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Libuše Šafránková

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    Hauptdarstellerin aus "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" tot

    Ihren künstlerischen Durchbruch erlebte Libuše Šafránková 1973 mit einem Märchenfilm, der aus dem Weihnachtsprogramm nicht wegzudenken ist. In Prag war sie Mitglied des Kammerensembles, auch in einem Oscar-prämierten Film wirkte sie mit.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Der große Erfolg 1973 in der DEFA-Koproduktion als Aschenbrödel bescherte ihr Bekanntheit, legte sie aber auch lange fest auf Rollen in Märchenfilmen. So musste die damals zwanzigjährige Libuše Šafránková sich später als "kleine Meerjungfrau" (1976) ebenso beweisen wie in "Prinz und Abendstern" (1979). Insgesamt rund 150 Filme drehte sie, darunter fast ausschließlich Komödien, Melodramen und Kinderfilme, für die Tschechien berühmt war. Allerdings hatte Šafránková auch eine Hauptrolle in dem kommerziell wie künstlerisch enorm erfolgreichen Drama "Kolya" (1996), wo sie die Sängerin Klara spielte. Der Film über einen tschechischen Cellisten, der aus Protest gegen den Kommunismus nur noch auf Beerdigungen spielt, bekam 1997 den Auslands-Oscar.

    Zwei Jahre nach ihrem Debüt und größten Leinwand-Erfolg war sie an der Seite von Christopher Plummer und Maximilian Schell in "Der Tag, der die Welt veränderte" über das Attentat von Sarajewo in der Nebenrolle der Jelena besetzt. Und auch in einer Donald-Trump-Satire war sie zu sehen.

    Armbrustschießen gefiel ihr am Besten

    "Am Tag tummelte ich mich auf den wunderhübschen verschneiten deutschen Ebenen oder wusch die Wäsche im Böhmerwald, abends habe ich in Prag Theater gespielt", so Libuše Šafránková rückblickend in einem Interview über die Dreharbeiten an "Aschenbrödel". Besonders begeistert war sie demnach über das Armbrustschießen: "Es hat mir wirklich großen Spaß gemacht. Zu meiner Überraschung habe ich gleich beim ersten Mal mehrmals ins Schwarze getroffen. Die Zielscheibe bewahre ich bis heute im Schrank auf." Und noch etwas verriet sie: In ihrer Familie blieb der Fernseher Weihnachten aus, so dass sie dem Ritual nicht folgte, das für viele Millionen andere gilt, nämlich "Aschenbrödel" zu gucken.

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    Bildrechte: F+G Köhler/Picture Alliance

    Märchen-Liebe: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"

    Der Schnee habe dem Märchen seine "Reinheit gegeben", so die Schauspielerin: "In jedem alten Märchen sind eigentlich die Anleitung zum mystischen Weg und der Schlüssel zur geistlichen Entwicklung. Die Kinderseele kann es wahrscheinlich auf eine bestimmte Weise herausfühlen und mit sich bis ins Erwachsenenalter mitnehmen."

    Die 1953 in Brünn geborene Libuše Šafránková war mit dem Schauspielerkollegen Josef Abrhám verheiratet, der unter anderem als Arzt in "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" zu sehen war. Die beiden galten lange als das Traumpaar des tschechischen Fernsehens. 2008 war Šafránková zur beliebtesten Fernsehschauspielerin Tschechiens gewählt worden.

    "Während der Fahrt abgesprungen"

    Im Jahr 2014 erkrankte Šafránková an Lungenkrebs und musste sich einer schweren Operation unterziehen. Obwohl sie eine Nadel-Phobie hatte und sich vor Spritzen ängstigte, musste sie damit zurecht kommen: "Ich hatte zuerst Angst, aber die Krankenschwester, die mich aufklärte, sagte, ich solle mir denken, das sei so normal wie Wäsche in die Waschmaschine zu legen. Es sei ein Alltagsvorgang wie jeder andere. Und so sage ich mir jetzt in diesen Situationen, ja, ich lege Wäsche in die Waschmaschine, ich lege Wäsche in die Waschmaschine. Und es funktioniert. Das muss es", so die Schauspielerin gegenüber der tschechischen Zeitung "Blesk". Während der Pandemie habe die vierfache Großmutter das Haus nicht verlassen.

    An der Verleihung der tschechischen Verdienstmedaille im Herbst 2015 konnte sie nicht persönlich teilnehmen. "Mich hat die Auszeichnung sehr überrascht, denn ich habe das Gefühl, dass ich erst noch richtig etwas leisten sollte", sagte sie damals "Blesk". In den letzten Jahren zog sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und gab nur noch äußerst selten Interviews.

    Schon als Kind zog es sie zum Theater. Als 17-Jährige stand sie erstmals vor der Fernsehkamera und begeisterte mit ihrem Charme und ihrem Temperament. Starallüren waren ihr dennoch fremd. Als junge Frau sei sie nach abendlichen Theateraufführungen mit dem Güterzug nach Hause gefahren, erinnerte sie sich einmal. "Die Züge haben bei uns in der Nähe immer abgebremst - und ich bin während der Fahrt abgesprungen."

    Premierminister Andrej Babiš erklärte zum Tod von Šafránková: "Sie hat mir sehr gefallen. Ich habe sie als Aschenputtel vielleicht hundertmal gesehen. Ohne sie kann ich mir das tschechische Weihnachtsfest nicht vorstellen. Und ich glaube, keiner von uns. Es tut mir so leid, dass sie weg ist. Allen Hinterbliebenen und Angehörigen mein aufrichtiges Beileid."

    Nach Angaben des tschechischen Nachrichtensenders CNN Prima News ist Libuše Šafránková am Mittwoch im Alter von 68 Jahren gestorben. Am Dienstag hatte sie sich in der Klinik für Onkologie einer weiteren Operation unterziehen müssen.

    (mit dpa-Material)

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