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Hannah Höch in der Mewo Kunsthalle Memmingen | BR24

© Bayern2

Hannah Höch war eine der wenigen Frauen der Dada-Bewegung. Die Ausstellung "Karavane" in der Mewo-Kunsthalle in Memmingen widmet sich nun den verschollenen Collagen von Höch – und lädt auch aktuelle Künstler ein, sich damit auseinanderzusetzen.

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Hannah Höch in der Mewo Kunsthalle Memmingen

Hannah Höch war eine der wenigen Frauen der Dada-Bewegung. Die Ausstellung "Karavane" in der Mewo-Kunsthalle in Memmingen widmet sich nun den verschollenen Collagen von Höch – und lädt auch aktuelle Künstler ein, sich damit auseinanderzusetzen.

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Geboren 1889, verstorben 1978 erlebte Hannah Höch die hellen wie die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte. Und so gehe ihr Tagebuch von 1939 unter die Haut, schwärmt Martin G. Schmid, zusammen mit Jaro Straub und Christl Mudrak Kurator der Ausstellung "Karavane – verschollene Collagen von Hannah Höch" in der Mewo-Kunsthalle in Memmingen. Teile aus Hannah Höchs Aufzeichnungen haben sie einem Fries ähnlich an den Wänden angebracht – nicht der einzige Teil der Schau, in dem sich die Besucher verlieren werden und die Zeit vergessen können.

Die Anziehungskraft des Verschollenen

Dass sich die Ausstellung um Hannah Höch dreht, daran ist zu einem großen Teil Jaro Straubs Familiengeschichte schuld: "Ich bin im Haus eines chinesischen Architekten aufgewachsen, der die Hannah Höch persönlich kannte. Sie hat ihm zwei Collagen geschenkt. Eine davon konnte mein Vater ihm abkaufen. Die andere ist in eine andere Richtung verkauft worden, wir wissen nicht genau wohin. Die habe ich gesucht, die hat mich noch mehr interessiert, weil es darin um Architektur geht." Im Hannah Höch-Archiv der Berlinischen Galerie wurde Jaro Straub fündig und entdeckte eine Schwarz-Weiß-Aufnahme der gesuchten Collage. Und es blieb nicht bei einer, es wurden knapp 30 Werke, von denen keiner weiß, wo sie geblieben sind.

"Was verschollen ist, hat eine größere Anziehungskraft als etwas, das präsent ist," erklärt Jaro Straub die Faszination des Verschollenen. "Weil die Frage bleibt: Was ist damit passiert? Wer besitzt sie? Vielleicht sind sie verloren gegangen... Aber diese Frage schafft eine Spannung, eine künstlerische Spannung. Und daraus hat sich für uns auch die Frage entwickelt: Wie gehen Künstler heute damit um? Wir wollen ganz explizit zeitgenössische Künstler einladen, mit dieser Frage zu arbeiten. Uns interessiert sehr, wie man das aktualisieren kann: Wie kriegt man diese verschollenen Collagen wieder lebendig?" Martin G. Schmid geht noch einen Schritt weiter und sagt, das Projekt "würde mit vorhandenen Collagen nicht funktionieren. Wir brauchen die Abwesenheit. Erst dadurch kann bei den ganzen Künstler*innen die Fantasie, die Projektion, das Eintauchen beginnen."

Neue Werke für die Karavane

In Memmingen organisieren Straub und Schmid nun die dritte Ausstellung rund um Hannah Höch, thematisch dreht sich dieses Mal alles um ihre ausgedehnten Reisen mit der Karavane, einem in den 1930er Jahren sehr beliebten Wohnwagen. Noch im Frühjahr überlegten beide, welche Künstler sie für ihr Projekt ansprechen könnten – und waren überrascht, wer alles zusagte, darunter der Schweizer Zeichner Roland Dostal, der in Berlin und Rom lebende Künstler Robert Gschwantner, die französische Filmemacherin und Künstlerin Laure Prouvost oder die Konstanzer Filmemacherin und Künstlerin Ulrike Ottinger.

Auch die Kuratoren haben neue Arbeiten beigesteuert, zu sehen im assoziativen Teil der Ausstellung im Erdgeschoss. Im ersten Stock wird es hintergründiger, dort hängen nicht nur die Auszüge aus dem Tagebuch von Hannah Höch, sondern es wurde noch eine Art Archiv eingerichtet, "wo ganz viele Themen zusammenkommen, die unten in der Ausstellung im Lichthof keinen Platz finden," so Jaro Straub. "Man muss also die Treppen hochgehen und entdeckt nochmal einen ganz anderen Zusammenhang, aber auch Materialien aus den Archiven der Künstler, Arbeiten, die vielleicht gar nicht als Kunstwerke ausgestellt würden, sondern Einblick geben in einen Zusammenhang, der in der Ausstellung oft keinen Platz findet. Das ist eine Einladung an alle Ausstellungsbesucher, sich noch etwas tiefer mit dem Thema zu beschäftigen."

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