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Charakter-Schauspielerin Hannelore Elsner ist tot | BR24

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Ob in dem 90-minütigen Monolog "Mein letzter Film" oder als "Die Unberührbare": Hannelore Elsner stellte meisterhaft Frauen dar, die schonungslos mit sich und der Welt ins Gericht gehen. Sonntag ist die große Schauspielerin mit 76 Jahren gestorben.

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Charakter-Schauspielerin Hannelore Elsner ist tot

Ob in dem 90-minütigen Monolog "Mein letzter Film" oder als "Die Unberührbare": Hannelore Elsner stellte meisterhaft Frauen dar, die schonungslos mit sich und der Welt ins Gericht gehen. Nun ist die große Schauspielerin mit 76 Jahren gestorben.

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Manche hatten Angst vor ihr – weil sie als exzentrisch und divenhaft galt. Und tatsächlich konnte Hannelore Elsner auch diese Rolle in der Öffentlichkeit spielen. Sie tat es oft mit einem großen, inneren Vergnügen: Dann war sie die Unberechenbare, die Schwierige, die Eitle. Die, die einem Interviewer, (um es auf gut bayerisch zu sagen), übers Maul fuhr, die sich beschwerte, die auch mal eine Veranstaltung verließ, weil ihr die Fragen zu dumm waren, und überhaupt!

Das Schauspielen ein Geben und Nehmen

Hannelore Elsner hatte einen unglaublichen Spaß am Spiel, am Ausloten von Gegensätzen, am Für und Wider. Nein, sie war keine Diva, sondern vor allem ein Mensch, der das Leben liebte, der nehmen wollte und dann auch geben: "Jede Rolle kriegt etwas von mir, wie ich auch etwas von der Rolle kriege. Das ist schon ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Das ist kreativ, das ist schön, das ist meine Berufung, das ist das, was ich am allermeisten liebe."

Zu verschenken hatte Hannelore Elsner in ihren Rollen ungemein viel. Wie kaum eine andere deutsche Schauspielerin konnte sie alles – das Drama genauso wie die Komödie. Sie hatte ein unwiderstehliches Timing im Witz, so etwa in Dany Levys Komödie "Alles auf Zucker!".

Und sie konnte Dramatik, Tragik. Dieses Gefühl von Leere auf dieser Welt vermitteln, vom Sich-selbst-Abhanden-gekommen-Sein, so etwa in Oskar Roehlers "Die Unberührbare", wo sie Roehlers Mutter spielte, die mit der deutschen Nachkriegsgesellschaft auf Kriegsfuß stehende Schriftstellerin Gisela Elsner. "Wenn ich das Drehbuch lese, dann macht das schon mal was mit mir," so Hannelore Elsner, "dann lese ich das Buch immer wieder und dann entsteht in mir diese Figur. Man verwandelt sich dann in diese Person."

Mit dem Alter schien Hannelore Elsner nie ein großes Problem zu haben. Sie brauchte kein Botox, etwa, um sich ihre wunderbaren Lachfältchen wegzuspritzen. Nein, die wollte sie behalten. So war sie einfach so, wie sie war. Und sie war zufrieden damit, ganz natürlich und ohne jede Koketterie. Auch darin ein Vorbild: "Je älter ich geworden bin, desto bessere Rollen habe ich. Vielleicht, weil ich früher zu blöd war oder zu hübsch oder zu irgendwas – keine Ahnung. Die Rollen sind besser, die Geschichten sind besser. Mein Leben ist viel interessanter, viel reicher geworden."

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Peter Andora und Hannelore Elsner in "Der grüne Vogel" 1980

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Hannelore Elsner in "Alles auf Zucker" (2004)

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Hannelore Elsner als "Die Unberührbare" (2000)

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Hannolore Elsner 2002 in "Mein letzter Film"

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Hannelore Elsner in "Hanni und Nanni" (2010)

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Hannelore Elsner als ehemalige Cabaret-Sängerin Ruth in "Auf das Leben!" (2014)

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Hannelore Elsner und Nadja Uhl in "Kirschblüten - Hanami" 2008

Ihre Karriere begann in München

Hannelore Elsner stammte aus Bayern, sie wurde in Burghausen nahe der österreichischen Grenze geboren, wo ihr Vater als Ingenieur beschäftigt war. Nach Kriegsende wuchs sie in München auf. Dort absolvierte sie auch ihre Schauspielausbildung und hatte erste kleine Engagements, unter anderem an den Münchner Kammerspielen. In ihrem ersten Film "Freddy unter fremden Sternen" spielte sie 1959 an der Seite von Freddy Quinn. Danach folgten einige seichte Unterhaltungsfilme, die Titel hatten wie "Das Mädchen mit den schmalen Hüften" oder "Immer wenn es Nacht wird", die teilweise ein bisschen Sechziger-Jahre-schlüpfig waren, aber das machte die Elsner einfach.

Geschadet hat es ihr nie – vielleicht auch, weil sie in Burghausen mit einer Großmutter aufgewachsen war, die ihr beigebracht hatte, sich nicht zu viele Gedanken zu machen und immer mutig zu sein: "Das war eben meine bayerische Oma, die ich sehr geliebt habe," so Elsner, "die mir sehr viel vermittelt hat, mit der ich dieses wilde, freie Leben leben konnte. Die Fähigkeit, das Schöne, die Wunder des Lebens und auch den Schmerz zu erkennen, zu erleben und zu leben – das habe ich bei ihr gelernt."

Sie bekam viele Auszeichnungen, darunter den Deutschen und den Bayerischen Filmpreis. Elsner war gefragt und wechselte munter zwischen Film- und Fernsehproduktionen. Sie war auf dem Bildschirm "Die Kommissarin" und im Kino die Trudi Angermaier in Doris Dörries Drama "Kirschblüten – Hanami". Es gelang ihr nicht alles, aber vieles. Und bei allen Erfolgen schaffte sie vor allem eines, vielleicht das wichtigste überhaupt – ein Mensch zu bleiben, einer, der mal mit sich haderte und mal sich freute, der vor allem immer das Leben liebte, auch an den schlechten Tagen. Bei Verzweiflung gab es ein probates Hilfsmittel, wusste Hannelore Elsner: "Ich bin natürlich ein Genussmensch. Wenn Schokolade in meiner Nähe ist, dann ist die weg!"

Am Ostersonntag ist Hannelore Elsner nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben.

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B5 Kultur

Von
  • Moritz Holfelder
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