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Helmut Dietl Statue an der Leopoldstraße aufgestellt | BR24

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Am Dienstag wurde die Skulptur des verstorbenen Filmregisseurs Helmut Dietl eingeweiht. Irgendwann soll sie neben derjenigen des unvergessenen "Monaco Franze" aufgestellt werden. Bis dahin geht die Dietl-Statue auf Wanderschaft durch München.

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Helmut Dietl Statue an der Leopoldstraße aufgestellt

Am Dienstag wurde die Skulptur des verstorbenen Filmregisseurs Helmut Dietl eingeweiht. Irgendwann soll sie neben derjenigen des unvergessenen "Monaco Franze" aufgestellt werden. Bis dahin geht die Dietl-Statue auf Wanderschaft durch München.

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Von
  • Peter Jungblut

Er sitzt vor einem Hotel in einem Bistro-Stuhl, als ob er auf seinen Fahrer wartet oder mal sehen will, welcher Promi als nächstes auftaucht: Helmut Dietl ist jetzt an der Münchner Leopoldstraße 162 ("Schwabinger Tor") zu sehen, ganz entspannt, wie es sich für einen Schwabing-Fan gehört. Mit Haartolle, lässig umgeworfenem Schal und übereinander geschlagenen Beinen macht er sich an einem eher unwirtlichen Ort zwischen lauter Neubauten gemütlich, die Hände in den Schoß gelegt. Er will es offenbar ruhiger angehen lassen, was ihm nicht zu verdenken ist, so viel beschäftigt, wie er einst war.

Wegen der Pandemie keine Einweihungsfeiern

Helmut Dietl starb am 30. März 2015. Kurz darauf regte eine Teilnehmerin bei einer Schwabinger Bürgerversammlung an, doch ein Denkmal zu schaffen. Drei Jahre später beauftragte die Betreiberfamilie des "Café Münchner Freiheit" den Künstler Nikolai Tregor damit, eine Bronze-Skulptur des unvergessenen "Monaco Franze"- und "Kir Royal"-Serien-Machers anzufertigen. Nach wie vor soll die Figur einst ihren Platz vor dem Schwabinger Café bekommen, dort, wo auch schon eine Plastik des 1997 verstorbenen Schauspielers Helmut Fischer ("Monaco Franze") aufgestellt wurde. Doch weil die Corona-Pandemie gerade keine großen Einweihungsfeiern möglich macht, so Karl Eisenrieder Jr. vom Café im September gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", muss die Dietl-Bronze bis auf Weiteres anderswo unterkommen. In der nächsten Zeit wird sie also auf "Wanderschaft" durch die Landeshauptstadt gehen, und erste Station ist jetzt die Straßenecke Leopoldstraße/Parzivalstraße.

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Helmut Dietl an der Leopoldstraße

90.000 Euro soll die Plastik gekostet haben, aber um die Finanzierung gab es ebenfalls ein Durcheinander: Die 70.000 Euro, die bei einer Spendensammlung zusammenkamen, wurden an die Geldgeber wieder zurückgezahlt, weil es laut "Süddeutscher Zeitung" hieß, der Künstler Nikolai Tregor habe Schulden und unterliege möglicherweise der Pfändung. Außerdem stellte sich heraus, dass die Freischankfläche vor dem Café öffentlicher Grund ist, auf dem Privatleute nicht einfach eine Plastik aufstellen dürfen. Zuständig ist vielmehr eine "Kommission für öffentliches Gedenken". Letztlich wird es aber wohl keine unüberwindlichen Widerstände geben, Dietl an diesem angemessenen Ort ein Plätzchen einzuräumen.

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Unwirtliche Kulisse

Nikolai Tregor wurde 1946 in Zug in der Schweiz geboren und ist ausgebildeter Bronzegießer. 1966 eröffnete er in der Schwabinger Schellingstraße seinen ersten Betrieb, wo er auch als Bildhauer und Medailleur tätig ist. Zu seinen Werken gehören neben der Dietl-Figur Denkmäler für Sophie Scholl im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität, Sergiu Celibidaches und Lorin Maazel an der Philharmonie am Gasteig und Franz-Josef Strauß in der Bayerischen Staatskanzlei. Auch eine Ton-Plastik von Papst Benedikt XVI. schuf der Künstler. Zu seinem Porträt von Dietl sagte der Bildhauer der "Abendzeitung": "In den Gesichtszügen der Figur ist zu erkennen, dass Dietl etwas Spöttisches hat und er lächelt dabei auch etwas verschmitzt."

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Blick auf die Straße

Drei Wochen lang soll Dietl jetzt erst mal am "Schwabinger Tor" sitzen, zwischen schicken, aber auch etwas belanglosen Neubauten und mit Blick Richtung Parzivalstraße, wo weiter hinten das Schwabinger Krankenhaus steht. Nicht gerade eine quirlige, mondäne Ecke, eher ein etwas windiges Eck an einer Ausfallstraße. Doch der Regisseur der Gesellschaftssatiren "Kir Royal" und "Monaco Franze - der ewige Stenz", von "Rossini" und "Schtonk!" hätte sicherlich auch in so einer Kulisse unterhaltsame Geschichten aufgespürt.

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Da wäre noch Platz: Helmut Fischer-Plastik

Eines Tages, soviel steht fest, werden es sich die leidenschaftlichen Schwabinger nicht nehmen lassen, ihre beiden TV-Helden gemeinsam dort zu feiern, wo das Herz des Münchner Künstlerviertels schlägt: An der Münchner Freiheit. Ob es dann auch noch für eine Portion Eis für Dietl reicht? Helmut Fischer nämlich sitzt am Tisch und gönnt sich ein paar Kugeln, Dietl scheint eher in Gedanken verloren und keinen Appetit auf eine nachmittägliche Süßigkeit zu haben.

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