Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Himmelsstürmer - Woran glauben Astronauten? | BR24

© ARD

Astronaut im Weltall

Per Mail sharen
Teilen

    Himmelsstürmer - Woran glauben Astronauten?

    Astronauten fliegen in den Himmel. Wie wirkt sich das auf ihre Einstellung zu "Gott und der Welt" aus? Verändert sich der Blick auf die Welt durch den Ausflug ins All? Astronauten wie der deutsche Alexander Gerst berichten von ihren Erfahrungen.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Was denken Astronauten über Gott und die Welt? Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltall, wurde oft mit dem Satz zitiert "Ich war im All und habe Gott nicht gefunden". Inzwischen weiß man, dass das Zitat ihm in der damaligen UdSSR zu Propaganda-Zwecken in den Mund gelegt wurde.

    Spielt Religion bei der Vorbereitung auf den Flug ins All eine Rolle?

    Matthias Maurer wird der nächste Deutsche auf der Internationalen Raumstation "ISS" sein. Derzeit trainiert er intensiv für diese lebensgefährliche Mission im All. Der 47-jährige Materialwissenschaftler aus dem Saarland ist ein Pragmatiker und will im Weltraum erkunden, wie Leben entstehen kann. Mit dem Tod ist er schon im Zivildienst als Rettungssanitäter in Berührung gekommen. Aber spielen Glaube und Religion bei seiner Vorbereitung auf den Flug ins All eine Rolle?

    "Das muss jeder für sich entscheiden. Ich denke, ich verlasse mich eher auf das, was ich gelernt habe. Das ist mir in dem Moment dann wahrscheinlich hilfreicher." Matthias Maurer, Astronaut

    Glaube und Gott sind bei der ESA ein schwieriges Thema

    Über den Glauben und Gott zu sprechen, gilt bei der Europäischen Raumfahrtagentur ESA eher als schwieriges Thema. Für den Astronauten und Physiker Reinhold Ewald, der 1997 fast drei Wochen im All und auf der Raumstation Mir verbrachte, schließen sich Wissenschaft und Glauben aber nicht aus: "Mit der Technik wird man weder Gottesbeweise noch Widerlegungen der Existenz Gottes machen können. Das sind ja zwei verschiedene Ebenen."

    Russische Astronauten bringen Ikonen auf die Raumstation mit

    Viele der Astronauten sind gläubige Menschen oder besitzen eine gewisse Spiritualität. An Bord der Mir-Raumstation und an Bord der neuen Raumstation ISS hätten die Russen Ikonen - also Heiligenbilder - mitgebracht, erzählt Ewald: "Da ist schon ein Moment des Nicht-Technischen, das vielleicht auch ein Heimatgefühl, eine Vertrautheit mit nach oben nimmt, die den Menschen angenehm ist."

    Nicht wenige Moonwalker, also Astronauten, die auf dem Mond gelandet sind, nahmen auf die Mondoberfläche die Bibel mit und fanden im Weltall zum Glauben an Gott - trotz all der Technik und Wissenschaft. Es gibt nur noch vier lebende Astronauten, die schon einmal auf dem Mond waren. Charlie Duke von der Apollo 16-Mission ist einer von ihnen. Es gebe bei der NASA keine Vorschriften, die den Glauben verbieten, so der Moonwalker:

    "Bei den Apollo-Missionen hatte Jim Irwin die Bibel mit. Buzz Aldrin hatte bei seinem Flug auf den Mond Abendmahl gefeiert. Und bei Apollo 8 haben sie die Bibel gelesen. Man darf nicht predigen, aber man hat ja seinen persönlichen Glauben." Charlie Duke, Apollo 16

    Gerst: Flug ins All verändert die Sichtweise auf die Welt

    Der Flug ins All selbst war und ist für die meisten Astronauten zwar kein Erlebnis, das sie Gott näherbringt. Es verändert sich aber die Sicht auf die Welt, erzählt Alexander Gerst. Schon zwei Mal ist er zur internationalen Raumstation "ISS" geflogen; 2018 sogar als erster deutscher Kommandant. Multimedial setzte er den Erdball geschickt in Szene - und wirbt für mehr Umweltbewusstsein: "Eines der wichtigsten Dinge, die sich dort oben verändern, ist der Blickwinkel hinunterzuschauen auf die Erde als Ganzes. Ich denke nicht, dass wir uns als Menschen insgesamt verändern, unseren Charakter, aber die Perspektive ändert sich schon ganz deutlich."

    Appell aller Astronauten: Erde muss besser geschützt werden

    Ob Astronauten an Gott glauben oder nicht - eines haben alle gemeinsam: Bei der Rückkehr ist ihnen klar, dass die Erde besser geschützt werden muss. Die Menschen seien gerade auf dem Wege, vieles zu schädigen, das irreparabel ist, so Reinhold Ewald: "Mit dieser Botschaft, ob man sie nun religiös nennen will oder Respekt vor der Schöpfung - oder ob man sagt, das ist eine Überlebensstrategie -, kommen sicher alle Astronauten und Astronautinnen wie nach Hause."