teil einer längst vergangenen Welt, der irrt.

    Beten im Kloster - Aber auch mal mit dem Auto ins Kino

    Hinter dicken Mauern sitzen und den ganzen Tag beten - mit solchen Klischees räumt Schwester Beatrix lieber auf. "Manchmal bin ich überrascht, dass Leute selbst überrascht sind, dass ich und meine Mitschwestern einem Beruf nachgehen, dass wir Auto fahren, dass wir über Geld verfügen, dass wir Kino und anderes Theater gerne besuchen."

    Schwester Beatrix ist Lehrerin an einem heilpädagogisch-therapeutischen Mädchenheim, einem Förderzentrum mit Schwerpunkt emotional-soziale Bindungen. Da kommt ihr entgegen, dass Franziskanerinnen seit 1995 keine strenge Ordenstracht, keinen Habit mehr tragen müssen.

    Jeans und T-Shirt statt Ordenstracht

    Ihre Schülerinnen kennen sie nur in T-Shirt und Jeans, sagt Schwester Beatrix. Als Zeichen ihrer Ordenszugehörigkeit hat sie ihren Ordensanhänger um, eine Medaille, auf der die Muttergottes und der Heilige Franziskus drauf sind. Außerdem trägt sie ihren Professring, den sie zu ihrer Ewigen Profess - dem Versprechen, sich dauerhaft an die Ordensgemeinschaft zu binden - erhalten hat.

    Viele Ordensfrauen sind im Bereich Bildung, Kranken- und Altenpflege und anderen sozialen Diensten tätig – weltweit, dort, wo sie ihr Orden braucht. Die Oberzeller Franziskanerinnen unterhalten beispielsweise in Südafrika ein Heim für Aids-Waisenkinder.

    Klischee: Wer ins Kloster geht, ist weltfremd

    Auch die Bayerische Provinz der Armen Schulschwestern ist im Ausland aktiv, so zum Beispiel in Südamerika. Am Münchner Mariahilfplatz bilden sie angehende Erzieherinnen aus, außerdem ist dort eine Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung. Auch sie kennen Vorurteile, wie Schwester Gisela zu berichten weiß.

    "Ich glaub schon, dass als Klischee noch viel kursiert, dass wir im Kloster weltfremd sind, oder irgendwo verkorkst sein müssen." Schwester Gisela, Arme Schulschwestern

    Wird man nicht seltsam, wenn man auf Dauer ohne Partnerschaft lebt? Und ist Gehorsam nicht so ein Gelübde, das nur etwas für willenlose Herdenmenschen ist? Alles Klischees, mit denen das heutige Klosterleben wenig zu tun hat, sagt Schwester Gisela.

    Leben im Nonnenkloster: "Nicht jede muss beste Freundin sein"

    Orden seien auch keine Sympathiegemeinschaften, so die Ordensfrau weiter. Man habe sich nicht gesucht, sondern sei – wenn auch auf einer gemeinsamen Basis – zusammengewürfelt worden. Da könne es durchaus auch mal "menscheln". Die Kunst sei, das zuzulassen, aber damit professionell umzugehen: "Respekt kann man immer haben. Und dennoch muss ich nicht jeden mögen, gefühlsmäßig, und es muss nicht jede beste Freundin sein", sagt Schwester Gisela.

    Auch die Missionarinnen Christi in München-Sendling haben wenig bis nichts mit der gängigen Vorstellung eines Nonnenklosters zu tun. Sie sind eine junge Ordensgemeinschaft, die Schwestern gehen ihren Berufen nach und leben Armut, Keuschheit und Gehorsam in Wohngemeinschaften, teils in ganz normalen Mietshäusern.

    Ordensfrauen sind treue CSU-Wählerinnen? - "Stimmt nicht so ganz"

    Und, wie auch die Franziskanerinnen, tragen sie in der Regel Alltagskleidung. Würde man ihnen begegnen, käme man nicht auf die Idee, dass man einer Ordensschwester gegenübersteht. Auch ihr Generalat, also ihr Sitz, ist ein Zweckbau aus den 1970ern – also kein monumentales Gebäude.

    Auch gedanklich sind sie alles andere als festgelegt auf eine Partei oder per se konservativ. "Da war eine Besucherin mal ganz erstaunt und hat gesagt, aber ihr Ordensfrauen seid doch sonst immer eher demütig. Und das sehe ich überhaupt nicht", sagt Schwester Karolina. Und auch mit einem weiteren Klischee räumt sie auf: "Ich glaube, manche in den C-Parteien haben sich immer gedacht, die Ordensfrauen sind die treuen Wählerinnen. Das stimmt auch nicht so ganz."

    Also Schluss mit dem Bild demütiger Nonnen ohne rechtes Selbstvertrauen: Die meisten Ordensfrauen sind anders.

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