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Bildrechte: BR/Alex Brutscher

Das "Haus 0" des Utopia Toolbox-Projekts "Obdach"

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Haus O: Kunstprojekt will Obdachlosigkeit ins Bewusstsein rufen

Was brauche ich, um mich geborgen zu fühlen? Überlegungen dazu können sich Interessierte in Augsburg beim Kunstprojekt "Obdach" nicht nur theoretisch machen, sondern ganz konkret in einer "bewohnbaren Skulptur".

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Von
  • Alexander Brutscher

Auf dem weitläufigen Augsburger Gaswerk-Gelände wirkt es verloren: ein kleines rotes Haus, ungefähr drei Meter lang und hoch, etwa zweieinhalb Meter breit, mit einer Wohnfläche von rund acht Quadratmetern. Es erinnert ein bisschen an eins der Hotels bei Monopoly. Der Name der "bewohnbaren Skulptur", wie es Projektleiterin Juliane Stiegel ausdrückt, lautet "Haus 0" und ist ein Teil des Kunstprojekts "Obdach", einer Koproduktion des Augsburger Staatstheaters mit Utopia Toolbox, einem internationalen Kreativ-Kollektiv mit Sitz in Augsburg. Bis Ende Juni können Interessierte das Haus kostenlos buchen und bewohnen, tage- oder sogar wochenweise.

Bewohnerin: "Trotz Größe einer Gefängniszelle kein beengtes Gefühl"

Juliane Stiegele ist die Gründerin des Künstler-Kollektivs Utopia Toolbox. Sie hat mehrere Nächte in "Haus 0" verbracht und das eigene Projekt so quasi probebewohnt. Aus Neugier, wie sie sagt, aber auch um zu testen, wie die Atmosphäre ist, ob man das jemandem zumuten kann. "Es hat sich dann sehr schnell herausgestellt, dass diese acht Quadratmeter, die auch zugleich das Maß sind, das eine deutsche Gefängniszelle hat, in dem Fall ganz große Freiheit bieten. Das Haus hat ein großes Dachfenster, durch das man nachts die Sterne sehen kann. Tagsüber ziehen die Wolken vorbei, man hat eigentlich kein beengtes Gefühl. Es ist sehr hell und sehr frei. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt", sagt Stiegele.

Ziel: Bewusstsein schaffen für Obdachlosigkeit

Alle, die das Haus bewohnen, sollen sich darin Gedanken machen zu den Themen: Obdach, Obdachlosigkeit, Geborgenheit, Heimat. Denn das Ziel von Haus 0 sei, Bewusstsein zu schaffen für diese Themen, sagt Projektleiterin Stiegele: "Wir leben in einer der reichsten Nationen der Erde. Und es gibt immer noch Leute, was für mich ziemlich unvorstellbar ist, die kein Dach über dem Kopf haben. Wie kann so etwas sein?"

Das Haus leuchtet in auffallend roter Farbe. Auch seine Ästhetik trage dazu bei, dass Leute kommen und fragen, was es mit dem Häuschen auf sich hat, warum es dort steht und auch "warum es für Obdachlose so schön sein müsse", erzählt Stiegele. So sei man dann direkt im Austausch über das Thema.

Keine voll funktionsfähigen Wohnstätten für Obdachlose, sondern "Trigger" im öffentlichen Raum

Das "Haus 0" ist sozusagen der Prototyp für weitere solche Häuser, die im Lauf dieses Jahres an verschiedenen Standorten in der Stadt dann Obdachlosen zur Verfügung stehen sollen. Projektleiterin Juliane Stiegele betont allerdings, dass es sich bei den Häusern nicht um voll funktionsfähige Wohnstätten für Obdachlose handeln soll, das könne das Projekt auch gar nicht leisten. Toiletten oder eine Heizung gibt es darin zum Beispiel nicht. Danach sei sie von Passanten oft gefragt worden. Die Idee hinter dem Projekt war laut Stiegele eine andere: "dass das Haus bewohnbar, aber eigentlich eine Skulptur sein soll, die als Trigger für das Thema im öffentlichen Raum steht."

Ausstellung des Staatstheaters soll Erfahrungen der Bewohnerinnen und Bewohner präsentieren

Das Thema wird auch beim Augsburger Staatstheater eine Rolle spielen. Denn das "Haus 0" steht nicht nur in unmittelbarer Nähe zur Brechtbühne, es soll auch eine Ausstellung des Staatstheaters geben, die sich mit den Erfahrungen auseinandersetzt, die die Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser sammeln. Etwa in Form von Text, Video und Zeichnungen.

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