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Sängerin Nena auf der Bühne

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    Helge Schneider bis Nena: Künstler hadern mit Corona-Auflagen

    Nach langer Corona-Zwangspause ist die Lust auf Live-Musik groß, Konzerte unter Corona-Bedingungen aber sind schwierig. Helge Schneider brach einen Auftritt ab, Nena wetterte auf der Bühne gegen Hygiene-Regeln. Es gibt jedoch auch positive Stimmen.

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    • BR24 Kultur

    Helge Schneider hat am vergangenen Freitag ein Konzert beim "Strandkorb Open Air" in Augsburg abgebrochen. Das Corona-Konzept, zu dem auch gehörte, dass das Publikum am Platz bedient wird, brachte ihm zu viel Unruhe.

    "Es macht wirklich keinen Spaß", sagte Schneider. "Man kriegt keinerlei Kontakt zum Publikum. Das System ist einfach fadenscheinig und dumm." Damit verließ der Musiker und Entertainer die Bühne. Schneider verwahrte sich jedoch gegen eine Vereinnahmung: "Querdenker und Co können ihre Instrumentalisierung stecken lassen", schrieb er auf Twitter.

    Nena wettert gegen Corona-Auflagen

    Nach langen Monaten leerer Bühnen und abgesagter Auftritte erproben Veranstalter derzeit pandemiekonforme Konzepte und Formate: Abstandsregeln, Maskenpflicht, Open Air-Veranstaltungen. Bei "Unter freiem Himmel" auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld trat am Sonntag Nena auf. Dort äußerte sie sich zum Hygiene-Konzept.

    Die Zuschauer hätten in jeweils abgegrenzten Bereichen bleiben müssen, als das nicht passierte, unterbrach die Musikerin das Konzert: "Mir wird gedroht, dass sie die Show abbrechen, weil ihr nicht, wie sie es nennen, in Eure 'Boxen' geht", sagte Nena. Und brachte dann die persönliche Entscheidungsfreiheit in einen allgemeinen Gegensatz zu Regeln, in diesem Fall Corona-Regeln: "Ich überlasse es in eurer Verantwortung, ob ihr das tut oder nicht, das darf jeder frei entscheiden, genauso wie jeder frei entscheiden darf, ob er sich impfen lässt oder nicht." Unter dem Jubel ihrer Fans rief Nena, bei ihr sei jeder willkommen. Und weiter: "Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern die Frage ist, was wir mit uns machen lassen."

    Eric Clapton will nicht nur vor Geimpften spielen

    Auf Telegram wurde Nena für ihr Statement zum Beispiel von Michael Wendler gefeiert: "RESPEKT, LIEBE NENA". Instagram hatte Wendlers Account im Februar gelöscht, weil er gegen die Richtlinien verstoßen und Verschwörungstheorien verbreitet habe. Nena selbst hatte im März mit einer Insta-Story für Diskussionen gesorgt, in der sie Dank an eine Querdenker-Demo in Kassel sendete und Xavier Naidoo für die Musik ihres Posts dankte. Auch Naidoo ist umstritten wegen seiner Nähe zu Rechtsextremen und verschwörungstheoretischer Positionen nicht nur zur Corona-Politik.

    Wie gehen Musikerinnen und Musiker damit um, dass ihre Konzerte nun unter strengen Auflagen stattfinden sollen? Während die einen sich darum bemühen, ihre Veranstaltungen für das Publikum möglichst sicher zu machen, spielt dieser Aspekt bei manch anderem offenbar keine Rolle. Erst vergangene Woche hatte Eric Clapton bekanntgegeben – ebenfalls bei Telegram auf dem Kanal des italienischen des Architekten und Filmproduzenten Robin Monotti – , er werde nicht vor einem "diskriminierten Publikum" spielen. Wenn seine Konzerte nicht frei zugänglich seien, behalte er sich das Recht vor, die Show abzubrechen. Vorausgegangen war die Ankündigung der britischen Regierung, ab Herbst Impfpässe für Veranstaltungen zu verlangen. Eine klares politisches Statement Claptons also, für das er auf Telegram zusammen mit seinem Musikerkollegen Van Morrison als "Stimme des Widerstands in der Pandemie" gelobt wurde.

    "Danke, Rosenheim" sagt Fury in the Slaughterhouse

    Nicht alle sehen die Sache so prinzipiell und so kritisch: Die Hannoveraner Rockband Fury in the Slaughterhouse ist am 23. Juli in Rosenheim aufgetreten, wie Helge Schneider in der "Strandkorb Open Air"-Reihe. Die Rocker bekundeten einerseits Verständnis für Schneider, "andererseits nicht", wie sie auf Facebook schreiben. Sie hätten sich zu Hause gefühlt. "Und das heißt schon was!"

    Bessere Konzepte für Live-Konzerte entwickeln

    Vielleicht lässt sich ja auch aus der Not eine Tugend machen: Der Singer Songwriter Thees Ullmann, der im vergangenen Jahr bei den "Picknick-Konzerte" in Dresden und Leipzig aufgetreten war, hatte damals die konzentrierte Atmosphäre gelobt: Wo kein Rumtanzen möglich sei, könne eine "feierliche Stimmung" entstehen.

    Konzentration hat Helge Schneider nun gerade vermisst. Als Corona-Maßnahmen-Skeptiker möchte er aber offensichtlich nicht verstanden werden. In einem auf Facebook veröffentlichten Video nahm er noch einmal Stellung. Er habe den Auftritt "aufgrund massiver Störungen seitens der Gastronomie" abgebrochen, sagte er. "Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen – zu besseren Konditionen." Viele Leute hätten das verstanden, und bei denen wolle er sich bedanken, so Schneider weiter. Die klare Ansage laute außerdem: Die Tournee geht weiter. Das lässt sich wohl weniger als Grundsatzkritik daran verstehen, dass es überhaupt Corona-Auflagen gibt, sondern eher als Aufruf, bessere Lösungen zu finden. Fest steht: Der Hunger nach Live-Musik ist groß.

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