Porträt des Entertainers
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Harald Schmidt

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Harald Schmidt wehrt sich: "Bin nicht für Ängste verantwortlich"

Weil er das Sommerfest der schweizerischen "Weltwoche" besucht hatte, wurde der Entertainer kritisiert: Er habe sich dort mit rechtskonservativen Leuten wie Hans-Georg Maaßen fotografieren lassen. Dazu Schmidt: "Ich verwerte das auf der Bühne."

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Die schweizerische "Weltwoche" gilt als so umstritten wie konservativ. Dennoch ließ sich der TV-Satiriker Harald Schmidt beim Sommerfest des Blatts blicken und wurde herbe kritisiert, etwa vom TV-Kollegen und Moderator Klaas Heufer-Umlauf, der in einem Podcast sagte: "Dass der da freiwillig zu Hause losfährt, dahin geht, genau wissend, wer da alles ist, und sich freut auf einen herrlichen Abend mit guten Gesprächen mit Hans‑Georg Maaßen und anderen Aussortierten. Er adelt da den ganzen Laden, indem er dort wahrscheinlich der Einäugige unter den Blinden ist." Die "Weltwoche" sei eine "ganze harte Nummer", weil Chefredakteur Roger Köppel zum Beispiel Ende April nach Russland gereist sei, um dort "Putin-Getreue" zu befragen ("Russlands Kinder-Beauftragte Lwowa-Belowa über einen starken, aber auch empathischen Präsidenten Putin"). Das hatte viel Wirbel verursacht.

"Gehe dorthin, wo ich Material erwarte"

Jetzt rechtfertigte Harald Schmidt seinen Ausflug zur "Weltwoche"-Party. In der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT (Ausgabe vom 31. August) sagte er: "Es geht mir gar nicht um Provokation. An so einem Abend muss ich 40, 50 Fotos machen. Wenn die Leute sehen, dass Selfies gemacht werden, gucken sie. Dann wollen sie auch ein Selfie: 'Mein Großvater war so ein Fan von Ihnen!' Teilweise kenne ich diese Leute, teilweise nicht." Den verschiedentlich als "Neuen Rechten" bezeichneten Matthias Matussek kenne er seit über dreißig Jahren, so Schmidt, Hans-Georg Maaßen ("trotz Hitze korrekt angezogen") sei ihm dagegen bis dahin nicht persönlich bekannt gewesen. Ironisch fügte der Satiriker an: "Ich mit halb leerem Glas. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Status noch erreiche."

Er sei schon im vergangenen Jahr von der "Weltwoche" eingeladen worden, so Schmidt, habe damals jedoch keine Zeit gehabt: "Natürlich kann ich mir die Aufregung ausrechnen, die ich ernte, wenn ich da hingehe. Aber es ist mir egal. Letzten Endes bin ich Autor. Ich verwerte das, was ich erlebe, auf der Bühne. Ich gehe dorthin, wo ich Material erwarte." Auf Nachfrage erläuterte Schmidt, der Besuch sei als "Recherche" zu verstehen: "Ich lasse mich ja nicht bei ungefähr 400 Gästen vorher briefen, was der und der vorher gemacht haben. Also, wenn Sie mit jedem nicht mehr gesehen werden wollen, der ein bisschen eine merkwürdige Entwicklung gemacht hat, dürfen Sie nicht mehr ins Fußballstadion gehen."

"In den Redaktionen herrscht Angst"

Die Kritik im Netz treffe ihn nicht, so Harald Schmidt, das bekomme er gar nicht mit. Auf die Frage nach dem Erstarken der AfD sagte er: "Ich bin nicht verantwortlich für Ängste, die Menschen haben. Ich bin Bühnenkünstler. Die Leute, die zu mir kommen, wollen hören, dass ich auch nicht Bescheid weiß."

Thema war auch die Debatte um "Warnhinweise" des WDR vor der Ausstrahlung von alten Sendungen von Harald Schmidt ("Schmidteinander"). Bei den nächtlichen Wiederholungen einzelner Folgen hatte es geheißen, das Programm sei "Bestandteil der Fernsehgeschichte" und enthalte Passagen, die "heute als diskriminierend betrachtet" werden könnten. Dazu Schmidt: "In den Redaktionen herrscht Angst. Das sagen mir Redakteure: 'Wenn wir ein neues Format entwickeln, müssen wir immer überlegen, welche Shitstorms das auslöst. Und wie wir dann darauf reagieren.' Als wir Schmidteinander gemacht haben, gab es keine Angst, da sagten Intendanten wie Friedrich Nowottny und später Fritz Pleitgen: Ich will jetzt mal vier Wochen keinen Ärger mit euch haben! Wir haben mal 30.000 Fliegen in der WDR-Kantine losgelassen, da musste die vier Tage geschlossen werden. So was ist heute nicht mehr möglich. Deswegen kann ich diesen Hinweis verstehen."

Ironisch kommentierte Schmidt, niemand hätte überhaupt bemerkt, dass einzelne Wiederholungen von "Schmidteinander" tief in der Nacht gesendet worden seien, wenn die Medien nicht die Aufregung um die "Warnhinweise" vom Zaun gebrochen hätten. In der WDR-Mediathek sind die Folgen aus rechtlichen Gründen nicht zu sehen, wie es in der "Süddeutschen Zeitung" hieß, dazu bedürfe es "komplizierter Nachverhandlungen".

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