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Helge Schneiders neue Platte ist ein großer Wurf | BR24

© Bayern 2

Bodenständiger Dadaist, Meister des Ruhrpott-Idioms, Jazzer auf vielen Instrumenten: Helge Schneider schreibt auch mit seiner neuen Platte "Partypeople (beim Fleischer)" sein Kunstprojekt zwischen Groteske und Melancholie fort. Schräg, böse, groß.

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Helge Schneiders neue Platte ist ein großer Wurf

Bodenständiger Dadaist, Meister des Ruhrpott-Idioms, Jazzer auf vielen Instrumenten: Helge Schneider schreibt auch mit seiner neuen Platte "Partypeople (beim Fleischer)" sein Kunstprojekt zwischen Groteske und Melancholie fort. Schräg, böse, groß.

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"Es war schöner Tag mit dir, auffer Kirmes", singt er, dieser Barde Helge Schneider auf seinem aktuellen Album: "Partypeople (beim Fleischer)". Noch vor Kurzem verkündete er auf einer seiner letzten Platten: "Schade, dass dies meine letzte Schallplatte sein wird, die ich hier in diesem schönen Studio mache." Ja, wer den Kirmesblues hat, der kommt schon einmal mit so einer Message rüber. Aber wir alle wissen: Is doch albern, der Helge macht noch viele solcher Platten, wetten? Sacht der Helge: "Das ist doch albern, ne? Der Helge, das ist doch ein Alberner. Alberner, Helge, ne?"

Konkrete Poesie

Aber nein, dies hier ist überhaupt nicht albern, sondern bitterbös und ernst: Der Dadaist Tristan Tzara hatte 1929 einen Text verfasst, in dem es nur hieß: "brüllt", eine ganze Partiturseite lang. Ein wahrlich beklemmendes Stück konkreter Poesie. Und Helge Schneider ist weiß Gott gebildet genug, zu wissen, dass ostentativ vorgetragene Lautmalereien – wie diese hier: "Trapp, Trapp, Trapp" – ganz schnell zu dem werden, worüber sich ein Teil der Welt den Kopf zerbricht. Und wer es dann noch nicht kapiert hat, dem gibt Helge den passenden Refrain mit auf den Lebensweg: "This song is a political song."

Er macht das schon ganz richtig: Die einen halten ihn noch immer für einen schwachsinnigen Dilettanten und wünschen ihm und seiner Kunst zuweilen das Schlimmste. Die anderen entdecken auch in dieser letztlich immer wieder immer gleichen, immergrünen Helge-Scheibe ein Ostinato, eine fortwährende Mahnung: Ehret die Ver-Rückten, denn sie treten beizeiten beherzt beiseite und hören wahrlich Gras wachsen und Flöhe husten.

Jazzer mit Gespür für aufrichtiges Sentiment

Mit dem Helge ist es wie mit Thelonious Monk, Van Morrison, Miles Davis oder Sun Ra: Interviews sind schwierig oder finden erst gar nicht statt. Denn was soll man machen? Ist doch schon alles in der Musik. Oder in den Filmen, den Sketchen. Miniaturen des Absurden: Peter und Rudi, Ernst und Hans oder Klaus mit Helmut und Erwin.

Dass Helge Schneider nicht nur ein famoser, weil hintersinniger Kabarettist ist, ein traurig-genialer musizierender Wiedergänger eines Buster Keaton vielleicht, sondern auch ein Jazzmusiker mit einem tiefgründigen Gespür für aufrichtiges Sentiment und authentisch belebter Tradition, macht dieses Stück deutlich: "Saxophonoutlet" ist sein Titel. Schneider hat übrigens, wie ganz zu Anfang seiner Tätigkeit als Helge, sämtliche Instrumente selbst eingespielt. Da darf schon mal das eine oder andere schiefe Tönchen tönen. Danach sollten Sie bitteschön alle Platten von Ben Webster und Coleman Hawkins anhören, um nachzuprüfen, dass dieses Helge-Schneider-Album wieder einmal ein großer Wurf geworden ist.

© Cable Car (Alive)

Helge Schneider, "Partypeople (beim Fleischer)"

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