BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Helfen im Hospiz: Ein "luxuriöses" Ehrenamt | BR24

© BR

Ilona Emser ist eine von rund 7.000 ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfern in Bayern.

Per Mail sharen

    Helfen im Hospiz: Ein "luxuriöses" Ehrenamt

    Hospizhelferin Ilona Emser begleitet Menschen am Ende ihres Lebens. Sie hat keine fixen Aufgaben abzuarbeiten. Es geht darum, sterbenskranke Menschen nicht alleine zu lassen. Wir treffen sie bei einem Paar: Einer der beiden muss wohl bald gehen.

    Per Mail sharen

    Ihr Ehrenamt bezeichnet Ilona Emser als großen "Luxus". Die 43-jährige Verlagsassistentin aus München ist eine von rund 7.000 ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfern in Bayern, die sterbenskranken Menschen Zeit und Zuwendung schenken.

    "Den Tag mit Leben füllen"

    Ilona Emser radelt zur Wohnung von Gerhard Geier und Bernd Köhler. Bevor sie eintritt, desinfiziert sie sich die Hände und setzt die Maske auf – eine Krebserkrankung duldet keine lockeren Regeln. Gerhard liegt im Wohnzimmer und freut sich über ihren Besuch: "Es ist halt immer wieder schön, wenn ich weiß, dass du da bist", begrüßt sie der 70-Jährige.

    Ilona Emser hat ihre Ausbildung zur ehrenamtlichen Helferin beim Christophorus Hospiz Verein in München gemacht. Das ist viel mehr als nur ein Kurs: Sie lernte, dass es nicht darum geht, Leben mit Tagen, sondern Tage mit Leben zu erfüllen. Sie erfuhr, welche Krankheiten wie verlaufen. Und wie man einen vertrauensvollen Kontakt aufbaut.

    Viele Bewerber bringen eine persönliche Vorgeschichte mit, wenn sie sich ausbilden lassen. Bei Ilona Emser stand etwas anderes im Vordergrund: Ihr sei aufgefallen, dass das Thema Tod und Sterben offenbar keinen "ausgeprägten Fluchtreflex" bei ihr auslöst: "Ich bin jetzt seit fünf Jahren beim Christophorus-Hospiz und im Regelfall hab ich das Gefühl, ich bin am richtigen Platz, und das ist ein schönes Gefühl."

    Vier Stunden pro Woche

    Die sogenannte Einsatzleitung bringt Patienten und Helfer zusammen. Zur Seite stehen den ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfern Palliativmediziner, Kommunikationstrainer, Seelsorger und andere Referenten aus allen wichtigen Bereichen. Jede Helferin, jeder Helfer betreut nur eine Person. Der Zeitaufwand beträgt etwa vier Stunden pro Woche. Manchmal auch mehr, wenn die Chemie so stimmt wie bei Ilona Emser und Gerhard Geier.

    "Wichtig ist, dass es eine Konstante gibt und ich das Gefühl habe, dass sie gerne kommt. Nicht nur, weil sie sich freiwillig zur Verfügung gestellt hat. Wir schauen da nicht auf die Uhr. Letztes Mal wollte sie um sechs Uhr gehen und um sieben Uhr saß sie immer noch da." Gerhard Geier, Palliativ-Patient

    Unterstützung mit Abstand für Angehörige

    Aber auch Partner und Familienangehörige brauchen manchmal Unterstützung. Wie Bernd Köhler, der mit Gerhard Geier verheiratet ist.

    "Die Frau Emser ist eine ganz große Hilfe. Weil es gibt ja auch Situationen, die man mal mit jemandem besprechen möchte, der nicht so involviert ist, der auch ein bisschen Abstand hat. Mit einem Außenstehenden kann man über manche Sachen anders reden als mit jemandem, den man liebt." Bernd Köhler, Ehepartner

    Ehrenamt als Privileg

    Ilona Emser selbst empfindet ihre Arbeit für schwerkranke Menschen als Privileg, als "luxuriös", wie sie sagt:

    "Wir haben keinen praktischen Auftrag. Wie müssen nichts erledigen. Wir sind keine Physiotherapeuten, keine Seelsorger, keine Palliativ-Pflegefachkräfte, sondern wenn wir kommen, das hat nichts Stressiges. Wir müssen nichts, genau, das ist wirklich was ganz Tolles." Ilona Emser, Hospizhelferin

    Nach zwei Stunden ist ihr heutiger Besuch bei Gerhard Geier und Bernd Köhler zu Ende. Beide konnten dadurch ein bisschen Kraft tanken, eine Pause vom schwierigen Alltag machen. Die beiden hatten das Glück, von den ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfern erfahren zu haben. Und den Mut, sich helfen zu lassen.

    Interessieren Sie sich für Themen aus Religion, Kirche, Glaube und Spiritualität? Unser Newsletter hält sie auf dem Laufenden - jeden Freitag frei Haus. Hier geht's zum Abo.