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"Haus der Religionen" startet in einer Münchner Kirche | BR24

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Bildrechte: picture alliance / Friso Gentsch/dpa | Friso Gentsch

Vertreter verschiedener Religionen in München planen seit 2017 ein gemeinsames Haus der Kulturen und Religionen. Jetzt geht das Projekt in die Pilotphase. Die evangelische Nazarethkirche hat dafür Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

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"Haus der Religionen" startet in einer Münchner Kirche

Vertreter verschiedener Religionen in München planen seit 2017 ein gemeinsames Haus der Kulturen und Religionen. Jetzt geht das Projekt in die Pilotphase. Die evangelische Nazarethkirche hat dafür Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

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Von
  • Barbara Weiß

Juden, Christen, Buddhisten und Muslime unter einem Dach vereinen, um gemeinsam zu beten, zu feiern oder einfach nur zu reden – das ist die Idee des Hauses der Kulturen und Religionen. Menschen unterschiedlichen Glaubens sollen sich hier kennenlernen und austauschen können. Einen solchen Ort gab es bisher in München nicht und auch in keiner anderen bayerischen Stadt.

Geschützter Raum der Begegnung

"Und darum ist ein Haus der Kulturen und Religionen wichtig", sagt Gönül Yerli, muslimisches Vorstandsmitglied des Vereins, "dass man einen geschützten Raum hat, wo sich die Menschen der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften austauschen können und eben eine echte Begegnung stattfinden kann."

Um friedlich miteinander zu leben, ist das Miteinander der verschiedenen Religionen in einer Stadt unverzichtbar, meint Rabbiner Steven Langnas von der Israelitischen Kultusgemeinde. "Hass, Diskriminierung und Vorurteile haben teilweise eine gemeinsame Quelle", so der jüdische Vorstand des Vereins, "und zwar Ignoranz". Viele islamfeindliche Menschen hätten noch nie einen Koran in der Hand gehabt, so Langnas. "Wir sind da, um Wissen und Werte zu verbreiten."

Vorerst Treffpunkt in der Kirche

In Berlin planen Engagierte bereits seit Jahren ein ähnliches Projekt, für das im Mai der Grundstein gelegt wird. In München geht man einen anderen Weg. Versuchsweise kann das "Haus der Kulturen und Religionen" für ein Jahr die evangelische Nazarethkirche als Veranstaltungsort und Treffpunkt nutzen, einen Kirchenbau aus den 1960er-Jahren mit Zeltdach. Die Kirchengemeinde sei offen ist für Neues und andere Religionen, sagt Pfarrer Markus Rhinow. "Dieses Über-Grenzen-Gehen und zu schauen, wie können wir Menschen zusammen bringen, war immer schon unser Thema."

Gemeinsam ein "Haus" bauen

Viele Ideen, viele verschiedene Gruppen – nichts ist schon festgelegt, alles soll gemeinsam erarbeitet werden, hofft Martin Rötting, Spiritus Rector des Projekts. "Die Stadt München muss herausfinden, was für ein Haus sie will." Im nächsten Schritt soll dann vielleicht etwas gemietet oder gebaut werden. "Bis dahin haben wir Zeit, die Vision zu entwickeln und den einen oder anderen Geldgeber dafür zu interessieren."

Vielleicht könnte in München ein College für interreligiöse Studien entstehen, ein internationales Wohnheim, ein Lehrhaus für Erwachsenenbildungsprojekte oder ein Café zur Begegnung – alles Ideen, die zur Debatte stehen. Gönül Yerli hat den Eindruck, dass sich in München viele Menschen dafür interessieren: "Jeder, der sich mit dem Haus identifiziert, darf auch mitmachen."

Die Initiatoren planen jetzt die ersten Veranstaltungen. Anfang Juni soll, wenn möglich, die offizielle Eröffnungsfeier in der Nazarethkirche stattfinden.

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