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Der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm

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    Heinrich Bedford-Strohm: Botschafter auf allen Kanälen

    Er ist das Gesicht der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. In dieser Funktion versteht er sich vor allem als Botschafter seiner Kirche. Ein Botschafter auf allen Kanälen.

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    Von
    • Tilmann Kleinjung

    Seit einem Jahr legt die Corona-Pandemie das öffentliche und kirchliche Leben weitgehend lahm. Wo Nähe gefragt ist, muss die Kirche auf Distanz gehen. Heinrich Bedford-Strohm, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), fällt das schwer. Er warnt vor den seelischen Folgen der Corona-Pandemie: "Wir spüren alle die Verwundung in der Gesellschaft. Die Geduld geht zu Ende. Die seelischen Inzidenzen gehen steil nach oben." Ihm ist es wichtig, Zuversicht und Hoffnung zu spenden.

    Botschaft an Karfreitag

    Zum zweiten Mal schwebt die Corona-Pandemie wie eine dunkle Wolke über dem Osterfest. Öffentliche Gottesdienste dürfen zwar nun doch gefeiert werden, allerdings nur mit strikten Zugangsbeschränkungen sowie Hygiene- und Schutzmaßnahmen. In dieser Karwoche erinnert vieles an die Gedanken, die den Karfreitag des vergangenen Jahres prägten.

    "Wie selten zuvor verschränkt sich die Geschichte dessen, was wir an diesem Karfreitag erzählen und woran wir denken, mit den Erfahrungen von uns allen in diesen Tagen. Es geht um Verzweiflung. Es geht um Angst vor der Zukunft. All das hat Jesus gespürt, und das spüren Menschen jetzt auch. Und deswegen ist heute der Tag, an dem wir das Leid wahrnehmen, nicht vor dem Leiden davonrennen." Heinrich Bedford-Strohm, Bayerischer Landesbischof

    Ein Botschafter auf allen Kanälen

    Heinrich Bedford-Strohm sieht in Medien keine Bedrohung. Auch nicht in sozialen Medien. Er sucht die große Bühne, weil sie ihm ein großes Publikum ermöglicht, in Zeiten, in denen die Kirchen leerer werden. Frühaufsteher können dem Bischof im Englischen Garten begegnen, wenn er für Instagram und Facebook eine kurze Botschaft aufnimmt, ausgestattet mit Selfie-Stick und Smartphone. "Das ist eine große Ressource“, schwärmt er und legt Wert auf die Feststellung, dass er Online-Kommentare selbst beantwortet. Der 61-Jährige widerlegt das Klischee von spaßbefreiten Protestanten, er ist der Sunnyboy der evangelischen Kirche, der "Chef des größten Gutmenschenclubs der Republik", lästert eine Zeitung. Und das Netz, das er so liebt, liebt ihn spöttisch zurück als "ergrauten Konfirmanden", wie einer schreibt, "mit Bubencharme". "Dass ich jetzt gerne mal lächle, kann ich auch nicht ändern", sagt Bedford-Strohm gelassen, "aber das hält mich überhaupt nicht davon ab, die Probleme anzuschauen."

    Bedford-Strohm kann auch polarisieren. Vor allem sein Engagement für die private Seenotrettung von Bootsflüchtlingen ist innerhalb und außerhalb der Kirche nicht unumstritten. Bedford-Strohm hat sich dennoch dafür eingesetzt, dass mit Hilfe der EKD ein weiteres Rettungsschiff ins Mittelmeer geschickt wird.

    "Die Alternative, wenn man nicht rettet, ist, dass Menschen ertrinken. Es kann nicht sein, dass man einen Ansatz verfolgt, nach dem die Rettung von Menschenleben verhindert wird aus Abschreckungsgründen." Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender

    Die Zukunft der Kirche ist ökumenisch

    Die Zukunft der Kirche liegt für Heinrich-Bedford-Strohm in der Ökumene. In Kardinal Reinhard Marx hat er einen Verbündeten gefunden. "Ich habe ihn ja schon gekannt, als er noch Professor war. Er schien mir nicht unsympathisch", erzählt Marx. Der Kardinal und der Landesbischof pflegen eine Ökumene der kurzen Wege, sie mögen und kennen sich aus München. Eine Zeitungsschlagzeile fragte im Jubiläumsjahr der Reformation 2017: "Gibt’s die auch einzeln?" Rund um den 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag hat die Ökumene tatsächlich gegen jede Erwartung einen neuen Schub bekommen. Und das liegt auch und vor allem an den beiden damaligen Vorsitzenden von EKD und katholischer Bischofskonferenz.

    Mehr über Heinrich Bedford-Strohm erfahren Sie in dem Film Botschafter auf allen Kanälen. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Ein Porträt von Tilmann Kleinjung am Mittwoch, den 31. März um 19 Uhr im BR Fernsehen und in der Mediathek.