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Heilige Hallen: Wie lebt es sich in einem ehemaligen Kloster? | BR24

© picture alliance / imageBROKER | Caroline Kreutzer

Kreuzgang des Karmelitenklosters, Kloster St. Maria und St. Theodor am Kaulberg, Bamberg

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    Heilige Hallen: Wie lebt es sich in einem ehemaligen Kloster?

    Ordensgemeinschaften leben oft in imposanten Bauten. Doch wegen Nachwuchsmangel müssen sie sich immer öfter von traditionsreichen Klöstern trennen. Manche von ihnen werden in Wohnimmobilien umgewandelt. Wie ist es, in einem alten Kloster zu leben?

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    Von
    • Iris Tsakiridis
    • Martin Jarde

    Zu Besuch bei Michael Jarnach. Er wohnt im Kloster Polling. Im Pfaffenwinkel zwischen Weilheim und Peißenberg gelegen, ist das Kloster bekannt für den Spruch: Liberalitas Bavarica. In goldenen Lettern prangen die Worte, die später zur berühmten "Liberalitas Bavariae" geworden sind, über dem Eingang der imposanten Klosterkirche.

    Wohnen hinter meterdicken Klostermauern

    Sie ist umgeben von verschiedenen Gebäuden, in einem ist ein Hospiz untergebracht. Der ehemalige Bibliothekssaal wird für Konzerte genutzt. Aber auch Privatleute wie Michael Jarnach haben im Kloster ihr Zuhause.

    "Die Wände, muss man sagen, sind hier teilweise über einen Meter mächtig. Und das ist natürlich ein Gefühl, sich hier zu bewegen, das man normalerweise vielleicht in einem Museum hat oder in einem historischen Schloss." Michael Jarnach

    Die Struktur des Gebäudes zeigt immer noch, welchen Zweck es einst hatte: An langen Gängen sind die Räume wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Dies zieht sich über drei Stockwerke. Die Familie wohnt im ersten Stock. Die drei Kinder sind längst erwachsen, jetzt wohnt Michael Jarnach mit seiner Frau dort. Eine breite Holztreppe führt hinauf zu den Wohnräumen.

    Daheim im Kloster Polling - erbaut um das Jahr 750

    Besonders imposant sind die 3 Meter 70 hohen Gänge: Die angedeuteten Gewölbe sind mit Stuck verziert. Gemälde mit biblischen Szenen und Antiquitäten aus Familienbesitz kommen durch die Fülle an Platz besonders gut zur Geltung. Gegründet wurde das Kloster Polling um 750 als Benediktinerkloster, später wurde es in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt. 1803 wurde das Kloster säkularisiert.

    Ein breiter Gang von dem fünf Zimmer wegführen. So wohnt der 66-jährige Biologe. 1982 ist er mit seiner Familie aus Düsseldorf hergezogen. Michael Jarnachs Vorfahren haben die Räumlichkeiten bereits vor 200 Jahren erworben.

    Schwierige Themen: Barrierefreiheit und Wärmedämmung

    Solche Räume im Winter immer warm zu bekommen, ist schwierig. Und auch andere Fragen tauchen auf, gerade im Alter: Thema Barrierefreiheit – schließlich sind die Wege in einem solchen Kloster weit. Vielleicht kann ein Lift helfen? Auch das ist in diesem historischen Gemäuer gar nicht so einfach.

    "Die Originalsubstanz möglichst Original zu erhalten und keine irreversiblen Veränderungen daran vorzunehmen, ist eigentlich ein oberstes Gebot für das Wohnen in so einem historischen Gebäude." Michael Jarnach

    Trotz mancher Tücken: Michael Jarnach wohnt ganz bewusst und gerne hier.

    Bamberg: Zweizimmerwohnung im Kloster für 300.000 Euro

    Wohnträume weckt auch eine Jahrhunderte alte Immobilie mitten in der Bamberger Altstadt, nur wenige Meter vom Dom entfernt: Ein Kloster mit kostbarem romanischen Kreuzgang. Es wurde verkauft, denn für die Bamberger Karmeliten war der Klosterkomplex zu groß geworden. Er stammt im Kern aus dem 12. Jahrhundert.

    Das Gebäude wird unter Berücksichtigung der Denkmalschutzvorgaben kernsaniert. Erik Roßnagel ist Geschäftsführer der Nürnberger Immobilien- und Treuhandgesellschaft Terraplan und derzeit mit dem Umbau beschäftigt. Insgesamt entstehen 87 Eigentumswohnungen. Eine Zweizimmerwohnung ist ab 300.000 Euro zu haben.

    Weiterhin Ort der Begegnung

    Ein Eintrag im Grundbuch des Klosters stellt sicher, dass der Kreuzgang trotz Verkauf und Umnutzung der Immobilie für die Allgemeinheit auf Dauer zugänglich ist, erklärt Roßnagel. Das Kloster war ein Ort der Begegnung und soll es auch weiterhin sein.

    "Wir hoffen sehr, dass die Bamberger nicht Abschied nehmen vom Kloster, sondern unsere Sanierung als Einladung begreifen." Erik Roßnagel

    Das Bamberger Kloster sei ein wichtiges Denkmal und solle es auch weiter bleiben. So werden auch während der Bauzeit weiterhin Klosterkonzerte organisiert und durchgeführt.

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