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"Hannes Balla war die Rolle seines Lebens"

Manfred Krug gehörte bereits in der DDR zu den beliebtesten Schauspielern. Aus Sicht des Zeithistorikers Stefan Wolle hat er sich mit seinen Rollen eine große Unabhängigkeit erspielt und Filmgeschichte geschrieben. Von Niels Beintker

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"Krugs Rolle im Film 'Spur der Steine' bleibt seine bekannteste", sagte Stefan Wolle, wissenschaftlicher Direktor des Berliner DDR-Museums, im Gespräch mit dem BR. Der DEFA-Film in der Regie von Frank Beyer - eine Adaption des gleichnamigen Romans von Erik Neutsch - thematisierte einen Konflikt zwischen zwei zentralen Instanzen im Sozialismus: Hier der Arbeiter, da der Parteifunktionär.

Kein Held der Arbeit

Der Film, 1965 gedreht, fiel dem berüchtigten 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Dezember des selben Jahres zum Opfer - allerdings mit Verzögerung. Die Premierenfeier im Juni 1966 in Ostberlin geriet zum denkwürdigen Fanal. Die Staatssicherheit schickte ihre Leute als Störenfriede ins Kino, überliefert sind Rufe bei Auftritten Manfred Krugs alias Hannes Balla wie "Das Schwein soll endlich mal arbeiten gehen."

"Das war vollkommen unüblich in der DDR. In Rostock - wo der Film auch gezeigt wurde - rief der Leiter des Kinos die Polizei und sagte 'Störer stören ein Werk der sozialistischen Filmkunst'. Bei der Ausweiskontrolle zeigte sich, dass das die Störer die eigenen Leute waren." Stefan Wolle

Biermann-Ausbürgerung als Zäsur

Der Film "Spur der Steine" wurde kurz nach der Premiere verboten und verschwand bis zum Herbst 1989 im Archiv. Für Manfred Krug hatte die Rolle als anarchistischer Held der Arbeit keine negativen Folgen.

Zur biographischen Zäsur wurde die Ausbürgerung Wolf Biermanns im November 1976. Manfred Krug unterzeichnete die Resolution gegen die Entscheidung der Staatsführung. Im Juni 1977 übersiedelte er in die Bundesrepublik und begann eine zweite Karriere.