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Eda Cimsit und Cennet Uslu betreiben gemeinsam den Instagram-Account "Hijabis on tour".

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Hijabis on tour: Wenn Frauen mit Kopftuch reisen

Jordanien, Tunesien, Türkei - besonders wohl gefühlt haben sich Eda Cimsit und Cennet Uslu aber im Vatikan. Als "Hijabis on tour" berichten die zwei Frauen von ihren Reisen mit Kopftuch. Was sie erlebt haben, verraten sie im Podcast "Primamuslima".

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Von
  • Andrea Neumeier
  • BR24 Redaktion

Eda Cimsit und Cennet Uslu haben sich eigentlich vorgenommen, niemandem Geld zu geben, wenn sie auf Reisen sind. In der Regel halten sich die beiden Hijabis, die auf Instagram den Kanal "Hijabis on tour" mit ihren Reise-Impressionen füllen, auch an diese Abmachung.

Spirituelle Momente auf Reisen

Doch am Ende einer Reise hatten sie noch etwas Geld in der Urlaubskasse übrig. Als sie mit der U-Bahn unterwegs waren, hörten sie zufällig das Telefonat eines Vaters mit, der sein Leid klagte, weil er das Geld für eine Chemotherapie nicht hatte. Dabei ging es genau um die Summe, die die beiden Frauen noch in ihrer Reisekasse übrig hatten. Eda und Cennet drückten dem Vater das Geld in die Hand und stiegen aus. Schicksal nennen die beiden jungen Frauen diesen Moment.

Heute sind reisende Musliminnen selbstverständlich geworden

Im BR-Podcast Primamuslima mit Moderatorin Merve Kayikci erzählen Eda Cimsit und Cennet Uslu von vielen inspirierenden Begegnungen und weshalb sie das Reisen so bereichert. Die beiden Freundinnen haben sich beim Psychologiestudium kennengelernt und reisen seit 2011 gemeinsam um die Welt - immer mit Hijab, also mit muslimischer Kopfbedeckung. Reisende Musliminnen seien inzwischen selbstverständlich, erzählen sie. Noch vor neun Jahren seien sie die ersten Frauen in ihrem Umfeld gewesen, die gereist sind. "Alle anderen wollten es auch. Aber keine hat sich getraut, es zu sagen", sagt Cennet Uslu.

"Das kannst du machen, wenn du verheiratet bist."

Nach dem "Hadith" - einer Überlieferung des muslimischen Propheten Mohammed - sollen Frauen nicht alleine, ohne männliche Begleitung, reisen. Für Eda und Cennet ist diese Regel nachvollziehbar, weil das Reisen früher mit einem Kamel durch die Wüste gefährlich war - allerdings für alle Menschen: "Nicht-muslimische Frauen haben das früher auch nicht gemacht", sagt Cennet.

Deshalb können die beiden Hijabis auch gut nachvollziehen, dass die reisenden Töchter für ihre Eltern anfangs ungewohnt waren: "Meine Mutter hat oft gesagt, das kannst du machen, wenn du verheiratet bist. Das signalisiert: Dein Leben fängt erst mit einem Mann an." Eda und Cennet erzählen, oft mit ihren Eltern darüber gesprochen zu haben. "Ich lebe jetzt und nicht, wenn ich verheiratet bin. Ich bin 30 Jahre alt und nicht verheiratet. Ich bin in meiner Umgebung heute keine Ausnahme mehr", sagt Cennet. So verändert sich auch die Sicht ihrer Familien auf das Reisen.

Auf Reisen wachsen sie über sich selbst hinaus

Den beiden Freundinnen ermöglichen die Reisen, über sich selbst hinauszuwachsen. "Ich habe Höhenangst. Aber trotzdem möchte ich die Dinge ausprobieren", sagt Eda. Für sie war eine Bergbesteigung in Jordanien eine "mega Mutprobe". Objektiv betrachtet war das Problem nicht der hohe Berg, sondern Edas Angst. "Meine Angst blockiert mich in der Situation", sagt die Muslima. Trotzdem sei es für sie ein prägendes Erlebnis gewesen, die Wanderung trotz Angst geschafft zu haben.

Reisen macht sie gelassener

Reisen hat für die Hijabis auch immer etwas Spirituelles. Eine weitere Überlieferung des Propheten Mohammed sagt, dass man erst für eine andere Person bürgen kann, wenn man mit ihr auf Reisen war. Erst dann kenne man die anderen Person so gut, um ihr vertrauen zu können. Eda und Cennet vertrauen sich nicht nur gegenseitig, sondern auch darauf, auf ihrem Weg geleitet zu werden. Bei ihren ersten Reisen ärgerten sie sich noch, wenn sie sich verliefen. Mittlerweile haben sie herausgefunden, dass sie dann die schönsten Cafés entdecken und die interessantesten Gespräche mit den Einheimischen führen. Das Wort "verlaufen" haben die beiden mittlerweile aus ihrem Wortschatz gestrichen.

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